Ambitionierte Umsatz- und Erzeugungsziele, eine neue Vertriebsoffensive für das erfolgreiche Bündelprodukt "Entega Zuhause Flat", die bis nach Frankfurt und Montabaur reichen soll, sowie ehrgeizige Pläne beim großflächigen Glasfaserausbau: Der Darmstädter Energiedienstleister Entega hat in den kommenden Jahren viel vor und strotzt vor Zuversicht. Der operative Leistungsausweis für 2019 gibt dem Unternehmen hierbei Rückenwind.
Umsatz: "Zwei-Milliarden-Grenze soll geknackt werden"
Der Entega-Konzern hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz auf über 1,85 Mrd. Euro erhöht (Vorjahr: 1,75 Mrd.). "In den nächsten fünf Jahren wollen wir die Zwei-Milliarden-Grenze knacken", kündigte die Vorstandsvorsitzende der Entega AG, Marie-Luise Wolff, auf der Bilanzpressekonferenz an, die per Livestream übertragen wurde.
Jahresergebnis deutlich über Plan
Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) beträgt 81,1 Mio. Euro (Vorjahr: 113,9 Mio.). der Jahresüberschuss 28,6 Mio. Euro (Vorjahr: 63,1 Mio. Euro). Beide Werte liegen damit deutlich unter denjenigen des Vorjahres. Dies hängt vor allem mit hohen positiven Sondereffekten aus der Auflösung von Rückstellungen in 2018 zusammen. Der aktuelle Jahresabschluss ist laut Wolff dennoch der zweibeste seit 2013 und liegt deutlich über Plan.
Der Stromabsatz blieb mit rund 11,9 Mrd. kWh stabil, der Gasabsatz legte auf 5,3 Mrd. kWh zu. Das Unternehmen akquirierte unterm Strich 35.000 Neukunden, darunter 21.000 im Strom- und 5600 Telekommunikationsbereich.
"Sind der Zukunft oft schon voraus"
"2019 war ein solides Jahr. Wir haben unsere monetären Ziele erreicht und eine gute Grundlage für die dynamische Weiterentwicklung der Entega gelegt", fasste sie zusammen. Mit dem Kohleausstieg und den Klimagesetzen der Bundesregierung sei 2019 ein einschneidendes Jahr gewesen. "Die Entega hat einmal mehr bewiesen, dass wir die Herausforderungen an uns als modernen Versorger nicht nur annehmen, sondern der Zukunft oft schon voraus sind", bekräftigte die Vorstandsvorsitzende.
Verbindlichkeiten abgebaut
Ein Sonderlob gab es für die Entega-Mitarbeiter im Bereich Finanzen. Seit 2013 habe die Entega knapp 300 Millionen Euro an Finanzverbindlichkeiten abgebaut, diese beliefen sich auf rund 615 Mio. Euro. "Dadurch haben wir den Zinssatz für eingesetzte Drittmittel um rund ein Drittel reduzieren können", lobte Wolff. Die Eigenkapitalquote lag zum Jahresende 2019 bei 12,1 Prozent, der dynamische Verschuldungsgrad bei 3,2.
Sonderzahlung an Vollzeitbeschäftigte
Der Bilanzgewinn der Entega AG beträgt 123,5 Mio. Euro. Der Vorstand schlägt eine Ausschüttung von 0,25 Cent pro Stückaktie. Das entspricht einer Gesamtausschüttung von rund 21,4 Mio. Euro. Außerdem soll es erneut eine Sonderzahlung für tarifgebundene Vollzeitbeschäftigte von je 850 Euro geben, das summiert sich auf einen Gesamtbetrag von 1,3 Mio. Euro. Zusätzlich ist eine freiwillige Sonderzahlung von ebenfalls je 850 Euro an alle nichttarifgebundenen Mitarbeiter vorgesehen. Das kommunale Unternehmen gehört zu 93,28 % der Heag Holding AG, Städte und Gemeinden halten weitere 4,99 Prozent.
Stagnation bei Erneuerbarenausbau
Dass mit Blick auf die angestrebte dynamische Weiterentwicklung des Unternehmens kein Mangel an ambitionierten Zielen besteht, verdeutlichte der Überblick der Vorstandsvorsitzenden über die Entwicklung der Sparten. Im Bereich Ökostromerzeugung stagniert hierbei die Entwicklung - auch aufgrund der Delle im Windausbau. Die Entega konnte 2019 keinen neuen Windpark bauen.
Ökostromproduktion von rund 800 Mio. kWh
Im Laufenden Jahr soll aber die Erweiterung der bestehenden Windparks Hausfirste II und Haiger II abgeschlossen und fünf respektive zwei weitere Windenergieanlagen in Betrieb genommen werden. Entega verfügt im Erneuerbarenbereich über eine installierte Leistung von 276 MW. Die Jahresproduktion lag bei rund 800 Mio. kWh. Das Unternehmen will dies in den kommenden Jahren auf 1,1 Mrd. kWh selbsterzeugten, regenerativen Strom steigern.
Irsching 5: Unsicherheiten bleiben
Die geplante Inbetriebnahme des Gaskraftwerks Irsching 5, an dem die Entega beteiligt ist, im Oktober begrüßte Marie-Luise Wolff. Gleichzeitig kritisierte sie, dass die Vergütung gesicherter Leistung aus hochmodernen Gaskraftwerken "grundsätzlich weiterhin unzureichend geregelt" sei. Irsching 5 war aufgrund der Strompreisentwicklung über Jahre im Reservebetrieb, die massiv gesunkenen Gaspreise ermöglichen nun eine Rückkehr an den Markt.
Großwärmespeicher und Beteiligung an MHKW-Bau
Im Wärmebereich zählten im vergangenen Jahr der Bau eines neuen Großwärmespeichers neben der Unternehmenszentrale in Darmstadt zu den Meilensteinen, ebenso die Beteiligung am Bau des neuen Müllheizkraftwerkes in Wiesbaden, gemeinsam mit ESWE Versorgung und einem privaten Investor.
"Entega Zuhause Flat" als Kundenmagnet
Ehrgeizige Ziele hat sich die Entega im Bereich Telekommunikation gesetzt. In dieser Sparte konnte die Kundenzahl auf 40.000 verdoppelt werden. Treiber ist dabei vor allem die sehr erfolgreiche "Entega Zuhause Flat", eine Bündel-Flatrate für Ökostrom/Ökogas, Festnetztelefonie und Internet. Bis Ende kommenden Jahres sollen die Verträge im TK-Bereich um 25.000 gesteigert werden, die Kundenzahl soll sich bis 2025 auf 80.000 verdoppeln.
Erweiterung des Vertriebsgebietes
"Um das zu erreichen, bringen wir die Zuhause Flat in die Fläche und erweitern dafür unser Vertriebsgebiet", kündigte die Vorstandsvorsitzende an. Im Rahmen einer Vertriebsoffensive wird diese künftig auch im Raum Frankfurt am Main, in Gießen, Limburg und Montabaur angeboten. Gleichzeitig werde man in den Ausbau des bereits 2000 Kilometer umfassenden Glasfasernetzes investieren.
Positiver Ausblick trotz Corona
Der Glasfaserausbau sei für die Entega eine "historische Chance", so Wolff. "Glasfasernetze werden über Jahrzehnte wichtige strategisches Assets für uns sein", sagte die Vorstandsvorsitzende. Das Unternehmen blicke trotz Corona-Pandemie zuversichtlich auf das aktuelle Geschäftsjahr. Zwar habe es Rückgänge beim Stromabsatz gegeben. "Wir gehen aber davon aus, dass sich die Lage in der Industrie und damit die Betriebsleistung mit Beginn des zweiten Halbjahres zunehmend stabilisiert", prognostizierte Wolff. (hoe)



