Stark gestiegene Energiepreise im Großhandel haben auch Energiekonzern EnviaM gezwungen, Strom- und Gaspreise für das kommende Jahr teils deutlich zu erhöhen.
Nur leicht steigt der Strompreis. Dabei senkt das Chemnitzer Unternehmen den Verbraucherpreis sogar für Privatkunden in der Grundversorgung von 29,35 Cent auf 28,99 Cent pro kWh. Grund dafür sei der starke Rückgang der EEG-Umlage, führt EnviaM aus.
Gas-Arbeitspreis bei 8,24 Cent pro kWh
Zugleich fällt der Grundpreis höher aus. Für Privatkunden werden es 145,05 Euro pro Jahr statt der bislang geltenden 134,37 Euro brutto sein. Insgesamt kommt bei einem Durchschnittshaushalt so ein leichtes Plus heraus.
Deutlich mehr müssen Gaskunden der EnviaM-Tochter Mitgas künftig zahlen. Dort bleibt zwar der Grundpreis nach Unternehmensangaben gleich. Dafür kostet eine kWh Gas künftig 8,24 Cent statt 6,99 Cent pro kWh. Das entspricht einem Plus von 18 Prozent. Die Anpassung der Erdgaspreise betrifft laut Mitag rund 75.000 Privat- und Gewerbekunden im eigenen Netzgebiet.
Lange Beschaffungszeiträume
Andreas Auerbach, der gleichzeitig EnviaM-Vertriebsvorstand und Mitgas-Geschäftsführer ist, führte aus, dass sein Unternehmen in einem Zeitraum von 24 Monaten vor Lieferjahr Gas beschaffe. "Dadurch fällt für das Lieferjahr 2022 nicht nur die Preisrallye in diesen Zeitraum, sondern auch das Corona-Jahr 2020 mit leicht gesunkenem Preisniveau. Das führt dazu, dass die Preiserhöhung zumindest gedämpft ausfällt."
Bei Strom erstrecke sich der Beschaffungszeitraum sogar über 36 Monate. Die neuen Preise sollen grundsätzlich zumindest bis Ende 2022 gelten.
Ersatzversorgung: "Ordentliche Menge in petto"
Für Kunden, die in die Ersatzversorgung fallen könnten, habe der Konzern noch eine "ordentliche Gasmenge in petto", sagte Auerbach. "Wenn im ganz großen Stil Wettbewerber in die Insolvenz gehen würden und wir 100.000 Kunden auf einmal zusätzlich beliefern müssten, dann müssten wir nachbeschaffen." Er gehe aber nicht davon aus, dass einer der ganz Großen in der aktuellen Krise seinen Energievertrieb einstellen müsse.
Bislang fielen nach EnviaM-Angaben vor allem Kunden der Unternehmen Lition, Smiling Green Energy und Otima Energie in die Ersatzversorgung. Alle drei Firmen haben bereits Insolvenz angemeldet.
Keine Gasprodukte für Neukunden
Dazu kämen Kunden des Unternehmens Envitra. Envitra wurde vom ostdeutschen Netzbetreiber Hertz 50 der Bilanzkreis gekündigt.
Aktuell bietet Mitgas auf seiner Website keine Gasprodukte für Neukunden an. "In Anbetracht der volatilen Marktentwicklung haben wir uns eine kurze Bedenkzeit genommen", sagte Auerbach. "Zudem müssen wir sehen, wie viele Kunden wir zusätzlich in der Ersatzversorgung bekommen."
Neukunden-Akquise bleibt ausgesetzt
Aktuell habe Mitgas noch genügend Gas, um genügend Neukunden zu bedienen. "Da warten wir aber erst einmal ein paar Tage ab, bis wir wieder in die Neukunden-Akquise gehen."
Enviam und Mitgas sind Grundversorger in Teilen der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Nach eigenen Angaben hatten sie Ende 2020 insgesamt weniger als 1,1 Mio. Stromkunden und 179.000 Gaskunden. Gerade im Gasbereich seien seitdem weitere Kunden dazugekommen. Inzwischen seien es mehr als 190.000 Kunden. (aba)



