Der durchschnittliche Füllstand über alle deutschen Gasspeicher liegt aktuell bei rund 57 Prozent. Das ist weiterhin historisch tief für diese Jahreszeit. In Süddeutschland ist die Situation deutlich kritischer als im Nordwesten respektive Nordosten. Dies könnte bei ungünstigen Wetterbedingungen, etwa längeren Dunkelflauten im Winter, zu einem Problem für die gasbasierte Stromversorgung im Süden Deutschlands führen, mahnt Energiemarktexperte Majid Kübler, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Team Consult, in der aktuellen Ausgabe seines Newsletters "Energiemarktradar".
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In Bayern und Baden-Württemberg beträgt nach seinen Angaben die installierte Leistung der Gaskraftwerke circa 8,5 Gigawatt (GW). "Sollte dies in hohem Maße gleichzeitig benötigt werden, müssten kurzfristig circa 17 Gigawattstunden pro Stunde bereitgestellt werden", verdeutlicht Kübler. Bei einer Dunkelflaute mit einer Dauer von sieben Tagen würden circa drei Terawattstunden (TWh) allein für die Stromversorgung benötigt.
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Die Situation in Süddeutschland hat sich mittlerweile eher verschärft.
Majid Kübler
Geschäftsführer Team Consult
"Um das Risiko einzuschätzen, ist es ganz gut, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen", so Kübler weiter. Im Jahr 2012 habe in Süddeutschland die reale Gefahr bestanden, dass Gaskraftwerke wegen einer Gasknappheit abgeregelt werden müssen. Auslöser sei eine lang anhaltende Kälteperiode, die sich von Sibirien über ganz Europa erstreckte. "Eine Wiederholung einer solchen Wettersituation ist immer möglich", ist der Experte überzeugt.
Im Unterschied zu 2012 werde die residuale Stromversorgung in Süddeutschland mittlerweile fast ausschließlich durch Gaskraftwerke sichergestellt. "Insofern hat sich die Situation eher verschärft, wenn es zu außergewöhnlichen Kälteperioden kommt, die nicht selten zeitlich auch mit Dunkelflauten einhergehen", führt er weiter aus. Die Tatsache, dass der Trading Hub Europe jetzt für das erste Quartal große Mengen an sogenannten Long-Term-Options (LTOs) ausgeschrieben habe, zeige, dass auch der Marktgebietsverantwortliche hier mittlerweile ein erhöhtes Risiko sehe.
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Füllstand der süddeutschen Speicher im Schnitt bei 31 Prozent
In Süddeutschland liegt der durchschnittliche Füllstand der Speicher laut Kübler derzeit nur bei 31 Prozent. Bis zum 1. November lasse sich unter optimalen Bedingungen im besten Fall für diese Region noch ein Füllstand von 65 Prozent erreichen. Angesichts der geringen Mengen, die in Süddeutschland in den vergangenen drei Wochen eingespeichert wurden und auch aufgrund der wenig attraktiven Preisspreads ist das aber wenig wahrscheinlich.
Beim Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie reagiert man offiziell noch vergleichsweise gelassen auf die Situation. Die Füllstände der Speicher in Deutschland würden derzeit deutlich niedriger liegen als in den Vergleichszeiträumen vergangener Jahre, so die Pressestelle des Ministeriums auf ZFK-Anfrage. Die Bewertung der Versorgungssicherheit sei jedoch immer von zahlreichen Faktoren abhängig und könne nicht allein aufgrund der Gasspeicherfüllstände zu einem bestimmten Zeitpunkt erfolgen. Gerade die relativ neu hinzugekommenen LNG-Importmöglichkeiten hätten die Versorgungsstruktur in Deutschland verändert und könnten die Aufgaben der Speicher gut ergänzen, aber nicht komplett ersetzen.
Österreichische Speicher werden künftig noch wichtiger
Für die Versorgung der Verbraucher in Süddeutschland, zu denen auch Gaskraftwerke gehören, seien neben den bayerischen Speichern auch die deutlich größeren Speicher 7Fields und Haidach in Österreich entscheidend, heißt es weiter. Diese sind direkt an das bayerische Fernleitungsnetz angeschlossen und weisen eine sehr große Speicherkapazität auf.
"Die Speichersituation in Haidach und 7Fields ist deutlich besser, aber auch diese werden voraussichtlich bis Anfang November nicht mehr als 70 Prozent gefüllt sein", ergänzt Majid Kübler.
Freistaat setzt sich für Erhalt von Breitbrunn und Wolfersberg ein
Erschwerend kommt perspektivisch hinzu, dass die Betreiber der bayerischen Speicher in Breitbrunn und Wolfersberg aus wirtschaftlichen Gründen die Stilllegung Ende März beziehungsweise Ende April nächsten Jahres beantragt haben. Eine Entscheidung der Bundesnetzagentur steht hier noch aus.
"Die Bayerische Staatsregierung ist am Verfahren nicht beteiligt, setzt sich aber klar für den Erhalt dieser beiden Speicherstätten ein", verdeutlicht ein Sprecher des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. Gerade mittel- und langfristig werde der Freistaat die beiden Speicherstandorte im Hinblick auf zusätzliche Bedarfe für neue Gaskraftwerke sowie die Transformation zu Wasserstoff brauchen.
Warum eine Stilllegung der beiden Speicher kritisch wäre
Eine Stilllegung der beiden Speicher bewertet auch Experte Kübler für die zukünftige Situation in Süddeutschland als eher kritisch. "Gerade im Süden sollen neue Gaskraftwerke ausgeschrieben werden", ordnet er ein. Der kurzfristige Kapazitätsbedarf werde dadurch vorübergehend eher steigen. Generell geht er davon aus, dass die Speicher in Österreich, Tschechien und der Slowakei zukünftig für Süddeutschland wichtiger werden. Alle drei Länder verfügten über Speicherkapazitäten, die den gesamten Winterbedarf dieser Länder übertreffen.
Einspeichertempo ist zurückgegangen
Das Einspeichertempo in Deutschland ist laut Kübler in der vergangenen Woche sogar zurückgegangen. Das hänge mit der ungünstigen Entwicklung der Preisspreads zusammen. Die aktuelle Marktsituation setze eher Anreize für Händler, die bereits Gas eingespeichert haben, dieses am kurzfristigen Markt zum aktuellen Spotpreis zu verkaufen und sich für das erste Quartal über den Handelsmarkt durch ein Gegengeschäft zu einem günstigeren Forward-Preis wieder abzusichern.
Unter den aktuellen Marktbedingungen geht Kübler nicht mehr davon aus, dass die Füllstandsziele für Deutschland bis zum 1. November erreicht werden. Seine Prognose: Wenn man die durchschnittlichen Einspeicherungen der letzten Wochen zugrunde lege, dürfte sich das Füllstandsniveau in der Nähe von 65 Prozent einpendeln.