Im Jahr 2021 erwirtschaftete die Energieversorgung Oberhausen (evo) 11,4 Mio. Euro. Damit erreichte der kommunale Versorger sein gesetztes Ziel für die Gewinnabführung, teilt das Unternehmen mit. 2020 hatte die evo ihr Gewinnziel von 11 Mio. Euro noch verfehlt.
"Auch hier ist der Change-Prozess bereits in unseren Zahlen sichtbar. Außerdem ist es wichtig, dass jetzt in Bezug auf die KSBG-Steag eine Null in unseren Büchern steht", erklärte Hartmut Gieske, kaufmännischer Geschäftsführer, das Ergebnis.
Gas und Fernwärme legt zu
Beim Strom gab es im vergangenen Jahr einen Absatzrückgang von rund 2,6 Prozent. Der Erdgasabsatz war um 10,3 Prozent, der Absatz von Fernwärme um 16,9 Prozent gestiegen.
"Mit den beiden neuen KWK-Projekten in Alt-Oberhausen und Sterkrade produzieren wird dezentral Strom für 16.000 und Fernwärme für 11.000 Haushalte. Dank zukunftsweisender Technologie, die bereits für die Umstellung auf Wasserstoff ausgerüstet ist, haben wir rund 10.000 Tonnen CO2 eingespart", ergänzte Technikvorstand Christian Basler.
Wirtschaftliche Auswirkungen kaum vorhersehbar
Jedoch werde die evo das Ergebnis von 2021 im laufenden Jahr 2022 verfehlen. Grund dafür ist die weltweite Energiekrise, die sich durch den Krieg in der Ukraine zuspitzt.
"Wir analysieren die wirtschaftliche Lage kontinuierlich und genau", versicherte Basler. "Fakt ist aber auch, dass die weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen kaum noch vorhersehbar sind. Wir befinden uns in einer noch nie da gewesenen Ausnahmesituation.
Weitere Preiserhöhung möglich
Um die sichere Versorgung zu gewährleisten, sei es die Strategie des Unternehmens, langfristig Energie zu beschaffen. "Doch auch mit unserer vorausschauenden Planung können wir uns der aktuellen Lage nicht entziehen", so Basler weiter. "Eine Preisanpassung ab Juni war daher unumgänglich und auch weitere Erhöhungen ist im Herbst möglich, wenn sich die Situation weiter zuspitzt.“
Das Unternehmen erhöht die Preise für Strom in der Grundversorgung für Bestandskundinnen und -kunden und für Kundinnen und Kunden in TOB-Sonderverträgen um 2,38 Cent brutto pro Kilowattstunde. Bei Gas sind es 1,79 Cent. Der Grundpreis bleibt in beiden Sparten stabil.
Warnung vor Gas-Umverteilung
Viele Kundinnen und Kunden, die eine Preisgarantie bis Jahresende 2022 oder 2023 abgeschlossen haben, seien von der Preisanpassung jedoch nicht betroffen. Die Senkung der EEG-Umlage von 3,723 Cent pro kWh auf null durch die Bundesregierung soll an die Kundinnen und Kunden eins zu eins weitergegeben werden, was die Preissteigerung etwas abmildere.
"Durch die Krisenlage haben sich insbesondere die Preise für Gas an den Energiemärkten vervielfacht. Hinzu kommt die Gefahr eines Import-Stopps für russisches Gas. Da ein Großteil des Erdgases aus Russland stammt, wäre diese Entwicklung fatal", sagte Basler. Er warnte vor einer großflächigen Umverteilung der Energie, die im Falle eines Lieferstoppes noch zur Verfügung stehe.
Defizit verhindern
Bleiben die russischen Lieferungen erhalten, droht den Oberhausern trotzdem ein dickes Minus. "Nach heutiger Prognose, verlieren wir trotz Preisanpassung 13,6 Millionen Euro", sagte Gieske. "Das würde bedeuten, dass wir mit einem Defizit von 6,8 Millionen Euro abschließen."
Dies gelte es in jedem Fall zu verhindern. Gieske sensibilisierte zudem dafür, dass Preisanpassungen notwendig seien. "Wir müssen diese Last gemeinsam tragen und unter allen aufteilen – wir müssen wohl oder übel zusammen durch die Krise", so der kaufmännische Vorstand, der die evo zum Jahresende verlassen und in Ruhestand gehen wird. (jk)



