Die Gaspreise im Kurzfristmarkt sind zuletzt massiv geschwankt.

Die Gaspreise im Kurzfristmarkt sind zuletzt massiv geschwankt.

Bild: © Marihan Murat/dpa

Die Neukunden müssen beim Abschluss eines Gasliefervertrags rund 25 Prozent mehr bezahlen als noch vor zwei Monaten. Nach einer Analyse des Preisvergleichsportals Verivox zahlte ein Haushalt mit einem jährlichen Gasverbrauch von 20.000 kWh im März im bundesweit günstigsten Tarif durchschnittlich 6,5 Cent/kWh.

"Trotz des sommerlichen Wetters gehen wir davon aus, dass die Großhandelspreise für Erdgas und damit auch die Angebote für Haushalte eher steigen als sinken werden", sagte Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Viele Gründe für den Preisanstieg

Die Gründe für diese Preisentwicklung sind vielfältig. Aktuell liegt das günstigste Angebot mit einem Vertrag mit zwölfmonatiger Preisgarantie im Bundesschnitt bei rund 8,1 Cent/kWh. Der zentrale Grund dafür sei die Rückkehr zum vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent ab April 2024. Das führte zum Gaspreisanstieg um etwa 11 Prozent. Nach dem Rückgang der Großhandelspreise seit Jahresbeginn auf etwa 2,5 Cent/kWh erholen sich die Preise wieder.

Aktuell liegt der Preis mit rund 3,4 Cent/kWh deutlich über der Prognose von 3 Cent/kWh der Internationalen Energieagentur. Die IEA hatte im April für den europäischen Großhandel mit Erdgas im Jahr 2024 einen durchschnittlichen Preis von knapp unter 3 Cent/kWh prognostiziert. Ab 1. Juli steigt nun eine weitere Preiskomponente deutlich. Die für das deutsche Gasmarktgebiet verantwortliche Trading Hub Europe (THE) hebt die Gasspeicherumlage von 0,186 Cent/kWh auf 0,25 Cent/kWh an. Für einen Musterhaushalt mit 20.000 kWh jährlich bedeute das Mehrkosten von brutto 15 Euro jährlich.

Großhandelspreise prägen Neukundenkontrakte

Ende Mai hatte der Großhandelspreis sein Fünf-Monats-Hoch erreicht und Experten gehen davon aus, dass die bullishe Tendenz anhalten wird. Denn während die Wartungsarbeiten an den norwegischen Förderstätten zeitlich begrenzt sind, können globale Herausforderungen, wie Russlands Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur, noch lange andauern.

Wegen der anziehenden Nachfrage in China sowie steigendem Kühlungsbedarf und Einspeicherungsnachfrage in Asien haben auch die LNG-Gaspreise am asiatischen JKM zuletzt den höchsten Stand seit fünf Monaten erreicht.

Diese Entwicklung verändert nun auch die Vertriebsstrategie der Energieversorger. Während die Energieanbieter für ihre Neukunden noch deutlich günstigere Tarife bieten konnten als die Konditionen für Bestandskunden, dreht sich das Blatt: Für Neukunden wird Erdgas wieder teurer als noch vor einigen Monaten. Das Preisniveau bleibe jedoch weiterhin weit von den Höchstpreisen entfernt, die die Energiebranche während der Beschaffungskrise erleben musste, vernahm die ZfK von den Experten im Handelsbereich. (am)

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