Der Regionalversorger Enercity hat den ersten Block des Kohlekraftwerks Stöcken endgültig außer Betrieb genommen. Damit werde jede zweite Kilowattstunde Fernwärme in Hannover grün, teilte das Unternehmen mit. Als Ersatz kommen fünf dezentrale Anlagen ans Netz, die insbesondere auf nicht mehr recyclefähiges Altholz, Klärschlamm, Abwärme und Biomethan setzen.
Beispielsweise haben Enercity und EEW Energy from Waste vor gut einem Jahr ihre Zusammenarbeit ausgebaut, um die Abwärmenutzung aus der bestehenden EEW-Abfallverwertungsanlage zu optimieren. Im Rahmen dieser Kooperation steigt die Abwärmeleistung der Anlage von 50 auf bis zu 85 Megawatt – ohne dass dabei mehr Abfall verbrannt wird.
400 Millionen Euro für den Ersatz
Für den Ersatz von Block I hat Enercity nach eigenen Angaben bislang knapp 400 Millionen Euro investiert. Insgesamt plant Enercity bis 2040 Investitionen in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro in das Gesamtportfolio hochmoderner Wärmeerzeugungsanlagen und den Fernwärme-Netzausbau, um auch Block II durch eine klimafreundliche Wärmeversorgung zu ersetzen.
Insgesamt hat Enercity nach eigenen Angaben seit 2020 rund 246 Megawatt thermische Leistung aus erneuerbaren Energien neu realisiert. Weitere Projekte mit mehr als 300 Megawatt seien bereits in Bau oder in Planung, hieß es aus Hannover. "Wir schaffen den Kohleausstieg ohne den Umweg über neue fossile Großkraftwerke", betonte Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay.
Spätestens nach der Heizperiode 2027/28 soll die Abschaltung des zweiten Kohleblocks folgen, der in die Reserve gehen soll. Die Kohleblöcke von Stöcken ersetzt Enercity durch klimaneutrale Anlagen. In das Fernwärmenetz werde dann ein "breiter Mix regionaler, erneuerbarer Energiequellen" eingespeist.
Klimaneutralität bis Mitte 2030er
Das Ziel von Enercity ist es, in gut zwei Jahren den Anteil grüner Wärme auf 75 Prozent zu erhöhen. Ab Mitte der 2030er Jahre werde dann auch das verbliebene Gaskraftwerk wasserstoffready sein. Das wäre dann der finale Schritt zur vollständigen Klimaneutralität der Erzeugung.
"Enercity zeigt, dass ein vorzeitiger Kohleausstieg und die Wärmewende keine Vision sind", sagte Enercity-CEO Aurélie Alemany. Deshalb seien klare politische Leitlinien notwendig – wie ein ETS2, der transparent mache, was CO2 wirklich kostet, und Investitionen in klimaneutrale Wärme honoriert. "Nur mit dieser Klarheit können Unternehmen wie Enercity das Tempo halten, das Deutschland für seine Klimaziele braucht".



