Das Exnaton-Gründerteam (von links nach rechts): Arne Meeuw, Anselma Wörner und Liliane Ableitner.

Das Exnaton-Gründerteam (von links nach rechts): Arne Meeuw, Anselma Wörner und Liliane Ableitner.

Bild: © Exnaton

Diesen Freitag dürfte das Smart-Meter-Gesetz den Bundesrat passieren. Dann wären vom Jahr 2025 an alle Stromlieferanten in Deutschland verpflichtet, auch dynamische Tarife anzubieten. Was heißt das für mittlere und kleinere Stadtwerke? Ein Gespräch mit Anselma Wörner, Mitgründerin des Schweizer Start-ups Exnaton, das IT-Lösungen für dynamische Tarife anbietet.

Frau Wörner, es sieht aus, als müssten von 2025 an alle Stromlieferanten in Deutschland auch einen dynamischen Tarif im Portfolio haben. Welche technischen Voraussetzungen sind damit verbunden?

Im Wesentlichen sehe ich drei Bereiche. Zuerst benötigen Versorger hoch aufgelöste Verbraucherdaten, wie sie intelligente Messsysteme liefern. Zweitens müssen die internen Abrechnungssysteme so gebaut sein, dass sie Verbrauchsdaten und Börsenpreise in Echtzeit zueinander bringen und verarbeiten können. Und drittens sollte beispielsweise über eine App eine direkte Schnittstelle zu Endkunden geschaffen werden, wo diese die Börsenstrompreise und am besten auch ihren eigenen Verbrauch einsehen und nachverfolgen können.

Nehmen wir an, dass Interessenten dynamischer Tarife bereits intelligente Messsysteme besitzen, die erste Voraussetzung also gegeben ist. Wie genau müssten Anbieter in der IT aufrüsten?

Wer bislang ganz klassisch mit Festpreisverträgen arbeitet, muss ja am Ende des Jahres die abgelesene Verbrauchsmenge lediglich mit dem Kilowattstundenpreis multiplizieren. Bei dynamischen Tarifen, wie sie die Bundesregierung vorsieht, kann der Preis für jede einzelne 15-Minuten-Zeitscheibe anders ausfallen – je nachdem, wie sich die Preise an der Kurzfristbörse Epex Spot entwickeln. Man benötigt also ein IT-System, das diese Daten abgreifen und abspeichern kann. Voraussetzung dafür ist eine Schnittstelle zur Epex Spot und damit einhergehend auch eine entsprechende Lizenz. Zudem muss das IT-System Lastgänge aus den Verbraucherdaten visualisieren. Das alles muss dann auch noch DSVGO-konform ablaufen.

Und das können Stromanbieter allein stemmen?

Es gibt sicherlich große Energieversorger, die diese IT selbstständig aufbauen. Kleinere Anbieter dürften das in der Regel aber nicht allein stemmen können. Diese werden externe Lösungen einkaufen, wenn sie dynamische Tarife anbieten wollen.

Welches Personal ist für die Entwicklung entsprechender IT-Systeme nötig?

Sicherlich Softwareingenieure und -entwickler, die sich mit dem Bauen von Schnittstellen auskennen, die also wissen, wie sich Daten von externen EDM-Systemen abgreifen und verarbeiten lassen. Zudem ist Kompetenz im Tarif- und Abrechnungswesen sowie im Bereich der Datenwissenschaft sinnvoll, sprich Personal, das Informationen aus großen Datenmengen generiert, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Das Interview führte Andreas Baumer

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper