Eon-Vorstandsvorsitzender Leonhard Birnbaum

Eon-Vorstandsvorsitzender Leonhard Birnbaum

Bild: © Roland Weihrauch/dpa

Seit Anfang des Jahres entspannten sich die Gasmärkte allmählich wieder, erklärte der Vorstandsvorsitzende Leonhard Birnbaum am Mittwoch auf der Halbjahrespressekonferenz des Dax-Konzerns. Auch die hohen Füllstände in den Gasspeichern der wichtigsten asiatischen und europäischen Märkte gäben Anlass zu vorsichtigem Optimismus im Hinblick auf die kommende Winterheizperiode 2023/24. Allerdings seien volle Speicher keine Garantie gegen eine erneute Marktvolatilität während des Winters. Deshalb bleibe Energiesparen wichtig, um eine Eskalation der Versorgungslage zu vermeiden.

Auch bei den Strompreisen werde es an den Großhandelsmärkten „ganz sicher“ eine weitere Entspannung geben, doch müsse diese Entwicklung vor dem Hintergrund der enormen Preisexplosionen der jüngsten Energiekrise gesehen werden. „Wenn wir das Jahr 2019 als das letzte normale Jahr betrachten, sieht die Sache schon ganz anders aus“, sagte Birnbaum. Im Vergleich zu 2019 lägen die Notierungen für Gas an den Märkten derzeit immer noch dreimal so hoch, bei Strom doppelt so hoch.

LNG bleibt strukturell teuer

Eine Rückkehr zum Energiepreislevel von 2019 sei auf „absehbare Zeit nicht zu erwarten“, erklärte Birnbaum weiter. Das von der asiatischen Nachfrage geprägte Flüssigerdgas (LNG) bleibe „strukturell teuer“. Deshalb werde Europa, gerade was die Industrie betrifft, bei den Energiepreisen weiterhin benachteiligt sein.

Angesichts der Beruhigung an den Beschaffungsmärkten hat Eon bereits angekündigt, die Preise für Haushaltskunden in Deutschland im Spätsommer zu reduzieren. Im Schnitt würden die Preise in der Grundversorgung Strom um 18 Prozent und in der Grundversorgung Gas um 28 Prozent abgesenkt, sagte Birnbaum. Der Konzern habe bereits in anderen europäischen Märkten die Kunden „umfangreich entlastet“, in Deutschland hätten dies auch bereits mehrere Eon-Regionalgesellschaften vollzogen.

Unterscheidung von Neu- und Altanlagen nicht zielführend

Kritik übte der Eon-Chef an den Plänen der Bundesnetzagentur zur Erhöhung der Eigenkapitalverzinsung für die mehr als 800 Strom- und rund 700 Gasnetzbetreiber in Deutschland. Die Erhöhung des EK-I-Zinses für Neuinvestitionen ab 2024 stelle „nur einen ersten Schritt in die richtige Richtung“ dar. Dass die Anpassung damit erst zwei Jahre nach der Zinswende in Kraft treten solle und Bestandsanlagen ausgenommen sein sollen, sei „viel zu kurz gegriffen“.

„Die Unterscheidung von Neu- und Altanlagen ist nicht zielführend. Denn auch die alten Anlagen sind nicht auf 40 Jahre durchfinanziert“, betonte der Eon-Chef. Zudem müsse das Gesamtsystem reformiert werden, etwa der Effizienzvergleich.

Endgültige Festlegung am Jahresende

Nach den derzeit in Konsultation befindlichen Plänen der Regulierungsbehörde soll prinzipiell der Eigenkapitalzinssatz für Neuanlagen dynamischer werden und jährlich statt wie bislang alle fünf Jahre geändert werden können. Nach aktuellen Prognosen soll er für 2024 etwa 7,09 Prozent betragen. Inklusive Gewerbesteuer wären es 8,1 Prozent.

Derzeit gilt für Gasnetzbetreiber ein Eigenkapitalzinssatz für Neuanlagen von 5,07 Prozent. Bei Stromnetzbetreibern sind es noch 6,91 Prozent. Hier sollte ursprünglich eine Absenkung auf 5,07 Prozent im kommenden Jahr erfolgen. Bei den genannten Werten wurde eine gegebenenfalls anfallende Körperschaftsteuer nicht mit eingerechnet. Bis Ende August können sich Netzbetreiber und Verbände noch zu den Plänen der Bonner Regulierungsbehörde äußern. Die endgültige Festlegung soll am Jahresende erfolgen.

Reguliertes Netzgeschäft wichtige Ertragssäule

Der Konzern ist selbst der mit Abstand größte Verteilnetzbetreiber in Deutschland und betreibt nach eigenen Angaben mehr als 800.000 Kilometer Strom- und Gasnetze. Das regulierte und damit stabile Netzgeschäft ist deshalb auch eine extrem wichtige Ertragssäule für Eon.

Über zeitnahe Entscheidungen zur Verzinsung des Eigen- und Fremdkapitals hinaus müsse aber vor allem der Bürokratieabbau forciert werden, um die Ziele der Energiewende zu erreichen. „Immer neue Gesetze und Vorschriften erschweren ein schnelles Umsetzen, überfordern Teile von Wirtschaft und Bevölkerung und gefährden den Rückhalt der Energiewende. Die Menschen dürfen nicht bevormundet, sie müssen gewonnen werden“, erklärte Birnbaum. Bürger und gerade auch kleinere Betriebe müssten erkennen, „bei der Energiewende ist etwas drin für uns, für unseren Alltag, für unsere wirtschaftliche Situation“.

Relevant ist, was in der Praxis ankommt

Alle Behörden, etwa die Bauämter, sollten sich als Ermöglicher der Transformation verstehen, „oder sich selbst aus dem Weg räumen“. „Wenn der Bundeskanzler von Deutschlandgeschwindigkeit spricht, ist das zu begrüßen. Relevant ist aber, dass das auch in der Praxis ankommt“, so der Eon-Chef. (hil)

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