Herr Render, die N-Ergie hat das Geschäftsjahr 2023 mit guten Ergebnissen abgeschlossen. Werden Sie daran anknüpfen können?
Wir sind sehr glücklich über das Ergebnis aus dem vergangenen Geschäftsjahr, aber wir wissen das gut einzuordnen. Eine Situation, wie sie sich 2023 ergeben hat, werden wir aller Voraussicht nach nicht so bald wieder erleben.
Wir haben sehr stark von Entscheidungen aus dem Krisenjahr 2022 profitiert – das kalkulierte Risiko, das wir eingegangen sind, während sich zahlreiche Vertriebe aus dem Markt für Großkunden zurückgezogen haben, hat sich ausgezahlt. Gleichzeitig konnten wir im Bereich Erzeugung durch die angezogenen Preise an den Handelsmärkten gute Gewinne erzielen. Dieser Effekt wird sich durch die rückläufige Entwicklung an den Börsen so nicht verstetigen. Verbunden mit den massiven Investitionen im Zuge der Energiewende, rechnen wir deshalb nicht damit, kurz- und mittelfristig an das Ergebnis aus 2023 anknüpfen zu können.
"Kund*innen warten auf Entlastung."
Wie schätzen Sie die weitere Preisentwicklung bei Strom, Gas und Wärme ein – auch in Bezug auf Ihre Endkundinnen und -kunden?
Bei der Fernwärme laufen wir durch die zugrundeliegende Formel der allgemeinen Preisentwicklung mit etwa einem Jahr Verzögerung hinterher. Deshalb warten unsere Kund*innen natürlich schon sehnlich auf Entlastung durch Weitergabe der mittlerweile niedrigeren Erzeugungskosten. Die gute Nachricht: Das wird bei der nächsten Anpassung im Oktober passieren, dann werden wir deutlich senken können.
Bei den Strom- und Gaspreisen sieht es etwas anders aus. An den Börsen sind die Preise deutlich zurückgegangen, ebenso die Volatilität. Wir gehen von einer relativen Stabilität auf diesem Niveau aus. Allerdings wirken die externen Preisbestandteile preistreibend: Steuern, Abgaben und beim Strom besonders die Netzentgelte. Dennoch rechnen wir damit, unseren Kund*innen bis zum Jahresende stabile Preise bieten zu können.
"Treiber des Netzausbaus sind die Erneuerbaren"
In Oranienburg konnten zeitweise keine Netzanschlüsse vorgenommen werden. Wie ist die N-Ergie in puncto Stromnetz aufgestellt?
Eine Situation, in der wir auf der Lastseite keine normalen Hausanschlüsse mehr bereitstellen können, sehe ich nicht auf uns zukommen. Wir haben als Betreiber eines großflächigen Stromnetzes im Süden Deutschlands die gegenteilige Herausforderung: nämlich bei den Netzanschlüssen für Einspeiser. Treiber für den immensen Ausbau unseres Verteilnetzes sind weniger die zunehmenden Lasten auf der Verbraucherseite, sondern in allererster Linie die Erneuerbaren, die ins Netz drücken.
Vor allem die großen leistungsstarken Solarparks, die in unserer Region schnell und in großer Zahl gebaut werden, belasten das Netz. Teilweise – zum Beispiel an Feiertagen – speisen in unserem Netz aber auch bereits die nichtsteuerbaren Anlagen mehr Strom aus Erneuerbaren ein, als überhaupt nachgefragt wird. Wir werden allein bis 2030 etwa 1,3 Milliarden Euro in unser Stromnetz investieren, um es zu verstärken. Aber klar ist auch: Das wird eine echte Herkulesaufgabe – insofern kann ich aus einer anderen Perspektive heraus durchaus bestätigen, dass die Stromnetze immer näher an ihre Grenzen kommen.
Die Fragen stellte Daniel Zugehör.



