Als Grundlage der Nachzahlungsprognose von Techem dienen die Daten des Deutschen Wetterdienstes sowie Preisangaben des Statistischen Bundesamtes.

Als Grundlage der Nachzahlungsprognose von Techem dienen die Daten des Deutschen Wetterdienstes sowie Preisangaben des Statistischen Bundesamtes.

Bild: © nenetus/Adobestock

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist auch im Oktober im Vergleich zum Vorjahr deutlich gewachsen. Das Statistische Bundesamt registrierte anhand vorläufiger Daten einen Anstieg der angemeldeten Verfahren um 22,9 Prozent im Vergleich zum Oktober 2023. Der Trend zeigt seit Monaten nach oben.  

Durch die steigenden Insolvenzen, Kurzarbeit und steigende Neben- respektive Energiekosten ist das Risiko von Forderungsausfällen auch für Kunden der Energie- und Stadtwerkebranche so hoch wie nie, warnt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform auf ZfK-Anfrage. "Risikomanagement ist jetzt das Gebot der Stunde. Die  Energieversorgungsunternehmen müssen ihre Kunden und vor allem das Risiko des Zahlungsausfalls kennen", erklärte Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung und Pressearbeit bei Creditreform.

Überschuldung der Verbraucher könnte sich verschärfen

Creditreform hat in dieser Woche seinen neuesten Schuldner-Atlas vorgestellt, der die Überschuldung von Verbrauchern in Deutschland misst. Laut diesem ist die Überschuldung zwar rückläufig und liegt bei rund 5,5 Millionen Haushalten. Ursächlich für den leichten Rückgang ist aber die enorme Verunsicherung der Verbraucher aufgrund des konjunkturellen Abschwungs.

Mit Blick auf 2025 erwartet Hantzsch, dass sich die Situation bei der Überschuldung in Deutschland verschärfen könnte. Er befürchtet eine erhebliche finanzielle Überlastung derjenigen Verbraucher, die schon heute einen Großteil ihres Einkommens für Lebensmittel, Miete, Versicherungen und Energiekosten aufwenden müssten. Hier drohten vermehrt Ausfälle und auch Insolvenzen bei Unternehmen, da diese mit gravierenden Umsatzeinbußen rechnen müssten. Dies sei ein Teufelskreis.

Creditreform: Erhöhte Nachfragen nach Portfolioanalysen

Zur Illustration verwies er auf die  Nebenkostenabrechnungen eines großen westdeutschen Wohnungsbauunternehmens. 2024 seien dessen Nebenkosten von 50 auf 114 Millionen gestiegen.

"Auch Energieversorgungsunternehmen sind nun in der Pflicht, höhere Rückstellungen für die drohenden Ausfälle zu bilden", so Hantzsch weiter. Creditreform verzeichne eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Portfolioanalysen bei Wohnungsbauunternehmens und Energieversorgern. Ohne diese Informationen dürfte es zukünftig deutlich schwerer werden, drohende Ausfälle zu erkennen.

Deutlicher Anstieg der Nebenkosten

Besonders im Bereich Nebenkosten seien Verbraucher direkt betroffen. Das Einkommen bleibe gleich oder habe sich sogar reduziert, gleichzeitig verdoppelten sich die Nebenkosten und zusätzlich seien künftig höhere Vorauszahlungen wahrscheinlich.  "Die Belastung ist enorm und trifft auch Kunden, die bisher gute Zahler waren". 

„Die derzeitige Insolvenzwelle ist das Ergebnis eines perfekten Sturms aus langanhaltender konjunktureller Schwäche und drastisch gestiegenen Kosten“, ergänzt Steffen Müller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Dieses berichtet in seiner jüngsten monatlichen Analyse zur Entwicklung der Insolvenzzahlen von einem sprunghaften Anstieg der Pleitezahlen im Oktober auf 1.530 Fälle. Zum letzten Mal seien in dem Monat im Jahr 2004 mehr Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert worden. 

"Viele schwächere Unternehmen, die in der Niedrigzinsphase und mit Unterstützung während der Pandemie überlebt haben, stehen nun bei stark gestiegenen Kosten unter massivem Druck", erläutert Müller. "Das treibt nun insbesondere hochverschuldete Firmen in die Insolvenz."

20.000 Firmenpleiten erwartet

Experten hatten nach dem Auslaufen der Corona-Sonderregelungen mit einem Anstieg der Firmenpleiten in Deutschland auf etwa 20.000 Fälle im laufenden Jahr gerechnet. Im Gesamtjahr 2023 hatte das Statistische Bundesamt 17.814 Firmenpleiten gezählt.

Im Zeitraum Januar bis einschließlich August des laufenden Jahres meldeten die Amtsgerichte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 14.403 Unternehmensinsolvenzen. Das waren knapp ein Viertel (rund 23 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein im August gab es 1.764 Fälle und damit 13,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders betroffen war unter anderem das Gastgewerbe. (hoe mit Material der dpa)

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