
Im Interview: SWK-Vorstand Arvid Blume
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Vor dem Hintergrund steigender technischer Anforderungen haben sich 2018 Versorger in der Region um Kaiserslautern dazu entschlossen, ein Netzwerk zu gründen.
Die Partner unterstützen sich gegenseitig bei Not- und Störfällen. Dabei geht es weniger um reguläre Rufbereitschaftseinsätze, sondern darum, dass sich das Netzwerk im Falle von großen Störungen und Notfällen unterstützt. Nämlich dann, wenn das Personal oder die verfügbaren Betriebsmittel der Kooperationspartner die Situation nicht bewältigen können.
Mittlerweile zählen elf Energieversorger aus der Region zu dem Kompetenznetzwerk. Im Interview berichtet der Vorstand der Stadtwerke Kaiserslautern (SWK), Arvid Blume, wie sein Unternehmen von dem Kompetenznetzwerk profitiert.

Aus dem Netzwerk (v.l.): Bernd Bohn, Stadtwerke Kusel, Steffen Albert, Stadtwerke Grünstadt, Martin Gödel, Stadtwerke Neustadt an der Weinstraße, Arvid Blume, Stadtwerke Kaiserslautern Versorgungs-AG, Oliver Lellek, EWR Netz, Werner Brennemann, Stadtwerke Zweibrücken, Jürgen Bach, Biosphären-Stadtwerke, Robert Grajcarek, EnergieSüdwest Netz, Jürgen Böhnlein, Stadtwerke Grünstadt, Frank Barbian, Stadtwerke Homburg.
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Wie profitieren die Mitglieder im Netzwerk von der Kooperation?
Grundsätzlich findet ein enger und regelmäßiger Austausch zwischen den Unternehmen statt. So können alle Unternehmen gegenseitig von den Erfahrungen profitieren und Fachkompetenz bündeln.
Konkret hat unsere SWK in der Vergangenheit sowohl selbst von dem Netzwerk profitiert, als auch Hilfe geleistet. So haben wir beispielsweise ein anderes Stadtwerk unterstützt, als aufgrund eines Schadens an einer Freileitung zu einem Wasserwerk dringend ein Notstromaggregat sowie eine mobile Tankanlage benötigt wurde, die dann auch mehrere Tage im Einsatz war.
Wo konnten Sie Unterstützung annehmen?
Bei einem Schadensfall im Bereich unserer Betriebsführungen haben wir von dem Netzwerk profitiert. Wir benötigten dringend Material, das aufgrund seiner technischen Spezifikationen am Markt nicht zu beschaffen war. Hier hat uns ein Unternehmen des Netzwerks kurzfristig aus dem eigenen Lagerbestand ausgeholfen. In beiden Fällen konnte durch die gegenseitige Unterstützung die Versorgung kurzfristig wieder gesichert werden.
Wie sehr fordern zunehmende Extremwetterereignisse die beteiligten Stadtwerke?
Hitzewellen, Starkregenereignisse, Hochwasser, Hagel oder Sturm – lokale Extremwetterereignisse als eine Folge des menschengemachten Klimawandels treten immer häufiger auch in unserer Region auf und das in gesteigerter Intensität. Diese Ereignisse sind immer auch eine Gefahr für die gesamte Netzinfrastruktur.
Der Strom beispielsweise wird in Deutschland über weite Strecken transportiert. Dazu braucht es Freileitungen, Erdkabel sowie alle dazugehörigen Einrichtungen wie Schalt- und Umspannwerke. Extremwetterereignisse stellen für den Betrieb und die Sicherheit der Stromnetze eine große Herausforderung dar.
Wie sieht es im Bereich der Wasserversorgung aus?
Längere Hitzewellen, Trockenperioden oder Starkregenereignisse sind eine große Herausforderung für die Trinkwasserversorgung. Die klimabedingten hydrologischen Extremwetterereignisse wirken sich ganz unterschiedlich auf die einzelnen Rohwasserressourcen aus. Das führt dazu, dass gezielt lokale Maßnahmen geprüft und getroffen werden müssen.
Das bedeutet konkret, dass Wasserversorgungsmodelle in Zukunft immer wieder angepasst werden müssen. Auch die Wasserqualität kann sich bei Dürren oder Starkregen ändern. Trinkwasser ist ein hohes Gut, das mit Recht strengen Auflagen unterliegt. Der Klimawandel zeigt uns deutlich, dass wir den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen noch mehr vorantreiben müssen. Energie muss nachhaltig und gleichzeitig bezahlbar sein. Nicht zuletzt hat uns auch die Energiekrise deutlich gemacht, dass wir dringend für mehr Diversität in der Energieversorgung sorgen müssen.
Welche konkreten Maßnahmen treffen Sie, um besser auf Extremwetter vorbereitet zu sein?
Eine ständige Optimierung der Netze und deren Resilienz ist eine zentrale Aufgabe. Wir investieren beispielsweise kontinuierlich in die Optimierung der Netzstabilität. Wir prüfen den Einsatz digitaler Technologien, die zu deutlich mehr Systemflexibilität beitragen können und so die Resilienz fördern. Wir schaffen Redundanzen, wo sinnvoll und möglich.
Im Bereich erneuerbarer Energien haben wir eigenes Know-how aufgebaut und wollen in Zukunft für die Region und darüber hinaus neue Anlagen projektieren und bauen. Denn aufgrund der Dezentralität bieten diese mehr Chancen der Anpassung und Resilienz. Es geht uns darum, mehr Diversität in der Energieversorgung zu schaffen, um unabhängiger bei Extremwetterereignissen reagieren zu können
Außerdem haben wir auch unser Grundwasserbewirtschaftungskonzept an die neuen Bedingungen angepasst. Mit dem Wasserzweckverband haben wir im Bereich der Trinkwasserversorgung ein Netzwerk geschaffen, dass sich gegenseitig bei der sicheren Trinkwasserversorgung unterstützt.
Was sind wichtige Learnings aus der bisherigen Zusammenarbeit?
Wir profitieren alle davon, dass wir kurze Wege aufgebaut haben. Denn in einem Schadens- oder Krisenfall ist es ein entscheidender Vorteil, wenn Ansprechpartner, Know-how und Kompetenzen leicht zugänglich sind. Hier macht der persönliche Kontakt den Unterschied aus. Wir haben uns im Netzwerk gegenseitig in die Pflicht genommen.
Aus der bisherigen Zusammenarbeit heraus, hat sich ein komplett anderes Verständnis entwickelt. Prinzipiell waren wir alle erst einmal nur Konkurrenten am heiß umkämpften Energiemarkt. Aber durch das Miteinander im Kompetenznetzwerk können wir für die Region mehr leisten. Die Qualität der Versorgungssicherheit wird definitiv weiter gesteigert. Außerdem haben sich durch diese Kontakte auch weitere Kooperationen ergeben.
Sie reden also nun mehr miteinander?
Die Zusammenarbeit im Rahmen des Störhilfeabkommens wurde beispielsweise im Hinblick auf ein Krisenmanagement ausgeweitet. Hier gibt es bei SWK schon eine feste Struktur, die im Netzwerk vorgestellt wurde. Die Krisenmanagementbeauftragten der beteiligten Unternehmen treffen sich ca. dreimal pro Jahr. Hierbei werden die Schwerpunkte auf die technischen Spezifikationen jedes Unternehmens gelegt, also ganz konkret, welches Fachpersonal und welche technischen Möglichkeiten vorhanden sind. Diese Ergebnisse werden dann im Störhilfeabkommen festgehalten.
Größere Stör- oder Schadensfälle werden gemeinsam besprochen, bewertet und Lösungsansätze für die Zukunft diskutiert. Hier kann jedes Unternehmen auch aktuelle Besonderheiten, Fragen oder individuelle Herausforderungen, gleich in welcher Sparte, platzieren. Unternehmensweit werden dann entsprechende Kontakte zu verantwortlichen Fachkräften vermittelt, die zu einer Lösung beitragen können. Auch Erfahrungen zu Krisenübungen oder möglichen Qualifizierungen werden ausgetauscht.
Das Interview führte Pauline Faust.



