ZfK: Wie blicken Sie auf die Entwicklung der Endkundenpreise in diesem Jahr für Stadtwerke. Werden die weiter steigen?
Zapreva: Ja, ich gehe davon aus, dass wir weitere Preisanstiege sehen, obwohl die Börsenpreise jetzt sinken. Denn im vergangenen Jahr waren die Preise insgesamt sehr hoch und es musste für dieses Jahr eingekauft werden. Es gab Szenarien im vorigen Herbst, wo wir gedacht haben, womöglich werden wir bald den dreifachen Preis zahlen müssen. Das heißt, die Unternehmen haben eingekauft und das wird jetzt irgendwann an den Kunden weitergegeben.
Aber dann haben Sie wieder das kommunikative Problem, dass jeder sagt, warum erhöht ihr jetzt die Preise, wenn diese an den Börsen permanent sinken.
Mag sein, aber wir sehen jetzt auch einen Shift. Wir kommen immer mehr dorthin: Für Neukunden sinken die Preise, die Grundversorgung steigt und das kommt wieder in eine Relation, die passt. Dass die Grundversorgung einen Tick teurer ist als die Neukundenpreise.
Lassen Sie uns auf das Thema Windkraft zu sprechen kommen. Da ist Enercity fulminant gewachsen und ein ganz großer Player. Können Sie skizzieren, was hier ihre weiteren Pläne sind. Wollen Sie weiter zukaufen, gibt es da noch Potential?
Wir haben eine zweigleisige Strategie. Zum einen im Bereich M&A (Mergers & Acquisitions) und zum anderen selbst entwickeln und bauen. Hierfür haben wir mittlerweile ein großes Team aufgebaut, das ständig wächst. Wenn alle unsere Windprojekte, die derzeit in Bau sind, fertiggestellt sind, werden wir bei 1.000 Megawatt sein. Und unser Plan lautet: Weiter so. Wir haben Projektpipelines und wir werden die kommenden Jahre sicherlich jährlich mindestens 100 – 200 Gigawattstunden dazu bekommen. Weitere Zukäufe sind dabei nicht ausgeschlossen, weitere Partnerschaften sind ebenfalls nicht ausgeschlossen.
Ist das alles Onshore?
Ja. Für Offshore braucht es das Know-how, das nötige Kapital und eine hohe Risikobereitschaft. Ich habe noch nie einen Offshore-Windpark gemacht und habe da ziemlichen Respekt vor.
Halten Sie denn das politische Ziel von 80 Prozent Erneuerbare in der Stromproduktion bis 2030 für realistisch? Für die Windenergie an Land erfordert dies eine Verdopplung bis Verdreifachung des Zubaus. Kann das klappen?
Wenn man das ernsthaft will und wir die Genehmigungsprozesse beschleunigen, ja. Wir haben jetzt schon in Niedersachsen eine Geschwindigkeit hinbekommen, die ihresgleichen sucht. Nicht nur die LNG-Terminals wurden schnell genehmigt, sondern wir haben alle unsere Anlagen im Rahmen des Kohleausstiegs in Windeseile genehmigt bekommen. Wenn wir diese Geschwindigkeit flächendeckend auch bei der Windkraft an Land hinbekommen, dann glaube ich an die Erreichbarkeit des 80-Prozent-Ziels.
Die Windräder und Solarparks sind das eine, die Netze und weitere Infrastrukturanlagen für die Energiewende das andere. Ist hierbei das jetzige Regulierungssystem ein Bremsklotz?
Die jetzige Netzentgeltregulierung funktioniert für die Erneuerbaren und die Energiewende nicht. Wir haben Fünf-Jahres Intervalle. Jetzt müssen wir in fünf Jahren so viel ausbauen, wie in den letzten 20 Jahren gebaut worden ist. Das erfordert Flexibilität und nicht fünf Jahre Starre. Wenn ich als Netzbetreiber statt 1000 auf einmal 10.000 PV-Anlagen anschließen muss – oder Ladesäulen oder Wärmepumpen – dann brauche ich zehnmal so viel Personal für die Netzanschlüsse. Wenn ich aber diese zusätzlichen Personalkosten im Rahmen des jetzigen Regulierungssystems nicht erstattet bekomme, dann mache ich Verluste. Dazu die niedrige Verzinsung. Warum soll ich bei drei Prozent investieren, wenn ich 10 Prozent woanders hätte. Oder das Thema Gasnetze: Wenn nicht investiert wird, wird die Erlösobergrenze gekappt. Es werden also weiterhin Investitionen in das Gasnetz angereizt, obwohl weitgehend Konsens darüber besteht, dass eigentlich die Stromnetze und nicht die Gasnetze ausgebaut gehören. Das ist grotesk.
Die Fragen stellten Klaus Hinkel und Hans-Christoph Neidlein
In der jüngsten ZfK-Printausgabe äußert sich Zapreva über die Auswirkungen der US-Investitionsoffensive für Erneuerbare auf Europa und die EU-Pläne für eine neues Strommarktdesign. Zu einem ZfK-Abonnement geht es hier.



