Sie sind die größten Energieversorger ihres Landes und diese Woche wegen ihrer Preispolitik mächtig unter Beschuss geraten. Dabei fühlen sich Deutschlands Eon und Österreichs Wien Energie zu Unrecht an den Pranger gestellt. Doch der Reihe nach.
Eigentlich wollte Eon diese Woche selbst den Ton vorgeben. Auf seiner Bilanzpressekonferenz kündigte der Essener Konzern an, sein Investitionsprogramm aufzustocken – bis 2027 auf insgesamt 33 Milliarden Euro. Doch kurz zuvor holte das Unternehmen ein anderes, deutlich unangenehmeres Thema ein.
Verbraucherschützer prüfen Musterfeststellungsklage
Der Bundesverband der deutschen Verbraucherzentralen VZBV prüft nämlich eine Musterfeststellungsklage, umgangssprachlich auch Sammelklage genannt, gegen den Konzern. Der Streitpunkt: die deutlichen Preiserhöhungen in der Fernwärme, die Eon im Zuge der Energiekrise vorgenommen hat.
Dadurch seien für Verbraucher Zusatzkosten von mehreren tausend Euro entstanden, rechnet der VZBV vor. Er nennt das Versorgungsgebiet Hamburg-Lohbrügge. Dort sei der Arbeitspreis von netto 3,79 Cent pro kWh 2020 auf 17,20 Cent zwei Jahre später hochgegangen. "Bei einem Jahresverbrauch von 15.000 kWh entspricht das Mehrkosten von über 3000 Euro brutto für die Fernwärmekund:innen."
Eon wehrt sich
Der VZBV hält die Preiserhöhungen für unwirksam, weil die Preisänderungsklauseln nicht den rechtlichen Anforderungen entsprächen. Jetzt will er den Klageweg prüfen und ermuntert betroffene Kunden, sich zu melden. "Verbraucher:innen dürfen nicht zu Unrecht abkassiert werden, erst recht nicht in dieser sowieso schon belastenden Preiskrise", wird VZBV-Vorständin Ramona Pop in einer Presseaussendung zitiert.
Und was erwidert Eon? "Unsere Fernwärmepreise folgen den gesetzlichen Vorgaben und passen sich den Kosten- und Marktentwicklungen an", richtet der Konzern aus. "Die Preisgestaltung richtet sich nach Preiskomponenten, die auf veröffentlichten und jederzeit einsehbaren Grundlagendaten des Statistischen Bundesamtes beruhen. Dadurch wird gewährleistet, dass eine objektive, unabhängige und nachvollziehbare Basis für Preisänderungen besteht."
Preisvergleich mit Salzburg AG
Schwere Vorwürfe gab es diese Woche auch gegen den Wiener Stadtversorger Wien Energie. Zur Erinnerung: Das Unternehmen musste auf dem Höhepunkt der Strompreisrallye 2022 unter den Schutzschirm des Bundes schlüpfen, um handlungsfähig zu bleiben.
Aktueller Anlass ist ein neues, von einer Vermögensberatung in Auftrag gegebenen Gutachten des Finanzexperten Oliver Lintner. Untersucht wurden dort die Hintergründe für die vermeintlich frühere und stärkere Strompreiserhöhungen der Wien Energie im vergangenen Jahr im Vergleich zur Salzburg AG.
"Unendlich hohes Risiko bei Sicherheitenleistungen"
Lintner resümiert, dass Wien Energie für das Kalenderjahr 2022 Strom auf dem Terminmarkt verkauft habe – "mit unendlich hohem Risiko hinsichtlich der Sicherheitenleistungen für das Unternehmen während der Laufzeit dieser Geschäfte". Bei Salzburg AG seien hingegen Absicherungsgeschäfte im Interesse der Stromkunden getätigt worden.
Entsprechend könne hieraus der Schluss gezogen werden, dass die Unternehmensstrategien Margensicherung versus Kundenabsicherung im Jahr 2022 zu deutlich negativen Auswirkungen für die Stromkunden der Wien Energie geführt hätten.
Wien Energie droht mit rechtlichen Schritten
Die Wien Energie wies diese Schlussfolgerungen scharf zurück. Das Gutachten nehme "längst aufgeklärte Falschinformationen" zum Energiehandel der Wien Energie als Ausgangslage und ziehe unzulässige Schlüsse zur gesamten Preisstrategie der Unternehmen, teilte das kommunale Unternehmen mit.
Außerdem sei die Wien Energie den gesamten Sommer und Herbst 2022 der günstigste Strom- und Gasanbieter in der österreichischen Bundeshauptstadt gewesen. Sie habe auch im Landesvergleich zu den günstigsten Anbietern gehört. Das Unternehmen gab bekannt, rechtliche Schritte gegen die weitere Verbreitung dieser Falschinformationen zu prüfen.
Eon: 14 Mio. Energiekunden in Deutschland
Nach eigenen Angaben versorgt die Wien Energie mehr als zwei Millionen Kunden mit Energie. Eon hat in Deutschland mehr als 14 Millionen Energiekunden. (aba)



