Seit rund zwei Monaten ist Eberhard Oehler Geschäftsführer der Stadtwerke Bruchsal. Das kommt überraschend, da der branchenbekannte Manager sich zwei Jahre zuvor in den Ruhestand verabschiedet hatte.
Anfang Februar entschied der Aufsichtsrat, sich vom damaligen Geschäftsführer Armin Baumgärtner zu trennen. Seit 2017 leitete dieser die Geschicke des baden-württembergischen Versorgers. In der Lokalpresse hieß es, es habe schon länger Reibungen zwischen dem Chef und seinen Mitarbeitenden gegeben, Baumgärtner wäre gern geblieben.
Im Interview berichtet Eberhard Oehler, was Bruchsal nun erwartet.
ZfK: Herr Oehler, was haben Sie in den letzten zwei Jahren gemacht?
Oehler: Ich war im Unruhestand, habe mich ehrenamtlich engagiert in der Hospizarbeit und für eine Kleinkunstbühne in Karlsruhe. In Sambia berate ich im Auftrag von Gelsenwasser einen regionalen Wasserversorger, das ist ein Projekt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
Und wie sind Sie nun wieder in die deutsche Stadtwerkelandschaft gekommen?
Am 9. Februar begegnete ich meiner ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden bei einem Event. Cornelia Petzold-Schick ist mittlerweile Oberbürgermeisterin von Bruchsal. Sie fragte, ob wir danach einen Kaffee trinken gehen und am 13. Februar war ich dann bereits Geschäftsführer. Im Grunde habe ich wegen meiner langjährigen Freundschaft zu Frau Petzold-Schick den Vertrag unterzeichnet, es war auch klar, dass ich eine Übergangslösung bin. Ab Januar 2024 soll eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden sein.
Wie haben Sie die Stadtwerke nach der doch recht plötzlichen Trennung von Herrn Baumgärtner erlebt?
Ich konnte mir in den zwei Monaten hier ein schon ein recht gutes Bild vom Unternehmen machen. Zunächst habe ich viele Gespräche mit der Belegschaft geführt, da wurden Defizite offensichtlich, die ich mittlerweile ausräumen konnte. Die Stimmung bei den Stadtwerken hat sich deutlich gebessert.
Was planen Sie, in Bruchsal zu ändern?
Die Strukturen müssen geprüft werden, da wird es die ein oder andere Änderung geben. Schnell hat sich zum Beispiel gezeigt, dass der Netzbetrieb mit Fremdaufgaben überhäuft wurde. Der Netzbetrieb ist derzeit zuständig für das Lager, die Planung, das Facility Management und den Fuhrpark. Das ist auch in Hinblick auf die verantwortlichen Personen ein Aufgabenspektrum, das nicht zu verantworten ist. Der Netzbetrieb hat seine ureigenen Aufgaben, die sind auch herausfordernd genug. Meine vordringlichste Aufgabe ist es, das Unternehmen in einem geordneten Zustand an die nächste Chefin oder den nächsten Chef übergeben.
Haben Sie schon einmal ein Unternehmen intensiv umstrukturiert?
In Ettlingen war ich für fast dreißig Jahre für die Stadtwerke zuständig. Sie waren zu Beginn meiner Dienstzeit ein anderes Unternehmen als zum Ende. Das ist aber auch symptomatisch für die Energiewirtschaft. Ich komme noch aus der Zeit der Monopolwirtschaft. Die hinter sich zu lassen, war für alle Mitarbeitende eine große Herausforderung.
Eine große Ankündigung von Ihnen war schon, dass Sie die E-Roller-Flotte einstellen werden.
Die E-Roller waren ein Ansatz vom Marketing. Aber ein Marketingprojekt, das in fünf Jahren über eine halbe Million kostet und nur 15.000 Euro einspielt, musste ich vom Markt nehmen. Zudem waren die Roller für den Netzbetrieb sehr arbeitsintensiv. Im Netzbetrieb haben wir ohnehin eine sehr dünne Personaldecke. Die E-Roller auf dem Hof zu lassen war für mich alternativlos.
Und das hat vor Ihnen noch niemand gefordert, das Projekt zu beenden?
Die E-Roller wurden wiederholt in Frage gestellt, unter anderem vom Aufsichtsrat, aber anscheinend nicht energisch genug. Es war halt eine Herzensangelegenheit meines Vorgängers. Ich kann ihn auch verstehen, dass er sich das nicht wegnehmen lassen wollte.
Wie stehen die Stadtwerke Bruchsal finanziell dar, haben sie in den letzten Jahren gut gehaushaltet?
Die Zahlen waren absolut in Ordnung. Eine weitergehende Beurteilung steht mir im Moment noch nicht zu.
Wie sollte eine neue Führungskraft agieren, wenn er oder sie ein Unternehmen übernimmt, das interne Konflikte mit dem Vorgänger hatte?
Zuhören. Keine leeren Versprechungen machen. Entscheidungen treffen, das ist das aller wichtigste. Ich meine es ist mir in den letzten zwei Monaten gelungen, Ruhe in das Unternehmen zu bringen und den Mitarbeitenden allen zusammen eine Perspektive zu geben.
Was haben die Stadtwerke Bruchsal für eine zukünftige Führungskraft zu bieten?
Einen attraktiven Industriestandort, ein kulturelles Angebot, wunderschöne Landschaften und eine hohe Lebensqualität. Und nicht zu vergessen: tolle Weine.
(pfa)



