Die vollständige Rekommunalisierung der Energieversorung in Dresden verzögert sich weiter: Thüga und der Energieverbund Dresden sind immer noch uneins über die Höhe des Verkaufspreises für den 10-Prozent-Anteil an der Drewag.

Die vollständige Rekommunalisierung der Energieversorung in Dresden verzögert sich weiter: Thüga und der Energieverbund Dresden sind immer noch uneins über die Höhe des Verkaufspreises für den 10-Prozent-Anteil an der Drewag.

Bild: © Animaflora PicsStock/Adobestock

Der sich seit Jahren hinziehende Rechtsstreit zwischen der Energieverbund Dresden GmbH und der Stadtwerkegruppe Thüga AG ist beendet. Im Fokus standen dabei auseinanderliegende Auffassungen über die Höhe der Bewertung der Anteile der Thüga an dem EVD-Tochternehmen Stadtwerke Dresden GmbH (Drewag): Nun haben beide Parteien im Rahmen von Vergleichsgesprächen eine Einigung erzielt, heißt es in einer gestern veröffentlichten gemeinsamen Presseerklärung.

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Thüga für ihren Anteil von 10 Prozent an der Drewag eine Summe von 110 Millionen Euro erhält. Die mit teils harten Bandagen geführte Auseinandersetzung hatte begonnen, nachdem der Dresdner Stadtrat 2019 die vollständige Rekommunalisierung der Drewag beschlossen hatte.

Im Kern kreiste der Disput um unterschiedliche Gutachten, die zu einer deutlich differierenden Höhe des Unternehmenswertes der Drewag gekommen waren. Der unabhängige Gerichtsgutachter Dirk Rose hatte zuletzt im Auftrag des Landgerichts Dresden das ursprüngliche Schiedsgutachten noch einmal überprüft und den Wert der Anteile auf rund 104 Mio. Euro taxiert. Das ist nicht sehr weit entfernt von der jetzt festgezurrten Summe, auf die sich EVD und Thüga nun geeinigt haben.

Dresden hatte in der Vergangenheit bereits 75 Mio. Euro nach München überwiesen

Die Thüga hat sich damit offenbar noch einmal deutlich auf die EVD zubewegt, bisher hatte die Münchner Stadtwerkegruppe einen Verkaufserlös von 160 Mio. Euro gefordert. Die Dresdner hatten in den vergangenen Jahren bereits 75 Mio. Euro nach München überwiesen.

Die vollständige Rekommunalisierung war 2019 vom Dresdner Stadtrat beschlossen worden, doch die Verschmelzung von Drewag und Enso zur Sachsenenergie konnte bisher offiziell immer noch nicht final abgeschlossen werden. Daraus soll dem Unternehmensnachfolger Sachsenenergie nach eigenen Angaben ein finanzieller Schaden im Millionenbereich erwachsen sein.

Der Rechtsstreit war über mehrere Jahre aus taktischen Gründen in einer für kommunale Unternehmen ungewöhnlich scharfen Tonalität geführt wurden. Nach der nun erzielten Einigung schlugen beide Parteien wieder deutlich versöhnlichere Töne an.

Brinkmann: "Lösung ermöglicht uns, Konsolidierungsprozess zu Ende zu führen"

„EVD und Thüga bewerten die Einigung als Zeichen für die Bereitschaft, Konflikte insbesondere unter kommunalen Energieunternehmen auf konstruktive Weise beizulegen“, heißt es etwa in der aktuellen Presseverlautbarung. Die erzielte Vereinbarung erspare beiden Unternehmen darüber hinaus einen erheblichen Zeit- und Kostenaufwand, der bei Fortführung dieses Rechtsstreits zu erwarten gewesen wäre, heißt es weiter.

„Diese Lösung ist sowohl für die EVD als auch für die Thüga von Nutzen und ermöglicht uns, den Konsolidierungsprozess innerhalb der Sachsenenergie AG mit einer nun zu 100 Prozent in unserem Eigentum befindlichen Drewag zu Ende zu führen. Wir sehen in diesem Vergleich außerdem unsere Linie bestätigt, für unsere Interessen gestritten, aber trotzdem jederzeit für eine Einigung zur Verfügung gestanden zu haben“, erklärte Frank Brinkmann, Geschäftsführer der Energieverbund Dresden GmbH und Vorsitzender des Vorstands der Sachsenenergie AG.

Auch Michael Riechel, Vorsitzender des Vorstands der Thüga AG, zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden: „Diese Einigung ist ein wichtiger Schritt für unsere Unternehmen und unterstreicht unsere gemeinsame Verantwortung für eine nachhaltige Energieversorgung als kommunale Unternehmen. Wir haben uns als verantwortlich handelnder Partner für Stadtwerke erwiesen.“ (hoe)

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