Der Berliner Energiedienstleister Enpal rechnet weiterhin damit, im Laufe dieses Jahres zum größten Installateur von Wärmepumpen in Deutschland zu werden. Der Anbieter war erst im vergangenen Jahr in diesem Geschäftssegment in den Vertrieb eingestiegen. "Im Jahr 2023 konnten wir bereits über 1.000 Wärmepumpen installieren und planen für dieses Jahr weitere 4.000 bis 5.000“, teilte das Unternehmen Ende vergangener Woche auf ZfK-Anfrage mit.
Lege man die aktuelle Umsatzentwicklung zugrunde, sei man zuversichtlich, dieses Ziel in den nächsten Monaten zu erreichen. "Mit der Wärmepumpe bauen wir zurzeit faktisch eine komplett neue Firma auf und erfinden uns neu", erklärte eine Enpal-Sprecherin. Damit mache man sich unabhängiger vom reinen Solargeschäft, das Geschäftsmodell werde dadurch noch robuster. "Dieses Jahr werden wir das Wärmepumpengeschäft weiter skalieren und neue Vertriebskanäle aufbauen.“
Markt für private Dachanlagen ist eingebrochen
Man gehe davon aus, dass das Wärmepumpengeschäft weiter wachse und im laufenden Jahr einen signifikanten Anteil am Gesamtumsatz des Unternehmens ausmachen werde. Auch weil der Markt für private Dachanlagen im Kleinanlagensegment in 2023 um rund ein Drittel eingebrochen war, hatte Enpal das Produktportfolio deutlich diversifiziert. Dennoch habe man den Marktanteil im bisherigen Kerngeschäft in einem schrumpfenden Markt ausbauen können, hieß es weiter.
Im vergangenen Jahr habe man bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes von 905 Mio. Euro (2022: 415 Mio.) außerhalb des klassischen PV-Geschäftsmodells für Privathaushalte erwirtschaftet. Letzteres hatte 2022 noch fast 100 Prozent des Umsatzes ausgemacht.
Auch 2023 profitabel
Das 2017 gegründete Greentechunternehmen ist seit dem Geschäftsjahr 2022 in den schwarzen Zahlen. Trotz der schwierigen Marktbedingungen sei man auch im abgelaufenen Geschäftsjahr 2023 profitabel gewesen und habe einen positiven operativen Cashflow erzielt, versicherte die Pressestelle. Das adjusted Ebitda liegt mit 21,2 Mio. Euro leicht unter dem Vorjahresniveau von 22,5 Mio. Euro. Zahlen zum Gesamtkonzern kommuniziert Enpal nicht. „Wir steuern unser Reporting auf unserem operativen Teilkonzern, der unser operatives Tun am besten abbildet“, schrieb das Greentech.
Im Solargeschäft konzentriere man sich weiterhin auf Privathaushalte, baue aber parallel das noch relativ junge Gewerbekundengeschäft und die Serviceplattform für unabhängige Solarteure Enpal.Pro weiter aus.
Starke Position im Bereich Smart Meter
Eine starke Position hat sich Enpal mittlerweile auch im Bereich Smart Meter erarbeitet. Dort ist man nach eigenen Angaben mit der Installation von intelligenten Messsystemen für knapp 23.000 Kundinnen und Kunden mittlerweile der größte wettbewerbliche Messstellenbetreiber in Deutschland.
„Dies haben wir zum einen durch einen flächendeckenden Rollout für unsere Kunden erreicht. Zum anderen bieten wir diese Dienstleistung auch Nicht-Enpal-Kunden an“, so die Enpal-Sprecherin weiter. So habe man ein umfassendes Know-how aufbauen können, um den Rollout effizient, präzise und schnell durchzuführen. Das Wachstumspotenzial sei enorm: In den nächsten acht Jahren müssten mehr als 20 Millionen intelligente Messsysteme (iMSys) installiert werden.
Über 30000 PV-Anlagen neu in Betrieb genommen
Insgesamt sei es dem Unternehmen gelungen, vergangenes Jahr mehr als 100.000 neue dezentrale Anlagen zu installieren. Das Enpal-System habe Ende 2023 somit aus knapp 160.000 Anlagen bestanden. „Allein im Jahr 2023 konnte Enpal 31.000 PV-Anlagen und Wärmepumpen neu in Betrieb nehmen, was ein über einhundertprozentiges Portfolio-Wachstum und eine Steigerung um 72 Prozent im Vergleich zu den 18.000 Neukunden des Vorjahres darstellt“, resümierte Finanzchef Jochen Cassel. Mehr als 70.000 Haushalte sollen bisher von Enpal mit dezentralen Anlagen ausgestattet worden sein.
"Börsengang ist derzeit nicht geplant"
Spekulationen über einen baldigen Börsengang hingegen wies das Unternehmen zurück. Dies sei derzeit trotz massiver Zukunftsinvestitionen nicht geplant- „Wir sind eines der best finanzierten Start-ups in Europa. Im Gegensatz zu vielen anderen Start-ups sind wir nicht auf einen schnellen Börsengang angewiesen“, sagte die Sprecherin. Man evaluiere aber laufend neue Finanzierungsmöglichkeiten.
Zu den Investoren von Enpal gehören laut Pressemitteilung einige der weltweit größten Impact- und Technologieinvestoren wie TPG Rise Climate, The Westly Group, Activate Capital, Softbank Vision Fund II, Princeville Climate Technologies, HV Capital und Picus Capital. (hoe)



