Von Julian Korb
Soll der Smart-Meter-Rollout wettbewerblich erfolgen oder nicht? Eon-Chef Leonhard Birnbaum hatte sich auf der Bilanzpressekonferenz des Energiekonzerns am Mittwoch für die Abschaffung wettbewerblicher Messstellenbetreiber ausgesprochen. Als Grund nannte er die hohen Kosten.
Für Smart Meter habe die Politik viel zu hohe technische Vorgaben und die Geräte damit zu teuer gemacht. Es sei aber nicht nötig, gleich einen "Ferrari" für PV-Anlagen-Betreiber vorzuschreiben. "40 Millionen Ferraris sind zu teuer, da wären wir mit einem VW Käfer besser gefahren", so Birnbaum.
Langsamer Rollout
Bastian Gierull, CEO des Ökostromversorgers Octopus Energy Deutschland, schaltete sich nun in die Debatte ein. “Eon will den wettbewerblichen Messstellenbetrieb für Smart Meter abschaffen. Das ist in etwa so, als hätte Nokia die Abschaffung von Apple und Google gefordert.“
Er warf Eon vor, beim Einbau von Smart Metern verglichen mit der Größe des Konzerns genauso hinterherzuhinken wie andere Marktteilnehmer. Der Essener Konzern solle sich lieber für Innovationen einsetzen, statt sich Wettbewerber vom Hals zu halten.
Eon ist im eigenen Netzgebiet wie viele Stadtwerke als Netzbetreiber vor Ort auch der grundzuständige Messstellenbetreiber. Kunden können sich allerdings frei entscheiden, zu einem wettbewerblichen Messstellenbetreiber zu wechseln.
Geringere Kosten in Frankreich
Um Kosten für den Rollout zu senken, hat Gierull einen anderen Vorschlag. "Wir müssen dahin kommen, dass Smart Meter aus anderen europäischen Ländern auch in Deutschland verbaut werden dürfen." Im Nachbarland Frankreich etwa kosten intelligente Stromzähler deutlich weniger als in Deutschland. Grund sind unter anderem geringere Datenschutzvorgaben sowie andere regulatorische Vereinfachungen.
Seit dem 1. Januar 2025 haben Kunden in Deutschland das Recht auf einen Smart Meter vom Messstellenbetreiber. Die Installation soll maximal 100 Euro kosten. Viele Stromkonzerne verlangen von einigen Kundengruppen jedoch bis zu 900 Euro für ein Gerät. Als Begründung heißt es oft, der Aufwand für individuelle Installationen sei hoch.
Ärger mit Verbraucherschützern und Netzagentur
Vor allem Eon-Tochterunternehmen wie Westnetz, Bayernwerk, Mitteldeutsche Netzgesellschaft und Edis waren zuletzt mit solchen "Abschreckungs-Preisen" aufgefallen. Daraufhin hatte die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mehrere Unternehmen abgemahnt. Die Verbraucherschützer wollen zudem gerichtliche Schritte prüfen.
Erst kürzlich war zudem bekannt geworden, dass die Bundesnetzagentur Hunderte von Messstellenbetreibern abgemahnt hat. Die Unternehmen hätten demnach beim Smart-Meter-Rollout gebummelt. Nur ein kleiner Teil der Messstellenbetreiber sei bislang den gesetzlichen Einbauquoten nachgekommen.
Keine Förderung für Dach-PV
Den Wettbewerb bei Smart Metern abzuschaffen, war übrigens nicht der einzige Vorschlag von Eon-CEO Birnbaum an die künftige Bundesregierung. Um die Kosten des Energiesystem zu senken, sollte etwa auch die derzeitige Erneuerbaren-Förderung einer Prüfung unterzogen werden.
"Nur das, was Förderung braucht, soll auch gefördert werden", sagte der Unternehmenslenker. So bräuchten etwa Photovoltaikanlagen auf Dachflächen "ganz sicher" überhaupt keine Förderung. "Die lohnen sich komplett über die Eigenstrom- und Eigenverbrauchsoptimierung." (mit dpa)



