Fristlose Kündigung: Marcus Wittig (links) und Axel Prasch mussten ihre Ämter mit sofortiger Wirkung niederlegen.

Fristlose Kündigung: Marcus Wittig (links) und Axel Prasch mussten ihre Ämter mit sofortiger Wirkung niederlegen.

Bilder: © DVV

In der Duisburger Kommunalwirtschaft gab es am Dienstag (3. Februar) gleich drei außerordentliche Aufsichtsratssitzungen. Die Kontrollgremien der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV), die Stadtwerke Duisburg und die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) kamen im Laufe des Tages zusammen.

Danach stand fest: Die Zusammenarbeit mit den beiden bisherigen Geschäftsführern und Vorständen Marcus Wittig und Axel Prasch wird mit sofortiger Wirkung beendet. Grund für die außerordentliche Kündigung ist der Versuch, eine externe Untersuchung zu behindern, wie die DVV am Dienstagabend in einer Pressemitteilung bekannt gab. Bei der Untersuchung geht es um mögliche Unregelmäßigkeiten bei Gehältern von Betriebsräten. Unter anderem sollen die beiden Stadtwerke-Chefs versucht haben, Beweismaterial zu vernichten.

Anwalt weist Vorwürfe zurück

Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet, dass es sich bei dem fraglichen Beweismaterial um Arbeitsverträge handeln soll. Der Anwalt von Axel Prasch wies diesen Vorwurf in einem Statement gegenüber der Regionalzeitung als "unzutreffend" zurück. Der Rechtsanwalt von Marcus Wittig wollte die Vorwürfe unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht kommentieren

Ein anonymer Hinweis zu möglichen Compliance-Verstößen Mitte Januar hatte den Vorgang ins Rollen gebracht. Die Stadt und der Aufsichtsrat der DVV hatten diese als so ernst eingestuft, dass sie eine externe Rechtsanwaltskanzlei beauftragten. Diese sollte die Vorwürfe und alle aufgekommenen Verdachtsmomente prüfen und eine Untersuchung starten. Die Staatsanwaltschaft Duisburg wird über den Fortgang dieser Untersuchung fortlaufend informiert.

Pflichtverstöße im Kontext einer externen Untersuchung

Damit diese Prüfungen "mit möglichst großer Neutralität" durchgeführt werden, hatten Wittig und Prasch seitdem ihre Ämter ruhen lassen. Die jetzt ausgesprochene Kündigung hängt laut ZFK-Informationen nicht mit belastenden Ergebnissen aus der Untersuchung zusammen, sondern unter anderem mit dem mutmaßlichen Versuch der Vernichtung von Beweismaterialien.

"Aufgrund dieses Pflichtverstoßes wurden die Abberufungen als Geschäftsführer und Vorstände sowie die Beendigung der Dienstverträge durch die Aufsichtsräte beschlossen", heißt es dazu wörtlich in der Pressemitteilung des DVV. Zudem wurde die Staatsanwaltschaft Duisburg, mit der die externen Rechtsanwälte in Kontakt stehen, über den Vorgang und die daraufhin getroffene Entscheidung der Aufsichtsräte informiert.

"Der Aufsichtsrat trägt Verantwortung für eine transparente, rechtssichere und stabile Unternehmensführung. Dieser Verantwortung sind wir nachgekommen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Sören Link.

Vunic und Gutschek leiten DVV, Stadtwerke und DVG

Um die Handlungsfähigkeit des DVV-Konzerns und seiner Tochtergesellschaften zu sichern, haben die Aufsichtsräte ab sofort den bisherigen DVV-Geschäftsführer Marcus Vunic zum Vorstand der Stadtwerke Duisburg und der DVG berufen. Zudem wurde der bisherige Vorstand der Stadtwerke Duisburg, Andreas Gutschek, in die DVV-Geschäftsführung berufen. Damit sei eine durchgängige Unternehmensleitung über alle drei Gesellschaften hergestellt.

"Marcus Vunic und Andreas Gutschek haben unser volles Vertrauen, den DVV-Konzern mit der jetzt notwendigen Ruhe und Stabilität erfolgreich weiterzuführen", sagt Sören Link. Für den DVV-Konzern arbeiten rund 4600 Beschäftigte. Die Entlassung von Wittig könnte auch Auswirkungen auf Duisburgs sportliches Aushängeschild haben – der Fußballclub MSV Duisburg hat als Aufsteiger in die dritte Liga noch gute Chancen auf den direkten Durchmarsch in die zweite Liga. Wittig ist seit 2019 Aufsichtsratsvorsitzender des Traditionsklubs und wurde erst im März 2025 wieder gewählt.

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