Der Nürnberger Kommunalkonzern N-Ergie hat nach einem Jahr Abstinenz seinen Platz unter Deutschlands vier größten Stromversorgern im Geschäftskunden- oder genauer RLM-Kundenbereich zurückerobert.
Nach Angaben des Bundeskartellamts gehörte der bayerische Versorger, der zu rund 60 Prozent den Städtischen Werken Nürnberg sowie zu rund 40 Prozent dem Stadtwerkeverbund Thüga gehört, im vergangenen Energiekrisenjahr wieder zu den absatzstärksten Unternehmen in diesem Segment. Bei den anderen namentlich genannten Energiekonzernen handelte es sich um Eon, RWE und EWE.
RLM-Segment: Weniger Dominanz der großen Vier
Im Vorjahr hatte der Hannoveraner Wettbewerber Getec die Nürnberger noch aus dem Spitzenquartett verdrängt. Die drei anderen Versorger waren bereits 2021 ganz vorne gelistet.
Bemerkenswertes ergab sich beim Marktanteil der Top Vier im RLM-Kundensegment. Nach Angaben des Bundeskartellamts kamen sie im vergangenen Jahr auf einen Absatz von 51 Terawattstunden (TWh). Das entsprach einem aggregierten Anteil von 21 Prozent.
Keine marktbeherrschende Stellung
Im Vorjahr hatte der aggregierte Marktanteil rund 26 Prozent betragen, im Jahr 2020 sogar noch rund 29 Prozent.
Wie schon in den Vorjahren lagen die Werte der Top Vier "deutlich unter den gesetzlichen Schwellen für die Vermutung einer (gemeinsamen) marktbeherrschenden Stellung", wie die Kartellbehörde anmerkte.
Haushaltskunden: Marktanteil der großen Vier wächst
Etwas anders stellte sich die Lage im vergangenen Jahr im Wettbewerb um Haushaltskunden und kleine Gewerbebetriebe dar. Auf dem bundesweiten Markt für die Belieferung sogenannter SLP-Kunden im Rahmen von Sonderverträgen – also außerhalb von Grundversorgung und ohne Heizstrom – kamen die vier absatzstärksten Unternehmen auf zusammen rund 50 TWh. Das entsprach einem Marktanteil von 44 Prozent.
Zum Vergleich: Im Vorjahr betrug der aggregierte Absatz der großen Vier noch 41 TWh. Der Marktanteil lag entsprechend bei 36 Prozent.
Eon bleibt ganz vorn
An der Zusammensetzung der Top Vier im SLP-Kundensegment änderte sich im Vergleich zum Vorjahr nichts. Ganz vorne lagen nach Angaben des Bundeskartellamts hier weiterhin Eon, EnBW, Vattenfall und EWE.
Alle vier Unternehmen sind auch Deutschlands größte Strom-Grundversorger. So deckt Eon beispielsweise große Flächen Bayerns und des Ruhrgebiets ab. EnBW ist in Baden-Württemberg oftmals der Platzhirsch.
Grundversorgung: Große Vier bauen Führung aus
Vattenfall ist unter anderem in Deutschlands größten Städten Berlin und Hamburg Strom-Grundversorger. Und EWE hat diese Funktion in großen Teilen Niedersachsens und Brandenburgs inne.
Auch im Bereich der Grundversorgung konnten die großen Vier ihre Führungsposition ausbauen. Ihr aggregierter Marktanteil wuchs im Vergleich zum Vorjahr von 42 auf 46 Prozent.
Historische Preissprünge im Energiekrisenjahr 2022
Das vergangene Jahr war auf dem Strommarkt von historischen Preissprüngen geprägt. In der Folge dünnten sich die Angebote auf den Endkundenmärkten teilweise dramatisch aus. Viele Kunden kehrten freiwillig oder teils auch notgedrungen zu ihren örtlichen Grundversorgern zurück.
Noch stärker setzte die Strompreisrallye Geschäftskunden zu. Manche Betriebe hatten Mühe, überhaupt noch ein einigermaßen akzeptables Angebot zu finden. Inzwischen haben sich die Großhandelsmärkte stabilisiert. Auch der Wettbewerb hat sich im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich intensiviert. (aba)



