Im Skandal um die beiden ehemaligen Geschäftsführer und Vorstände Marcus Wittig und Axel Prasch gibt es in Duisburg neue Entwicklungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Manager, es fanden Hausdurchsuchungen statt. Jetzt bereiten die Aufsichtsräte Schadensersatzforderungen von vorläufig rund 5,3 Millionen Euro vor, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV).
Strafrechtliche Ermittlungen und Hausdurchsuchungen
Mitte Januar 2026 brachte ein anonymer Hinweis auf mögliche Compliance-Verstöße den Vorgang bei der DVV ins Rollen. Im Mittelpunkt standen mögliche Unregelmäßigkeiten bei den Vergütungen von Betriebsratsmitgliedern.
Gegen Wittig und Prasch wurden Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue und möglicher strafbarer Verstöße gegen das Betriebsverfassungsgesetz eingeleitet. Die Stadt und der DVV-Aufsichtsrat beauftragten daraufhin eine externe Rechtsanwaltskanzlei mit der Untersuchung.
Möglicher Millionenschaden
Nun hat der Zwischenbericht der Kanzleien erste Ergebnisse geliefert. "Auf Grundlage der bisherigen Ermittlungsergebnisse haben sich nach Einschätzung der externen Rechtsanwälte die Verdachtsmomente der Untreue in besonders schwerem Fall sowie der Begünstigung von damaligen Betriebsratsmitgliedern gegen die beiden ehemaligen Vorstände weiter konkretisiert", teilte die DVV mit.
Insgesamt beziffern die Rechtsanwälte den möglichen Schaden vorläufig auf rund 5,3 Millionen Euro. Allerdings müsse noch geklärt werden, welche Positionen im Einzelfall verjährt seien und damit nicht zurückgefordert werden könnten.
Mehr Details zum Sachverhalt
Auf Grundlage des derzeitigen Ermittlungsstands sollen die beiden ehemaligen Vorstände "in bisher sieben ermittelten Fällen überhöhte Vergütungen sowie unangemessene Nebenabreden angewiesen oder gebilligt haben", heißt es aus Duisburg weiter. Der jeweilige Ermittlungsstand ist unterschiedlich, und die Sachverhaltsaufklärung dauert noch an.
Fünf dieser Fälle betreffen frühere Betriebsratsmitglieder. Deren Vergütungen sowie Sonderzahlungen und Abfindungen sollen teilweise deutlich außerhalb des Gehaltsgefüges für vergleichbare Stellenprofile und Tätigkeiten sowie oberhalb der betriebsüblichen Entwicklung gelegen haben. Sachliche Rechtfertigungen, etwa durch Vergleichsgruppen oder eine besondere Arbeitsleistung, konnten dagegen bislang nicht identifiziert werden.
In den beiden weiteren Fällen sollen zwei begünstigte Mitarbeitende über mehrere Jahre keine Arbeitsleistung erbracht haben. Beide Mitarbeitenden sollen ein Näheverhältnis zu früheren Betriebsratsvorsitzenden gehabt haben.
Der Arbeitsort wurde jeweils an den privaten Wohnsitz der Mitarbeitenden verlegt. Eine Arbeitsleistung ist jedoch weder erkennbar noch dokumentiert. Die beiden Mitarbeitenden sollen ihre Gehälter ohne nennenswerte Gegenleistungen weiterbezogen haben – im einen Fall über sieben, im anderen über achteinhalb Jahre.
Das Unternehmen hat nach Bekanntwerden der Ermittlungsergebnisse bereits reagiert und – sofern rechtlich möglich – die Verträge aufgelöst sowie Zahlungen zurückgefordert, teilte die DVV weiter mit.
Was passiert ist
Am 3. Februar beendeten die Aufsichtsräte von DVV, Stadtwerken Duisburg und Duisburger Verkehrsgesellschaft die Zusammenarbeit mit beiden Managern Marcus Wittig und Axel Prasch fristlos. Ihnen wurde unter anderem vorgeworfen, die Untersuchung behindert und versucht zu haben, Beweismaterial zu vernichten. Bei dem Material soll es sich nach Medienberichten unter anderem um Arbeitsverträge gehandelt haben.
Die Kündigungen standen nach Angaben der DVV nicht im Zusammenhang mit belastenden Ergebnissen der externen Untersuchung, sondern mit dem mutmaßlichen Versuch, die Untersuchung zu behindern und Beweismaterial zu vernichten. Praschs Anwalt wies den Vorwurf als "unzutreffend" zurück. Der Anwalt von Marcus Wittig wollte die Vorwürfe mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht kommentieren.
Am 4. Februar 2026 fanden Hausdurchsuchungen statt. Die Ermittlungen richten sich gegen die beiden ehemaligen Manager und stehen im Zusammenhang mit den Vorwürfen zu möglichen Unregelmäßigkeiten bei Vergütungen innerhalb des DVV-Konzerns.
Neue Führung für den DVV-Konzern
Um die Handlungsfähigkeit des DVV-Konzerns und seiner Tochtergesellschaften zu sichern, wurden die Führungspositionen nach der fristlosen Entlassung neu besetzt. Der bisherige DVV-Geschäftsführer Marcus Vunic wurde zum Vorstand der Stadtwerke Duisburg und der DVG berufen. Der bisherige Vorstand der Stadtwerke Duisburg, Andreas Gutschek, wechselte in die Geschäftsführung der DVV. Damit sollte eine durchgängige Unternehmensleitung über alle drei Gesellschaften hergestellt werden. Kürzlich wurden die Verträge der beiden Manager um ein Jahr vorzeitig verlängert.
Untersuchung dauert an
Die Ergebnisse seien nicht abschließend, räumt das Unternehmen ein. Die Untersuchung durch die externen Rechtsanwälte dauert weiterhin an. Ziel ist es, alle aufgekommenen Verdachtsmomente, die im Zusammenhang mit der laufenden Untersuchung stehen, umfassend und unabhängig prüfen zu lassen.
Die Staatsanwaltschaft werde über die Ergebnisse und den Fortgang der Untersuchung fortlaufend informiert, hieß es weiter.

