Die Auswahl für Gas- und Stromkunden ist auf Deutschlands gängigen Vergleichsportalen aktuell eher gering.

Die Auswahl für Gas- und Stromkunden ist auf Deutschlands gängigen Vergleichsportalen aktuell eher gering.

Bild: © Wes Hicks/Unsplash

Es herrscht Ebbe auf den gängigen Vergleichsportalen für Strom- und Gasverbraucher in Deutschland. Am Mittwochnachmittag waren auf Verivox für Berliner Haushaltskunden gerade einmal 16 Stromangebote gelistet. Darunter befand sich kein einziges kommunales Unternehmen.

Mit Abstand auf Platz eins lag der schwedische Staatskonzern Vattenfall, der in der Bundeshauptstadt zugleich Grundversorger ist. Er berechnete pro Kilowattstunde Strom einen Arbeitspreis von 32,70 Cent.

Eon ganz hinten

Dahinter folgten Stromprodukte des Autobauers Volkswagen (44,55 Cent pro kWh) und des bayerischen Unternehmens Montana (47,27 Cent pro kWh).

Auf dem letzten Platz reihte sich Deutschlands Marktführer Eon ein. Der Arbeitspreis dort: 67,02 Cent pro kWh.

Grundversorger klar am billigsten

Für Kunden noch unattraktiver gestalten sich die Angebote in ländlichen Gebieten wie Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz). Der dort auf Platz eins gelistete Anbieter Montana verlangte am Mittwochnachmittag 49,43 Cent pro kWh.

Zum Vergleich: Die Stadtwerke Bad Bergzabern berechnen im Grundversorgungstarif aktuell 32,15 Cent pro kWh – also gut 17 Cent weniger.

Verivox: Lage "ungewöhnlich"

Auf ZfK-Nachfrage nannte ein Verivox-Sprecher die Lage "ungewöhnlich". "Der Wettbewerb ist derzeit stark gebremst, das betrifft nicht nur Stadtwerke", teilte er mit.

Kaum besser sieht es beim Vergleichsportal Check 24 aus. Dort wurden für Berlin zum selben Zeitpunkt 19 Stromangebote gelistet. Darunter befanden sich die Stadtenergie, die bundesweite Energievertriebstochter der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW), sowie Maxenergy, das zum Regionalversorger Erdgas Schwaben gehört.

Ähnliches Bild bei Check 24

Auch bei Check 24 führte Vattenfall die vergleichsweise kurze Liste an.

Schlusslicht hier ebenso: Eon.

Entega: Neubewertung Mitte Januar

Auf Verivox und Check 24 nicht mehr gelistet ist der Darmstädter Regionalversorger Entega. Der Konzern habe kurz vor Weihnachten entschieden, vorübergehend die Zusammenarbeit mit den gängigen Vertriebsportalen auf Eis zu legen, teilt ein Unternehmenssprecher mit. "Die Gründe liegen in den exorbitant gestiegenen Beschaffungskosten."

Entega werde Mitte Januar die Lage neu bewerten und über neue Tarife sowie die Rückkehr zu den üblichen Vertriebsaktivitäten entscheiden.

Auch Octopus Energy ohne Angebote

Zurückgezogen hat sich auch Digitalanbieter Octopus Energy, der inzwischen nach eigenen Angaben eine Kundenzahl im mittleren fünfstelligen Bereich hat und noch vor wenigen Wochen bei Verivox und Check 24 ganz vorne mitmischte.

Während Entega und Octopus Energy zumindest noch auf ihren eigenen Websiten Angebote listen, setzen andere Energieversorger den Neukundenvertrieb ganz aus.

Wirbel um Stadtwerke Stuttgart

So weisen etwa die Stadtwerke Osnabrück (Niedersachsen) darauf hin, dass ihre Erdgas- und Stromsonderprodukte für Neukunden derzeit "ausverkauft" seien. Auch die Stadtwerke Konstanz bieten keine Strom- und Gastarife für Neukunden außerhalb der Grund- und Ersatzversorgung mehr an.

Wirbel gab es um die Entscheidung der Stadtwerke Stuttgart kurz vor Weihnachten, das Erdgas- und Biogasangebot für Neukunden vorübergehend auszusetzen. Das Kommunalunternehmen verwies auf einen unerwartet hohen Zuwachs an Neukunden und extrem hohe Beschaffungskosten.

Neukundenstopp "nicht akzeptabel"

Die Stadtwerke sind in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs nicht Grundversorger. Diese Funktion hat Energiekonzern EnBW.

Für "nicht akzeptabel" hält der Verband Haus & Grund Stuttgart den Stopp des Neukundenvertriebs. "Als kommunales Unternehmen sind die Stadtwerke ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge und stehen so in der Verantwortung gegenüber der Bürgerschaft", ließ Geschäftsführer Ulrich Wecker per Presseaussendung ausrichten. "Da geht es nicht an, Neukunden die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Selbst dann nicht, wenn die Preise am Energiemarkt gerade Achterbahn fahren."

Rheinenergie mit neuer Strategie

Gegen den Trend schwimmt der Kölner Versorger Rheinenergie. Er bietet auf seinen Seiten nun wieder Sondertarife für Strom und Gas an. Im Tarif Ökostrom 24 liegt der Arbeitspreis nun bei 42,82 Cent pro kWh.

Das seien etwa 30 Cent weniger als für Neukunden in der Grund- und Ersatzversorgung, rechnet der Versorger vor. Tatsächlich liegt der Arbeitspreis beim neu eingeführten Grundversorgungstarif für Neukunden bei 72,80 Cent pro kWh. (aba)

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