EWE-Konzernchef Stefan Dohler

EWE-Konzernchef Stefan Dohler

Bild: © Mohssen Assanimoghaddam/EWE

Wie geht es weiter mit Gas und Kohle, Versorgungssicherheit und Preisstabilität? Angesichts der Folgen des russisschen Angriffskriegs auf die Ukraine steht auch beim Oldenburger Energiekonzern EWE wieder einiges auf dem Prüfstand.

Thema Preissteigerungen bei Strom und Gas. Da hat EWE seine erste Preisrunde bereits hinter sich. Seit April kostet die Kilowattstunde Strom im niedersächsischen Grundversorgungsgebiet 30,48 Cent und die Kilowattstunde Gas 10,06 Cent.

"Wollen uns nicht daran reich machen"

Auf der Bilanzpressekonferenz stimmte Dohler EWE-Kunden mit Blick auf anhaltend hohe Großhandelspreise auf weitere Preissteigerungen ein. Der Konzern werde die Preisentwicklung letztlich an die Kunden weitergeben müssen, sagte er.

"Wir wollen das aber so moderat mit Augenmaß tun, wie wir es irgendwie können", betonte er. "Wir wollen uns nicht daran reich machen. Wir müssen aber auch unser Unternehmen schützen und wirtschaftlich agieren."

Gasabhängigkeit von Russland ein "Fehler"

Dohler nannte die große Energieabhängigkeit Deutschlands von Russland einen "Fehler". Dies dürfe sich nicht wiederholen. Er sagte auch: "Aktuell wäre ein Lieferausfall bei Gas für Deutschland nicht zu kompensieren." Ein sofortiger Lieferstopp würde die Bundesrepublik und auch EWE hart treffen.

Bei EWE tage täglich ein Krisenstab, um die aktuelle Situation zu analysieren und sich auf "alle denkbaren Szenarien" vorzubereiten, schilderte Dohler. Zu den Szenarien gehöre auch, darüber nachzudenken, ob das Kohlekraftwerk in Bremen im Ortsteil Hastedt, das der EWE-Tochter SWB gehört, nicht wie bisher geplant im Sommer 2023 stillgelegt werde, sondern eventuell noch einige Jahre darüber hinaus genutzt werden solle. Stand jetzt will EWE 2023 komplett aus der Kohle aussteigen.

LNG als Alternative

Auch Flüssigerdgas (LNG) sei eine Alternative zu russischen Erdgas, führte Dohler aus.

EWE ist in die vom Land Niedersachsen initiierte Task-Force zum beschleunigten Aufbau und Anbindung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven direkt eingebunden.

EWE vermeldet Umsatzanstieg

Für 2021 vermeldete EWE einen Umsatzanstieg auf rund 6,1 Milliarden Euro (2020: rund 5,6 Milliarden). Das Nettojahresergebnis stieg zwar um 103 Prozent auf 597,5 Millionen Euro. Der Betrag stehe aber nur auf dem Papier und sei "kein kassenwirksamer Gewinn", erklärte Finanzvorstand Wolfgang Mücher.

Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (operatives Ebit) lag dagegen nach Unternehmensangaben bei 354,7 Millionen Euro und damit 20 Prozent unter dem Ergebnis des vorherigen Geschäftsjahres mit 442 Millionen Euro. Als Gründe dafür nannte Mücher ungewöhnlich windschache Monate sowie die Optimierung der Gasspeicherfahrweise. So wurden Gasmengen, die eigentlich 2021 ausgespeichert werden sollten, in den Speichern belassen. Sie werden erst im Jahr 2022 ausgespeichert.

1,4 Mio. Stromkunden

Die EWE AG versorgt nach eigenen Angaben im Nordwesten Deutschlands, in Brandenburg und auf Rügen sowie in Teilen Polens rund 1,4 Millionen Privat- und Firmenkunden mit Strom. Dazu kommen 0,7 Millionen Erdgaskunden sowie rund 0,7 Millionen Kunden bei Telefon und Internet. (aba/dpa)

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