„Wir machen Angebote, von denen die Menschen in ihrem Alltag profitieren − durch mehr Komfort, mehr Klimaschutz und mehr Zeit für die analogen Dinge des Lebens“, sagt Enercity-Chefin Susanna Zapreva.

„Wir machen Angebote, von denen die Menschen in ihrem Alltag profitieren − durch mehr Komfort, mehr Klimaschutz und mehr Zeit für die analogen Dinge des Lebens“, sagt Enercity-Chefin Susanna Zapreva.

Bild: © Enercity

Dank größerer Zugewinne im Dienstleistungsgeschäft und vor allem im bundesweiten Großkundenvertrieb hat der mehrheitlich kommunale Energieversorger Enercity im Geschäftsjahr 2020 seinen Umsatz erneut signifikant gesteigert auf den Rekordwert von 3,7 Mrd. Euro – das entspricht einem Plus von knapp 20 Prozent. Erst 2019 hatte das Unternehmen erstmals die 3-Milliarden-Marke geknackt.

Aufgrund von Coronaeffekten und des warmen Winters steht für das vergangene Jahr aber trotzdem ein Ergebnisrückgang. Das Ebit sank um 14,8 Prozent auf 117 Mio. Euro. Unterm Strich resultierte ein Ergebnis vor Steuern von 100,2 Mio. Euro – das entspricht einem Minus von über 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein auf Corona entfallen dabei  negative Ergebniseffekte in Höhe von bis zu 20 Mio. Euro. Mit Blick auf die widrigen Rahmenbedingungen sprach Enercity-Chefin Susanna Zapreva aber dennoch von einem "sehr soliden Ergebnis".

Aufgrund der Kundenstruktur trifft Corona Enercity stärker

Enercity hat viele Großkunden. Gerade in diesem Segment wurden zu Beginn der Coronakrise zum Teil größere Energiemengen nicht abgenommen, weil die Produktion zurückgefahren wurde oder gar stillstand. Diese Mengen musste Enercity zu deutlich niedrigeren Preisen weitervermarkten. Weitere Faktoren waren ein damit einhergehender Rückgang bei den Netzabsätzen im Strombereich und in einem kleineren Rahmen auch Forderungsausfälle durch Insolvenzen.

Der deutliche Umsatzzuwachs ist hingegen vor allem auf massive Absatzsteigerungen zurückzuführen. Insgesamt wurden knapp 30, 4 Mrd. kWh Strom abgesetzt - ein Plus von 52,8 Prozent. Beim Gas betrug der Zuwachs immerhin 7,5 Prozent auf insgesamt 64,9 Mrd. kWh. Der Wärmeabsatz ging hingegen um 3,5 Prozent zurück auf 2,4 Mrd. kWh.

Deutliches Wachstum verzeichnete das Unternehmen laut Susanna Zapreva im vergangenen Jahr auch im Dienstleistungsbereich, unter anderem bei der Umsetzung von Quartierslösungen. Das Geschäftsfeld E-Mobilität habe sich weiterhin mit großer Dynamik entwickelt, heißt es.

Was man sich von der Compleo-Beteiligung erhofft

Die Zahl der bundesweit installierten Ladepunkte liegt mittlerweile bei über 1500. Dabei seien vor allem private Ladelösungen gefragt. Einen weiteren Schub soll dieser Bereich nun durch die Fusion der Enercity-Beteiligung Wallbe mit dem börsennotierten Ladesäulen-Hersteller Compleo Charging Solutions aus Dortmund erhalten.

Die beiden bisherigen und größten Eigentümer von Wallbe, Enercity (rund 50 Prozent) und die Weidmüller Mobility Concepts GmbH & Co. KG (rund 26 Prozent), als auch Dominik Freund bleiben als neue Aktionäre an Compleo beteiligt. Enercity wird künftig 2,5 Prozent der Anteile von Compleo halten. Das Dortmunder Unternehmen übernimmt 100 Prozent der Anteile an Wallbe gegen Zahlung von circa einem Drittel an Compleo-Aktien, rund zwei Drittel würden in bar aus der bestehenden Liquidität bezahlt, heißt es.

„Elektromobilität wird weiterhin rasant wachsen. Der Markt wird sich auch aufgrund des Preisdrucks konsolidieren. Der durch den Zusammenschluss entstehende Vorreiter im Bereich E-Laden wird diesen Entwicklungen voraus sein und eine neue treibende Kraft im Mobilitätsmarkt bilden“, sagte Susanna Zapreva.

Stärken im Bereich der AC- und DC-Ladetechnologie

Die beiden Unternehmen haben laut Pressemitteilung bisher rund 45.000 Ladepunkte europaweit ausgeliefert. Nun sollen die Stärken beider Unternehmen im Bereich der AC- und DC-Ladetechnologie, der systemintegrierten Software im Backend und dem Payment gebündelt werden, heißt es. Enercity sichere sich als Aktionär strategischen Zugriff auf Produktionskapazitäten zur AC- und insbesondere zur DC-Schnellladetechnik. Der Abschluss der Transaktion soll noch im April erfolgen.

Fortschritte verzeichnete Enercity im vergangenen Jahr  beim Ausbau erneuerbarer Energien. Deren Anteil an der bundesweiten Energieerzeugung der Hannoveraner liegt mittlerweile bei 36,6 Prozent, im Wärmebereich stieg der Anteil deutlich auf nunmehr 19 Prozent. Das Windkraftportfolio konnte mit der Realisierung zweiter Windprojekte weiter ausgebaut werden.

Kohleausstieg: "Nachhaltigkeit vor Schnelligkeit"

Bis 2030 will Enercity endgültig aus der Kohle aussteigen. Lokale Bürgerinitiativen fordern indes bereits 2026 die Abschaltung beider Blöcke des Kohlekraftwerks Stöcken. „Das können wir  aus Klimagesichtspunkten nachvollziehen, dennoch geht hier Nachhaltigkeit vor Schnelligkeit“, stellte Susanna Zapreva klar.

Klimaneutralität in Hannover sei nur mit CO2-freier Fernwärme erreichbar. „Ein schnellerer Ausstieg würde den Bau eines Gaskraftwerks mit schlechterer Umweltbilanz erfordern.“  Enercity wolle den Kohleausstieg nicht über die Zwischenlösung Gas erreichen.

Das Unternehmen werde deshalb, wie geplant, den ersten Kohleblock 2025 stilllegen, der zweite gehe dann 2030 vom Netz. Anstelle des einen Kraftwerks plane man in Stöcken den Bau von zehn bis 14 kleineren und größeren, vor allem aber nachhaltiger Ersatzanlagen. Dies dauere bis 2030.

Umsatzziel geht Richtung vier Milliarden Euro

Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen einen Umsatzanstieg „in Richtung vier Milliarden Euro und auch insgesamt eine positivere Geschäftsentwicklung als im Vorjahr.“ Am Ziel einer Verdopplung des Ebits auf 220 Mio. Euro bis 2025 im Vergleich zu 2016 hält man fest. (hoe)

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