Der Energieversorger EWE hat das Geschäftsjahr 2020 mit einem Umsatz von 5642,6 Mio. Euro (Vorjahr: 5659,3 Mio. Euro) abgeschlossen und bleibt damit nur leicht unter dem Niveau von 2019. Das Konzernperiodenergebnis hat sich aufgrund von Sondereffekten mit 293,9 Mio. Euro im Vorjahresvergleich mehr als verdoppelt (127,5 Mio. Euro).
"Trotz Pandemie haben wir in allen wesentlichen operativen Segmenten unsere Ziele erreicht oder übererfüllt", fasste Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender, EWE, anlässlich der Jahrespressekonferenz der EWE-Region Brandenburg/Rügen zusammen. Die Sondereffekte seien vor allem auf Derivate an der Strombörse zurückzuführen.
| Konzern | 2020 | 2019 | Veränderung | |
| Umsatz (Ohne Strom/Energiesteuer) | in Mio. Euro | 5642,6 | 5659,3 | -0,3 Prozent |
| Rohertrag | in Mio. Euro | 2084,1 | 1873,4 | +11,2 Prozent |
| Operatives EBIT | in Mio. Euro | 442,0 | 455,9 | -0,3 Prozent |
| Konzernperiodenergebnis | in Mio. Euro | 293,9 | 127,5 | +130,4 Prozent |
| Investitionen (Auszahlungen) | in Mio. Euro | 656,7 | 587,4 | +11,8 Prozent |
| Jahresüberschuss (HGB) | in Mio. Euro | 186,9 | 485,2 | -298,3 Mio. |
"Größter Grünstromproduzent" bei Wind
Um bis 2035 klimaneutral zu werden, hat der Energieversorger unter anderem mit der Aloys-Wobben-Stiftung das Unternehmen Alterric gegründet. Es soll mit dem Bau und Betrieb von Onshore-Windkraftanlagen Deutschlands größter Grünstromproduzent in diesem Bereich werden.
"Mit 2300 MW an drehenden Windkraftanlagen und der Projektentwicklungspipeline von 9400 MW machen die Gesellschafter deutlich, dass wir Alterric zu einem der größten Grünstromerzeuger in Deutschland und Frankreich ausbauen werden", so Dohler weiter.
Speicherung reinen Wasserstoffs
Zudem hat sich EWE das Ziel gesetzt, der erste integrierte Wasserstoff-Versorger zu sein, der über die gesamte Wertschöpfungskette aktiv ist. In Rüdersdorf baut der Versorger seit Anfang des Jahres in rund 1000 Metern Tiefe einen Kavernenspeicher im Salzgestein, um dort erstmalig 100 Prozent reinen Wasserstoff ein- und auszuspeichern.
Ziel des Forschungsprojektes mit dem Namen HyCAVmobil sei es, grünen, aus erneuerbaren Energien erzeugten Wasserstoff in großen Mengen speicherfähig und bedarfsgerecht nutzbar zu machen, heißt es. Die Erkenntnisse will EWE verwenden, um zukünftig unterirdische Kavernen mit dem 1000-fachen Volumen für die großtechnische Wasserstoffspeicherung zu nutzen.
Schnellladesäulen für McDrive
Gemeinsam mit McDonald’s wird das Tochterunternehmen EWE Go bis 2025 über 1000 Drive-Restaurants mit Ladesäulen für Elektromobilität ausstatten. Zudem sieht der Ende 2020 geschlossene Kooperationsvertrag vor, die Schnellladesäulen mit 100 Prozent Grünstrom zu betreiben. Deutschlandweit sind bereits knapp 100 Schnellladestationen in Betrieb.
"Etwa 65 Prozent der Haushalte unserer Vertriebsregion Brandenburg/Rügen beziehen bereits grünen Strom von EWE, rund 40 Prozent der Kunden beliefere EWE mit CO2-neutralem Erdgas", berichtete Christian Blanck, Vertriebsreferent Region Brandenburg/Rügen, EWE.
Hochlauf bei Photovoltaik
Der Versorger verzeichne in der Region Brandenburg/Rügen eine weiterhin stark gestiegene Nachfrage nach Unterstützung bei der Selbstversorgung mit Photovoltaikanlagen in Kombination mit Stromspeichersystemen. Im Vergleich zum Vorjahr mit 100 verkauften Anlagen hat EWE im Jahr 2020 weitere 160 Anlagen installiert.
Den regionalen Vertrieb insgesamt unterstützt seit vergangenem Herbst die Direktvertriebsgesellschaft EWE DIREKT. "Wir stehen Kunden als regionaler Partner und Ansprechpartner zu Energieprodukten und Dienstleistungen rund ums Zuhause zur Seite", so Christian Blanck. Dies soll auch wieder verstärkt bei Kunden vor Ort stattfinden.
Blockheizkraftwerke im Übergang
Auf dem Weg in die Klimaneutralität braucht es EWE zufolge Übergangslösungen. Die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme in Blockheizkraftwerken (BHKW) sei für das Unternehmen eine Möglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz sinnvoll miteinander zu verbinden.
In den vergangenen Monaten hat EWE vier BHKW in Eberswalde, Finowfurt, Fürstenwalde und Seelow (Nord) erneuert. Anlagen in Petershagen-Eggersdorf und Seelow (Süd) seien kurz vor der Inbetriebnahme. "Aktuell planen wir den Bau von zwei Biogas-BHKW für die Stadtwerke Strausberg und je ein Erdgas-BHKW in Eberswalde und Finowfurt", so Christian Blanck weiter.
Netzausbau für klimaneutrale Gase
Beim Ausbau der Infrastruktur hat die Konzerntochter EWE NETZ vor allem die nach wie vor hohe Nachfrage nach Gashausanschlüssen bedient. "Mehr als 3000 Anschlüsse haben wir im vergangenen Jahr vor allem im Berliner Umland installiert und auch in diesem Jahr ist der Bedarf unverändert hoch", so Jörg Wieczorke, Leiter Region Brandenburg/Rügen, EWE NETZ.
Außerdem baut der Netzbetreiber die Infrastruktur aus, um das neue Heizkraftwerk in Frankfurt (Oder) in das Gasnetz einzubinden. Darüber hinaus werden Hochdruckleitungen saniert und zum Teil erneuert. "Das Gasnetz spielt für die Energiewende eine bedeutende Rolle, denn bereits heute bildet es die Basis für den Transport und die Speicherung von klimaneutralen Gasen", prognostiziert Wieczorke. (jk)
