Helge-Jürgen Beil, Vice President Hydrogen bei Statkraft Deutschland:"Wir brauchen eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für die Wasserstofferzeugung".

Helge-Jürgen Beil, Vice President Hydrogen bei Statkraft Deutschland:"Wir brauchen eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für die Wasserstofferzeugung".

Deutschland gilt für den norwegischen Energiekonzern Statkraft als ein wichtiger Markt für die Produktion und den Vertrieb von grünem Wasserstoff. Vergangenes Jahr hatte das Unternehmen bereits in Emden den Bau eines Elektrolyseurs mit 10 MW angekündigt. Weitere, deutlich größere Vorhaben sind in Planung. Hier rechnet Statkraft mit erheblichen Fördersummen.

Herr Beil, für sein Elektrolyse-Projekt in Emden darf sich Statkraft Hoffnungen auf Zuwendungen aus dem EU-Innovationstopf machen. Warum lässt sich das Vorhaben noch nicht ohne Fördermittel umsetzen?
Beil: Wir rechnen bei den Entwicklungskosten für unseren geplanten 200-MW-Elektrolyseur mit einem erheblichen dreistelligen Millionenbetrag, insbesondere weil auch die Kombination mit einer großskaligen Wärmepumpe ein Novum darstellt. Ein solches Projekt mit erheblichem Innovationsgrad lässt sich noch nicht ohne Förderung realisieren. Vor allem die Kosten für Elektrolyseure sind in den vergangenen Jahren gestiegen. 

Werden die Kosten weiter steigen?

Maßgeblich für die Wirtschaftlichkeit wird auch der Strompreis sein. Produzenten von grünem Wasserstoff unterliegen nach der europäischen Erneuerbaren-Richtlinie regulatorischen Vorgaben, die den Strom für die Elektrolyse verteuern werden. Dieser darf nur aus neu errichteten und möglichst regionalen Anlagen bezogen werden. Zwar gibt es eine Übergangsfrist, aber danach würde dies bedeuten, dass auch in starken Windphasen überschüssiger Strom nicht immer genutzt werden darf, um den Elektrolyseur wirtschaftlich und auch netzdienlich zu betreiben.

Wir können auf ein großes Erneuerbarenportfolio zugreifen und in Emden wird unser 10-MW-Pilot-Elektrolyseur in die Übergangszeit fallen. Bei der Erweiterung des Standorts um den Großelektrolyseur könnten wir von Erleichterungen profitieren - das heißt das Inbetriebnahmedatum der Erweiterung würde mit dem der Erstanlage gleichgesetzt.

Wichtige Abnehmer für den grünen Wasserstoff sieht Statkraft in der Industrie und im Verkehr. Welche regulatorischen Maßnahmen würden das Produkt attraktiver machen?

Wir brauchen eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für die Wasserstofferzeugung. Regulatorisch verteuerter grüner Wasserstoff trifft zum Teil auf wegbrechende Märkte, wie im Transportsektor, und eine begrenzte Zahlungsbereitschaft bei der Industrie. Für angemessene Produktionsstückkosten müssen Wasserstofferzeuger ihre Elektrolyseure mit möglichst vielen Volllaststunden in Abhängigkeit der Strommarktpreise fahren können. Der regulatorische Rahmen muss dies ermöglichen.

Wichtig ist auch, dass allen Marktteilnehmern – auch jenen mit nicht geförderten Projekten – der Zugang zum Wasserstoffkernnetz diskriminierungsfrei möglich ist und sie ihre gesamte Erzeugung einspeisen können.

Wie bewertet Statkraft die finale Gestaltung des Wasserstoffkernnetzes?

Es ist gut, dass das Wasserstoffkernnetz nun genehmigt wurde. Damit dieses rechtzeitig fertiggestellt werden kann, muss der Bau schnellstmöglich beginnen. Wir begrüßen auch, dass es mit der Netzentwicklungsplanung kontinuierlich angepasst werden kann – auch, wenn noch nicht klar ist, wie diese Anpassungen genau erfolgen. Die Wasserstoffkernnetzbetreiber müssen dies genauer erläutern.

Es geht vor allem darum, Leitungen ausreichend zu dimensionieren und sicherzustellen, dass es nicht zu lokalen Clustern kommt, die nicht ausreichend miteinander verbunden sind. Unseren Großelektrolyseur in Emden planen wir zeitlich mit dem Emder Anschluss an das Wasserstoffkernnetz und gehen von einer Realisierung nicht vor dem Jahr 2028 aus. 

Das Interview führte Artjom Maksimenko

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