Der Essener Energiekonzern Eon arbeitet nach eigenen Angaben an einem einfacheren Steuerungsmodell "zum Zusammenspiel zwischen Headquarter und operativen Einheiten". Eine Unternehmenssprecherin sagte auf ZFK-Anfrage, der Fokus liege auf ausgewählten Prozessen und Strukturen. Konkrete Maßnahmen nannte sie nicht. Diese stehen noch nicht fest.
Bei den organisatorischen Änderungen im Rahmen des geplanten Effizienzprogramms "Polaris" stimmt sich Eon eng mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen ab. "Erste Gespräche dazu haben wir aufgenommen", hieß es aus Essen.
Laut einem Bericht des "Manager Magazin" soll das Programm bereits im Frühjahr 2027 anlaufen. Der Bericht nennt eine Kostenreduktion von 20 bis 25 Prozent als Ziel. Unklar bleibt, worauf sich diese Quote bezieht – etwa auf Verwaltungs- oder Managementkosten oder auf einen größeren Kostenblock. Eon kommentierte die Zahlen nicht.
Effizienz gehört zur DNA des Konzerns
Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)
Was bedeutet das Einsparziel?
Marc Tüngler, Rechtsanwalt und Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), bezweifelt, dass sich das in den Medien genannte Einsparziel von 20 bis 25 Prozent auf die Ausgaben des gesamten Konzerns bezieht. Für ihn entscheidet die Bezugsgröße über die Aussagekraft der Zahl: "sonst würde Eon damit Ad hoc gehen", sagte er im Gespräch mit der ZFK.
Das Programm überrasche ihn außerdem nicht. Schließlich "gehört Effizienz zur DNA des Konzerns", sagte Tüngler. Eon arbeite kontinuierlich daran, seine Strukturen und Prozesse effizienter zu gestalten.
Eon will bis 2030 etwa 48 Milliarden Euro investieren und richtet seinen Fokus dabei auf die europäische Energiewende, insbesondere auf die Netzinfrastruktur. Die Unternehmenssprecherin erklärte, Eon wolle seine Organisation "noch stärker auf künftiges Wachstum und das sich dynamisch verändernde Umfeld ausrichten".
Um diese Investitionsziele zu erreichen, müsse der Konzern auch für Finanzinstitute, Anleger und Investoren attraktiv bleiben, sagte Andreas Schwenzer, Marktexperte und Partner bei Argon & Co (ehemals Advyce & Company). "Polaris hilft dabei sicherlich", sagte er.
Hoher Druck auf die Energiewirtschaft
Schwenzer ordnet das angekündigte Spar- und Effizienzprogramm in einen branchenweiten Trend ein. Der steigende Transformationsdruck auf die Energiewirtschaft dürfte diese Entwicklung weiter verstärken. Hinzu komme der wachsende Wettbewerb um die Endkunden, dem sich Eon stellen müsse.
Auch Eons Effizienzprogramm sei kein Einzelfall. Die gesamte Energiewirtschaft stehe vor großen Herausforderungen: "Die Daumenschrauben seitens der BNetzA werden angezogen, die Beschaffungsmärkte sind unsicher und das Energiepreisniveau ist hoch. Hinzu kommt der hohe Investitionsbedarf für die Energie- und Wärmewende", sagte er der ZFK.
Hohes Skalierungspotenzial
Trotz vieler Fortschritte sieht Schwenzer in der Energiebranche bei der Digitalisierung und beim Einsatz von KI noch viel Luft nach oben. Komplett automatisierte Prozesse, wie beispielsweise beim Online-Banking, seien rar.
Das größte Einsparpotenzial im Rahmen des Eon-Programms erkennt der Experte vor allem bei möglichen Doppelbesetzungen und in Segmenten mit einem hohen manuellen, aber digitalisierbaren Arbeitsanteil.
Als weiteren Vorteil nennt Schwenzer Eons Größe am Markt: "Das Unternehmen kann seine IT-Ausgaben auf eine im Vergleich zu manch anderem Energieversorger um ein Vielfaches größere Kundenzahl verteilen. Entsprechend hoch sind die Skalierungseffekte".


