Der Skandal um die inzwischen entlassenen Geschäftsführer der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV) geht in die nächste Eskalationsrunde. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat Ermittlungen gegen Marcus Wittig und Axel Prasch eingeleitet. Nach vorläufiger Sichtung und Auswertung zahlreicher umfangreicher Dokumente habe die Staatsanwaltschaft nunmehr "den Anfangsverdacht für strafbare Handlungen bejaht".
Gegen zwei ehemalige (Mit-)Geschäftsführer wurde deshalb ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue und strafbarer Verstöße gegen das Betriebsverfassungsgesetz eingeleitet, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden die Wohnungen der beiden beschuldigten Manager durchsucht. Dabei konnten weitere mutmaßlich beweiserhebliche Unterlagen, Mobiltelefone, Computer und Datenträger sichergestellt werden, die nun ausgewertet werden.
Vorwurf: Beweisvernichtung
Die Ermittlungsbehörde wirft den Beschuldigten vor, als Geschäftsführer mehreren Betriebsratsmitgliedern Leistungen versprochen beziehungsweise gewährt zu haben, "die deutlich über die üblicherweise zu gewährenden Leistungen vergleichbarer Mitarbeitender hinausgegangen sein sollen". Dadurch sollen sie ihre Befugnisse überschritten haben.
Ferner wird den Beschuldigten vorgeworfen, nach Bekanntwerden der Vorwürfe Mitarbeitende aufgefordert zu haben, beweiserhebliche Dokumente zu vernichten. Insoweit besteht laut Staatsanwaltschaft gegen sie der Verdacht der Anstiftung zur Urkundenunterdrückung und zur Sachbeschädigung.
Fristlose Entlassung am Tag zuvor
Dazu gab es bei der Duisburger Kommunalwirtschaft einen Tag zuvor, am 3. Februar, gleich drei außerordentliche Aufsichtsratssitzungen. Die Kontrollgremien der DVV, der Stadtwerke Duisburg und der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) kamen im Laufe des Tages zusammen.
Ihr Ergebnis lautete: Die Zusammenarbeit mit den beiden bisherigen Geschäftsführern und Vorständen Marcus Wittig und Axel Prasch wird mit sofortiger Wirkung beendet. Grund für die außerordentliche Kündigung sei der Versuch, eine externe Untersuchung zu behindern, wie die DVV am Dienstagabend bekannt gab.
Anonymer Hinweis als Auslöser
Ein anonymer Hinweis, der auf Unregelmäßigkeiten bei der Vergütung ehemaliger Mitglieder des Betriebsrats innerhalb des DVV-Konzerns verwiesen hatte, brachte den Stein bei den Ermittlungen gegen die damaligen Geschäftsführer Wittig (52) und Prasch (56) ins Rollen. Zudem wurden Verdachtsmomente im Hinblick auf die Vergütung einzelner leitender Angestellter innerhalb des DVV-Konzerns geäußert. Daraufhin hatten beide Geschäftsführer angekündigt, ihre Ämter vorläufig ruhen zu lassen und sich für die vollständige Aufklärung der Vorwürfe einzusetzen.




