„Die Coronapandemie hat uns allen einen dramatischen Perspektivwechsel beschert und unser Leben – wie wir es bis dahin kannten – elementar verändert": Heike Heim, Vorsitzende der Geschäftsführung der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21).

„Die Coronapandemie hat uns allen einen dramatischen Perspektivwechsel beschert und unser Leben – wie wir es bis dahin kannten – elementar verändert": Heike Heim, Vorsitzende der Geschäftsführung der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21).

Bild: ©DEW21

Die Verkaufsverträge für den Energiekonzern Steag sind unterzeichnet. Dieser wird für rund 2,6 Mrd. Euro an den spanischen Infrastrukturfonds Asterion Industrial Partners veräußert. Die Transaktion sorgt bei allen sechs Stadtwerken, denen die Steag gehört, für einen beträchtlichen Zufluss an Finanzmitteln. Allerdings erst Anfang kommenden Jahres.

In Dortmund etwa rechnet man nach ersten Schätzungen mit einem Liquiditätszufluss von 600 bis 700 Mio. Euro. „Das ist erst Mal Cash und kein Gewinn“, verdeutlichte Jörg Jacoby, Finanzvorstand der Dortmunder Stadtwerke AG (DSW21) an einer Pressekonferenz. In Bochum ist laut „Westdeutscher Allgemeiner Zeitung (WAZ)“ von einem Betrag von 250 bis 300 Mio. Euro die Rede, in Essen von 210 Mio. Euro, die Energieversorgung Oberhausen rechnet mit dem Zufluss eines hohen zweistelligen Millionenbetrags.

In Dortmund soll in einem ersten Schritt die Bilanz der DSW21 mit Blick auf die Steag neutralisiert und die Dortmunder Stadtwerke teilweise entschuldet werden. Aktuell stehen noch 240 Mio. Euro an Belastungen im Zusammenhang mit dem Steag-Kauf anfangs der 2010er Jahre in den Büchern der Stadtwerke. Man gehe davon aus, dass nach Abzug dieser Posten noch ein positiver Betrag übrig bleibe. Wie hoch dieser sein werde, könne man aktuell noch nicht sagen.

Restbetrag könnte in Mobilitäts- und Energiewende fließen

„Diesen Betrag wollen wir im Einvernehmen mit der Stadt investieren“, erklärte die neue DSW21-Chefin Heike Heim. Dabei haben sie und Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal vor allem das Kerngeschäft Energieversorgung und ÖPNV im Blick. Dortmund will bis 2035 klimaneutral werden.

Westphal bewertete die Entwicklungen rund um die Steag in den vergangenen Jahren als „reine Achterbahnfahrt, auch wie die anderen Anteilseigner mit uns zusammen die Situation bewertet haben“. Dortmund habe zum Steagkonzern gestanden, auch als vor zwei Jahren ein weiterer Sanierungsbeitrag der Konsorten zur Rettung des Unternehmens notwendig gewesen sei.

„Da gab es einige Anteilseigner, die nicht schnell genug rauswollten aus der Steag.“ Zu seinem Amtsantritt sei die Steag ein Sanierungsfall gewesen. Lege man das zugrunde, sei der erzielte Verkaufserlös von 2,6 Mrd. Euro ein „hervorragendes Ergebnis“.

Heim zeigt sich mit Verzinsung der Beteiligung unterm Strich zufrieden

Die Dortmunder Stadtwerkechefin Heike Heim sprach erneut von der „bestmöglichen Lösung“ für alle Beteiligten, vor allem für die Mitarbeiter der Steag“. Die Dortmunder Stadtwerke sind mit einem Anteil von 36 Prozent der größte Steag-Gesellschafter. „Wir haben eine zufriedenstellende Rendite auf unser Kuchenstück erzielt“, verdeutlichte Heim. Sie räumte aber auch ein, dass ohne die jüngste Energiekrise und die Renaissance der Steinkohlekraftwerke das Gesamtergebnis des Steag-Engagements auch für Dortmund negativ ausgefallen wäre.

Mit dem Verkauf habe man auch eine gewisse Ruhe in der Anteilseignerschaft der Steag schaffen wollen, gab Dortmunds Oberbürgermeister Westphal zu. Denn die Konstellation mit den sechs kommunalen Anteileignern habe auf „die lange Strecke eher für Unruhe gesorgt“.  

Essens Stadtwerkechef Peter Schäfer hatte tags zuvor in der WAZ ähnliche Töne angeschlagen. „Schuster bleib bei Deinen Leisten“, sagte er mit der Blick auf die Lehren aus dem Steag-Engagement der Ruhrgebietskommunen. Den Städten fehle schlicht die Steuerungskompetenz für derart komplexe Unternehmen und die nötige Finanzkraft. (hoe)

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