Der Füllstand der deutschen Gasspeicher steigt weiter nur langsam, aktuell liegt er bei rund 57 Prozent. Anfang der Woche hat der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) auf die historischen Tiefstände reagiert und sogenannte Long-Term-Options (LTOs) ausgeschrieben. Mit diesem Regelenergieprodukt kaufe THE weit im Voraus das Recht, im Winter bei Bedarf Gas abzurufen. "Wer eine LTO gewinnt, muss im Abruffall liefern können", sagt der ZFK-Kolumnist und Gasmarktexperte Joachim Endress. In der Praxis heiße das: Gas im Speicher halten oder anderweitig Flexibilität absichern. Mit dem Leistungspreis werde dieses Vorhalten vergütet.
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So funktionieren die Ausschreibungen
Die geplante Ausschreibung umfasst für die Monate des ersten Quartals 2027 insgesamt 14,35 Gigawattstunden pro Stunde (GWh/h). "Die Bieter, die den Zuschlag erhalten, müssen dann diese Energie vorhalten", erklärt Endress. Die Vorhaltung gelte pro Monat für höchstens 14 Tage. Das ergebe in Summe pro Monat rund 4,8 Terawattstunden (TWh) und insgesamt 14,4 TWh. "Dies ist die gleiche Menge, die THE auch für das erste Quartal 2026 ausgeschrieben hatte", verdeutlicht Endress. Der Gasverbrauch an einem kalten Wintertag in Deutschland liege bei rund fünf Terawattstunden.
Wie im abgelaufenen Jahr werde es auch eine Sonderausschreibung für LTOs für den Zeitraum 1. Februar bis 15. März geben. Diese umfasse über mehrere Lose und Gebiete insgesamt 36,3 GWh/h. Die ausgeschriebene Stundenleistung bleibe gegenüber der Sonderausschreibung vom letzten Winter ebenfalls konstant; nur die Anforderung an die maximale Anzahl der Abruftage erhöhe sich von sieben auf 14, so der Gasmarktexperte weiter. Damit erhöhe sich die ausgeschriebene Gesamtsumme von 6,1 TWh im vergangenen Jahr auf diesmal insgesamt 9,7 TWh.
Ob das reichen wird, entscheidet letztlich das Wetter.
"Insgesamt hatte ich erwartet, dass über mehrere Tage hinweg mehr Leistung und mehr Menge ausgeschrieben würden. Ob das reichen wird, entscheidet letztlich das Wetter", ordnet Endress ein. Der Schritt der THE war nach entsprechenden Meldungen in der vergangenen Woche erwartet worden.
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Das Volumen liege unter den Markterwartungen und führt zu einer Neubewertung des Spreads zwischen dem Terminprodukt für das vierte Quartal 2026 und dem Terminprodukt für das erste Quartal 2027, heißt es auch in einem Marktbericht des Preisinformationsdienstes ICIS. Addiere man die spezielle und die traditionelle Ausschreibung, ergibt sich ein Gesamtvolumen von bis zu 24,1 TWh, das THE kontrahieren könnte. Das liegt deutlich unter den Erwartungen von rund 50 TWh, die in der vergangenen Woche von einigen Medien veröffentlicht worden waren.
Deutlich höhere Kosten sind wahrscheinlich
Ein Marktteilnehmer bezeichnete laut dem ICIS-Bericht die Nachricht von THE als "free lunch" für Händler mit bereits eingespeichertem Gas. Das bedeutet sinngemäß: Eine möglicherweise besonders günstige Gewinnchance ohne nennenswertes zusätzliches Risiko. Der Händler erwartete jedoch nicht, dass die Ausschreibungen zu großen Volumina neuer Einspeicherungen führen würden.
THE hatte in der letzten Periode für die Vorhaltung der LTOs insgesamt schätzungsweise knapp 60 Millionen Euro bezahlt. "Aufgrund des aktuell hohen Preisniveaus und der Risiken steigender Preise ist nun davon auszugehen, dass dies diesmal deutlich teurer wird", prognostiziert Endress.
Wie viele neue Einspeicherungen werden wirklich angereizt?
"LTOs sind in erster Linie ein Instrument zur Sicherstellung der System- und Versorgungssicherheit beziehungsweise zur Unterstützung des Marktgebietsmanagements und weniger ein klassisches Finanzderivat, das aktiv am Markt gehandelt wird", erklärte ICIS-Analyst Florian Boehnke auf ZFK-Anfrage. Wenn diese Optionen ausgeübt würden, dann geschähe dies bestimmt in einem sehr teuren Marktumfeld.
Laut ICIS wird THE möglicherweise nicht das gesamte Volumen kontrahieren. Noch unsicherer sei, welcher Anteil der kontrahierten Mengen anschließend tatsächlich abgerufen werde. "Die Struktur der LTOs dürfte daher sehr viel eher das Muster der Ausspeicherungen in Deutschland verändern, als tatsächlich zu großen Volumina neuer Einspeicherungen zu führen", heißt es weiter.
THE reagiert auf aktuelle Lage und zieht eine Ausschreibung vor
LTO-Ausschreibungen würden von THE regelmäßig durchgeführt, schreibt eine Sprecherin des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie auf ZFK-Anfrage. Damit werde auch der sichere Netzbetrieb unabhängig von der marktlichen Speicherbefüllung sichergestellt. "Durch die Sonderausschreibung soll sichergestellt werden, dass auch in Hochlastszenarien lokale Regelenergiebedarfe gedeckt werden können", betont die Sprecherin. Wegen der aktuellen Situation finde die Sonderausschreibung früher als in den vergangenen Jahren statt.
Bei der VKU-Verbandstagung hatte BMWE-Staatssekretär Frank Wetzel noch einen durchschnittlichen Füllstand der Gasspeicher von 70 Prozent als Ziel bezeichnet. Der ICIS-Analyst hält das Erreichen dieser Zielmarke derzeit für eher unrealistisch. ICIS rechnet damit, dass der deutsche Speicherfüllstand seinen Höchststand von rund 64 Prozent im November erreichen wird.
Ministerium relativiert Zielvorgabe von 70 Prozent
Aufgrund der Schaffung einer zusätzlichen LNG-Infrastruktur sei die Füllstandsvorgabe in Deutschland im Mai 2025 auf rund 70 Prozent abgesenkt worden, relativiert die BMWE-Sprecherin gegenüber der ZFK. Seitdem habe sich die Versorgungslage weiter verbessert. Außerdem sei der Füllstandswert von 70 Prozent flexibel auszulegen und müsse vor dem Hintergrund der allgemeinen Versorgungslage betrachtet werden.
"Eine bestimmte erreichte Füllstandsquote der Gasspeicher gibt nicht an, ob die Versorgung gesichert ist", so die Sprecherin. Es sei vielmehr eine Gesamtbetrachtung der Versorgung erforderlich. Dazu gehörten neben den verfügbaren Speichermengen laufende Importe und hier insbesondere LNG-Importe, die Nachfrageentwicklung sowie die Situation auf den europäischen und internationalen Märkten.
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84 Prozent der Speicherkapazitäten sind gebucht
Die Märkte gingen derzeit erkennbar davon aus, dass die Bedarfe erfüllt werden könnten – auch im bevorstehenden Winter. Für einen Versorgungsengpass gebe es keine Anzeichen. Dass der staatliche Gasimporteur SEFE seine Aktivitäten zur Befüllung der Speicher verstärken wolle, begrüße das BMWE ausdrücklich.
Besonders die für die Versorgung wichtigen Kavernenspeicher lägen bei über 80 Prozent, zum Teil bei über 90 Prozent. In den letzten Tagen seien erneut Speicherkapazitäten erfolgreich vermarktet worden. Die Speicher seien jetzt zu 84 Prozent gebucht.
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