Bei Neukundenpreisen hat sich der Strom- und Gaspreissturz im Großhandel längst bemerkbar gemacht. So testen die ersten Anbieter bereits wieder Preise im Strombereich unterhalb der 30-Cent-Marke. Bei Gas wird bisweilen die Zehn-Cent-Grenze unterschritten. Neukundenangebote unterhalb des staatlichen Preisbremsenniveaus sind auf Vergleichsportalen mittlerweile der Normalfall.
Anders stellt sich die Lage in der Grundversorgung dar. Nach Angaben des Leipziger Dienstleisters Get AG sind die Strompreise im bundesweiten Durchschnitt seit Januar sogar leicht gestiegen – von gerundet 53,0 auf 53,2 Cent pro kWh im April. Für die Berechnung wurde ein Jahresverbrauch von 3500 kWh angenommen.
Bis zu 95 Cent pro kWh Strom
In der Gasgrundversorgung ließen die Preise dagegen etwas nach. Kostete die Kilowattstunde Anfang Januar im bundesweiten Durchschnitt noch 18,1 Cent, werden es im April 17,9 Cent sein. Berechnungsgrundlage war ein Jahresverbrauch von 20.000 kWh.
Auch sehr hohe Grundversorgungspreise sind weiterhin im Internet zu finden. So verlangt das Elektrizitätswerk Max Peissker seit 1. November 2022 in seinem kleinen Grundversorgungsgebiet im thüringischen Eichicht 95 Cent pro kWh Strom. Im baden-württembergischen Haslach kostet die Kilowattstunde 89 Cent.
Gaspreissenkung von 34 auf 31 Cent
Die ebenfalls in Baden-Württemberg beheimateten Stadtwerke Neuffen riefen noch zu Jahresbeginn 92 Cent pro kWh Strom auf. Inzwischen wurde das Preisblatt jedoch aktualisiert. Statt 92 Cent kostet die Kilowattstunde Strom rückwirkend zum 1. Januar nur noch 50 Cent. Stadtwerke und Stadt Neuffen ließen eine ZfK-Anfrage unbeantwortet.
Auch im Gasbereich gibt es noch Grundversorgungspreise von mehr als 30 Cent pro kWh – etwa im niederbayerischen Hengersberg und im hessischen Sinntal (jeweils 33 Cent pro kWh). Im baden-württembergischen Altensteig senken die Stadtwerke zum April ihre Kilowattstundenpreise in der Grundversorgung von 34 auf 31 Cent.
Grundversorgung: Strom für 28 Cent pro kWh
Nach wie vor gibt es übrigens auch Grundversorger, die mit ihren Preisen selbst aggressive Discounteranbieter unterbieten. Die Stadtwerke Pfarrkirchen in Niederbayern berechnen beispielsweise weiterhin 28 Cent pro kWh, stellen auf ihrer Homepage aber zugleich klar, dass sie derzeit vorübergehend keine Neukunden außerhalb des eigenen Versorgungsgebiets aufnehmen.
Im brandenburgischen Perleberg verlangt der Grundversorger PVU weniger als neun Cent pro kWh Gas oder genauer 8,46 bis 8,57 Cent pro kWh für Grund- und Heizgasbedarf. Zum 1. Mai passt das Unternehmen seine Preise an. Dann berechnet PVU zwischen 9,03 und 9,14 Cent pro kWh für dieselben Verbrauchsgruppen.
Staatliche Preisbremse als Dämpfer
Wie hoch der Grundversorgungspreis ausfällt, hängt im Wesentlichen von der Beschaffungsstrategie der Unternehmen ab. Im Großen und Ganzen gilt: Wer marktnah beschafft, musste möglicherweise im Winter deutlich stärker erhöhen, kann aber jetzt schon wieder Preise senken. Wer konservativere Strategien fährt und noch teuer eingekaufte Mengen aus dem Vorjahr weitergegeben muss, muss gegebenenfalls seine Preise länger hochhalten oder von niedrigerem Niveau kommend erhöhen.
Grundversorgte Kunden dürften die hohen Preise in der Regel nur teilweise zu spüren bekommen. Staatliche Preisbremsen deckeln zumindest einen Großteil der Mengen bei zwölf Cent pro kWh Gas und 40 Cent pro kWh Strom.
Bundeskartellamt: "Kommen sehr gut voran"
Damit Versorger die Preisbremsenregelung nicht zur eigenen Gewinnsteigerung ausnutzen, kann das Bundeskartellamt Verdachtsfällen nachgehen und bei vorliegendem Missbrauch empfindliche Bußgelder verhängen.
Es sei alles andere als trivial, unter tausenden Versorgern mit verschiedensten Tarifen "die schwarzen Schafe" ausfinding zu machen, antwortete Kartellamtspräsident Andreas Mundt auf ZfK-Nachfrage. "Aber wir kommen sehr gut voran und haben bereits mit der Umsetzung der Missbrauchsverbote begonnen. Insbesondere die Planung von konkreten Ermittlungsmaßnahmen ist bereits weit fortgeschritten." (aba)
Hinweis: Bei den durchschnittlichen Gaspreisen ist der ZfK im ursprünglichen Artikel ein Rechenfehler unterlaufen. Die Werte wurden nun korrigiert.



