Von Pauline Faust
Für einen Konzernchef zeigte sich Stefan Dohler am Donnerstag außergewöhnlich selbstkritisch: Der Vorstandsvorsitzende der Oldenburger EWE erklärte auf der Bilanzpressekonferenz für 2024, dass das Unternehmen von den rund 200.000 in der Energiekrise in die Grundversorgung aufgenommenen Kunden kaum einen habe halten können.
Neben preiswerterer Konkurrenz sei auch ein Mangel im Kundenservice ein Grund gewesen: "Wir haben im Servicebereich keinen guten Job gemacht", so Dohler wörtlich. Daran habe man allerdings gearbeitet: "Wir haben den Kundenservice jetzt wieder im Griff, unsere Preise deutlich gesenkt und bieten attraktive Produkte."
Die Verbesserung im Service sei messbar: "Ein Blick auf die großen Vergleichsportale wie Trustpilot, Verivox, Google oder Check24 zeigt: Unsere Bewertungen liegen konstant im Bereich von über vier von fünf möglichen Sternen", erklärte der Vorstand. Auch tiefergehendere Messungen zeigten durchweg positive Trends. Ein Anruf werde im Durchschnitt innerhalb von 10 bis 20 Sekunden beantwortet, schriftliche Anliegen in der Regel innerhalb von zwei Tagen.
EWE sei im Energievertrieb mittlerweile auf einem Vor-Krisenniveau mit rund 500.000 Gaslieferverträgen und 900.000 Stromlieferverträgen, erklärte Dohler.
Wachstumskurs: EWE investiert über eine Milliarde Euro
Der EWE-Konzern ist weiterhin auf Wachstumskurs und schärft sein Profil, dafür wurden im vergangenen Jahr unter anderem das Geschäft in Polen veräußert.
Über 1,3 Milliarden Euro Investitionen flossen in Wachstumsbereiche, wie Windenergie, Elektromobilität und Wasserstoff sowie in den nötigen Ausbau der regionalen Energienetze. Das überwiegend kommunale Unternehmen investierte damit 15,4 Prozent mehr als im Vorjahr (2023: 1,1 Mrd. Euro) – und mehr als doppelt so viel wie im langjährigen Mittel.
Insgesamt blickte der Vorstand der EWE auf eine positive Geschäftsentwicklung im Geschäftsjahr 2024 zurück. So erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz (ohne Strom- und Energiesteuer) in Höhe von 8.681,3 Mio. Euro (2023: 10.005,1 Mio. Euro). Das entspricht einem Rückgang in Höhe von 13,2 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum und ist im Wesentlichen auf eine Normalisierung der Energiepreise zurückzuführen.
Ergebnis: "Übliches Niveau erreicht"
In der Wachstumsphase gewinne neben dem operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (OEBIT) auch das OEBITDA für die Steuerung des Unternehmens an Bedeutung. Diese Kennzahl zeigt das Ergebnis vor Abschreibungen, die in einer Phase anhaltend hoher Investitionen stark ansteigen und somit das OEBIT überproportional belasten. "Mit der Beruhigung der Energiemärkte bewegten sich OEBITDA mit 1.261,4 Millionen Euro und OEBIT mit 631,8 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder in Richtung eines für EWE üblichen Niveaus. Dies wird sich im kommenden Jahr 2025 noch fortsetzen", so Finanzvorstand Frank Reiners. Im Vorjahr habe die hohe Volatilität an den Energiebörsen noch zu einem besonders hohen Handelsergebnis geführt, das sich in außergewöhnlich hohen Werten für OEBITDA (1.642,8 Millionen Euro) und OEBIT (1.027,3 Millionen Euro) niederschlug.
Das Konzern-Periodenergebnis lag mit 918,9 Millionen Euro deutlich über dem Ergebnis des Vorjahres (2023: -541,9 Millionen Euro). "Unser Ergebnis ist stark von der stichtagsbezogenen Bewertung von Derivaten beeinflusst, die nicht kassenwirksam sind", führte Reiners aus." Während diese im Vorjahreszeitraum noch negativ auf das Ergebnis wirkten, gab es im Geschäftsjahr 2024 einen stark positiven Netto-Überhang der Bewertungseffekte ." Zudem hätten auch geringere Wertminderungen das Periodenergebnis positiv beeinflusst.



