Eigentlich ist im vergangenen Jahr vieles nicht so gelaufen, wie sich das ein Energiekonzern wie die EnBW wohl gewünscht hätte. Da war der starke Rückgang des Windaufkommens, was die Erträge aus dem wachsenden Windpark des Unternehmen einbrechen ließ.
Dann waren da nach oben schnellende Strom- und Gaspreise, die Beschaffung und Vertrieb vor Herausforderungen stellte. Und schließlich stellten auch noch einige Konkurrenten ihren Vertrieb ein, woraufhin EnBW als Grundversorger in vielen Teilen Baden-Württembergs insgesamt bis zu 60.000 Strom- und etwa 10.000 Gaskunden aufnehmen musste.
Konzernergebnis zum fünften Mal in Folge gesteigert
Weil sich der Konzern dagegen entschied, gesonderte und teurere Grundversorgungstarife für Neukunden einzuführen, um auf diesem Wege entstandene Zusatzkosten in der Beschaffung abzufedern, musste er auch hier Gewinneinbußen hinnehmen.
Trotzdem zeigte sich EnBW-Chef Frank Mastiaux auf der Bilanzpressekonferenz zufrieden. "Die EnBW hat auch unter schwierigen Umfeldbedingungen ihren Wachstumskurs konsequent fortgesetzt und das operative Konzernergebnis zum fünften Mal in Folge gesteigert", resümierte er. "Dies ist auch ein Resultat unserer bewusst integrierten Aufstellung."
Gewinnbringer konventioneller Kraftwerkspark
Nach EnBW-Angaben war es unter anderem der verstärkte Einsatz von Kohle-, Gas- und Kernkraftwerken, der den Betriebsgewinn (bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) auf 3,0 Mrd. Euro schraubte (2020: 2,8 Mrd. Euro).
Zudem hätten Strom- und Gashändler des Konzerns auch bedingt durch volatile Großhandelspreise gute Geschäfte gemacht.
"Krieg verändert Energielandschaft tiefgreifend"
Den russischen Angriff auf die Ukraine verurteilte Mastiaux "aufs Schärfste". Sein Konzern stehe auch "voll und ganz hinter den Maßnahmen der Bundesregierung", sagte er.
Der Krieg werde die Energielandschaft in Deutschland und in Europa "tiefgreifend und bleibend" verändern, führte Mastiaux aus. Mehr Versorgungssicherheit zu gewährleisten ohne den Klimaschutz in den Hintergrund zu drängen, sei jetzt die Hauptaufgabe von Unternehmen und Politik.
Gas und Kohle aus Russland
Die EnBW ist nach eigenen Angaben aktuell bei keinem der beiden Kriegsparteien geschäftlich aktiv. Allerdings kauft der Konzern Steinkohle und Gas aus Russland.
Knapp 3,6 Mio. Tonnen Steinkohle habe die EnBW 2021 von dort bezogen, sagte Mastiaux. "Unsere Versorgung mit Steinkohle läuft derzeit weitestgehend ungestört. Wir haben Bestände vorrätig, die bereits weit in das laufende Jahr reichen und die Strom- und Wärmeversorgung für unsere Kunden absichern."
Situation bei Steinkohle
Der Manager wies zudem darauf hin, dass die Herkunftsländer in der Vergangenheit teils stark variiert hätten. "Russland ist nicht per se ein bei uns über Jahre gesetzter Lieferant. [...] Wir sind auch gerade dabei, Beschaffung aus alternativen Bezugsländern zu beschleunigen. Daher halten wir die Situation auch bei einem potenziellen Ausbleiben russischer Kohlelieferungen für kontrollierbar."
Anders bewertete Mastiaux die Lage bei Gas. Der Konzern habe im vergangenen Jahr 495 TWh Gas insgesamt eingekauft, schilderte er.
Vollständiger Ersatz bei russischem Gas "nicht zu machen"
Der "überwiegende Teil" davon sei amn Großhandel eingekauft worden. "20 Prozent stammen aus direkten Verträgen mit russischen Lieferanten. Die Mengen dieser Verträge reduziert sich bereits vertraglich ab Anfang des nächsten Jahres."
Eine vollständige Ersatzbeschaffung bei einem möglichen vollständigen Ausfall russischen Gases sei allerdings zum jetzigen Zeitpunkt auch für die EnBW "nicht zu machen", warnte der Manager. Neue Lieferverträge mit russischen Unternehmen schloss er zugleich aus – zumindest unter Führung des russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Lage bei VNG
Zum EnBW-Konzern gehört der Gashändler VNG, einer der drei größten Gasimporteure Deutschlands. Das Unternehmen verhandelt derzeit mit der staatlichen Förderbank KfW über eine zusätzliche Kreditlinie in einer Größenordnung von etwa einer Milliarden Euro, um sich gegen künftige Schwankungen am Gasmarkt abzusichern.
"Die VNG ist in einer sehr soliden und guten Finanzsituation", stellte EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer klar. "Der VNG geht es im Moment sehr gut." Gleiches gelte für den EnBW-Konzern insgesamt.
Gas als Brückentechnologie
Der Energieträger Gas hat im EnBW-Portfolio im Zuge des Kohle- und Kernkraftausstiegs an Bedeutung gewonnen. So will der Konzern gleich drei Kohlekraftwerke in den nächsten Jahren auf Gas umstellen.
An diesen Plänen will Mastiaux weiterhin festhalten. "Gas ist für den Umbauprozess nach wie vor ein ganz wichtiger Energieträger", sagte er. Jetzt gehe es vor allem darum, den Gasbezug weiter zu diversifizieren.
Offshore-Geschäft
Noch stärker will sich EnBW zudem im europäischen Offshore-Geschäft engagieren. Hintergrund sind erfolgreiche Auktionen in Großbritannien sowie deutlich nach oben geschraubte Windziele der deutschen Bundesregierung.
Aus einem Windprojekt vor der Küste New Yorks verabschiedete sich der Konzern dagegen vor Kurzem. Ihre Anteile verkaufte die EnBW an den französischen Energieriesen Total Energies. (aba)



