Die Stadtwerke Düren (SWD) erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2019 einen Überschuss von rund 5,8 Mio Euro und damit 5,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Sondereffekt war dabei der Verkauf des ehemaligen Deperieux-Geländes. Der Umsatz stieg von 129,7 um 3,9 Prozent auf 134,8 Millionen Euro. Dies ist vor allem auf den Contracting-Bereich und Stromversorgung zurückzuführen, teilen die SWD mit.
"Das zurückliegende Geschäftsjahr war sehr anspruchsvoll", sagte SWD-Geschäftsführer Heinrich Klocke. Die SWD stießen dabei verschiedene Projekte an und wuchsen in vielen Bereichen. Aber der Versorger verzichtet auf eine Prognose für 2020, aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie und vieler unvorhersehbarer Faktoren in der Wirtschaft und den Privatenhaushalten.
SWD fördert neues Wärmeangebot
Nichtsdestotrotz treiben die SWD die Energiewende vor Ort voran. Mit 35 SHK-Fachbetrieben (Sanitär-Heizung-Klima) statteten sie so rund 40 Mehrfamilienhäuser und 23 Einfamilienhäuser mit modernen und umweltfreundlichen Heizungsanlagen aus. Die Stadtwerke planen die Modernisierung, kümmern sich um die Beauftragung lokaler Handwerker und finanzieren den Kauf und den Austausch der Heizungsanlagen. Zudem übernehmen sie die kontinuierliche Wartung.
Im Rahmen eines Zehn-Jahres-Vertrages sichern sich die Hauseigentümer den 24/7 Wärmeservice der SWD. Als besondere Dienstleistung für private Besitzer von Mehrfamilienhäusern kümmert sich das Unternehmen nach der Installation hier um die jährlichen Heizkostenabrechnungen und auf Wunsch um die Abrechnung mit den Mietern. So nähmen sie den Hauseigentümern eine große Last ab, sagte Klocke. Für das Jahr 2020 planen die SWD, ihr Wärmeangebot kontinuierlich auszubauen und weitere Handwerksbetriebe als Partner zu gewinnen.
Neues Glasfasernetz stand schneller als erwartet
Ebenfalls 2018 gestartet und 2019 erheblich schneller ausgebaut als geplant, haben die SWD ihr Glasfaser-Angebot SpeedNet in Kooperation mit NetAachen: "Wir hatten uns selbst zum Ziel gesetzt, bis Mitte 2020 alle Gewerbegebiete in Düren und Merzenich mit Glasfaser auszustatten. Wir waren aber schon im Herbst 2019 mit dem Ausbau fertig", freut sich Cord Meyer, Geschäftsführer der Netzbetreiber-Tochtergesellschaft Leitungspartner.
Über 200 Unternehmen haben bereits einen Hausanschluss installieren lassen, und über 100 Verträge wurden abgeschlossen. Rund 3,3 Millionen Euro sind so in die Digitalisierung der acht Gewerbegebiete geflossen. In diesem Jahr plant die SWD-Gruppe die Erschließung weiterer Gebiete.
Neue Servicedimension der EnergieRevolte
Auch das 2018 gegründete Tochterunternehmen EnergieRevolte expandierte. Das Start-up bietet Stromkunden – vergleichbar mit einem Prepaid-Mobilfunktarif – die Möglichkeit, ein flexibles Guthaben per App aufzuladen und dann zu nutzen. Gedacht ist der Service zum Beispiel für Menschen, die bei regulären Stromverträgen mit regelmäßigen Abschlägen in Rückstand gekommen sind.
Auch für junge Menschen, die zum Beispiel zum ersten Mal einen eigenen Haushalt führen, bietet der Prepaid-Vertrag eine erhöhte Transparenz der Kosten und des Verbrauchs. Das Konzept hat im vergangenen Jahr zudem die ersten beiden lokalen Stromanbieter außerhalb Dürens überzeugt, die in Kürze den Service und die App unter eigenem Namen für ihre Kunden anbieten werden.
Neue Entwicklungen im virtuellen Kraftwerkprojekt Quirinus
Die SWD-Gruppe beschäftigte sich auch mit den Nebenwirkungen der Energiewende – nämlich die Gewährleistung der Versorgungssicherheit in der Region. Ziel des Forschungsprojektes "Quirinus" ist es, eine Idee zu entwickeln wie die Energienetze der Zukunft aufgestellt sein müssen, um mit vielen kleinen und somit dezentralen Stromproduzenten umgehen zu können. Im Rahmen des Projektes wird das gesamte Netz als "virtuelles Flächenkraftwerk" betrachtet.
Im Zuge dessen wurden zum Beispiel unterschiedliche Netzbereiche so digitalisiert, dass man jederzeit prognostizieren kann, ob es zu Engpässen kommt. In aufwändigen Feldversuchen wurde getestet, wie man lokal Netzschwankungen stabilisieren kann, und ob man Teilbereiche als Inselnetz betreiben kann, die sich selbst versorgen. Im Detail sei hier aber noch weitere Forschungsarbeit notwendig. Nach über dreijähriger Arbeit wurde das Projekt im Mai 2020 wie geplant vorerst abgeschlossen. Eine Fortsetzung ist jedoch geplant.
Neue Mobilitätsangebote der SWD-Gruppe
Das Unternehmen habe selbst bereits dreiviertel der PKW und Kleintransporter elektrifiziert, so Klocke. Außerdem haben sie 2019 die Abteilung "Digitalisierung & Innovation" neu geschaffen und mit Matthias Rupp einen eigenen Experten für das Thema ins Haus geholt.
"Nachdem wir 2019 gut gestartet sind, haben wir 2020 das Ziel, mit einer ganzheitlichen Strategie neu am Markt aufzutreten", fasst der SWD-Geschäftsführer zusammen. Die bisherigen Angebote für Elektroladesäulen und -boxen sowie Tarife und die passende Beratung sollen stärker aufeinander abgestimmt und als Einheit vermarktet werden. (gun)



