Ralf Libuda seinen Posten als Geschäftsführer der Stadtwerke Gütersloh zum Monatsende auf. Er habe den Aufsichtsratsvorsitzenden Henning Matthes über den Wunsch informiert, seinen Dienstvertrag vorzeitig zu beenden, teilt die Stadt Gütersloh mit.
Der Vertrag von Libuda, dessen Vertrag zuletzt Anfang 2021 verlängert worden war, lief regulär bis 2026. Die Geschicke der Gütersloher Stadtwerke leitete er seit 2012. Nun wolle er sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen, heißt es in der Pressemitteilung. „Mit dieser Situation werden die Gesellschafter, die Stadt Gütersloh und die Stadtwerke Bielefeld GmbH nun umgehen“, so Matthes.
Offene Fragen bleiben
Außer dem Wunsch Libudas, sich "neuen beruflichen Herausforderungen" stellen zu wollen, nennen die Stadtwerke Gütersloh keine weiteren Gründe für den vorzeitigen Abschied des Geschäftsführers. Das lässt Raum für Spekulationen: zuletzt stand der Versorger nämlich öfters in den Schlagzeilen der lokalen Medien. Zuletzt wurde die Unternehmensführung der Stadtwerke für den verlustreichen Abschluss eines Stromliefervertrags mit Bertelsmann kritisiert. Der Schaden soll Medienberichten zufolge in Millionenhöhe gehen.
Für die Analyse von den möglichen Verstößen hatte der Aufsichtsrat juristische und wirtschaftliche Prüfungen in Auftrag gegeben. "Die Stadt Gütersloh und die Stadtwerke Bielefeld GmbH als Gesellschafterinnen der Stadtwerke Gütersloh GmbH sind über die laufenden Prüfungen bei den Stadtwerken Gütersloh informiert", sagte dazu Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister der Stadt Gütersloh, Henning Matthes, auf ZfK-Anfrage. Zu den Einzelheiten wollte er sich nicht äußern. Nur so viel: "Unser Ziel ist es, aufzuklären und sicherzustellen, dass die Stadtwerke Gütersloh bestmöglich aufgestellt sind". Ob ein Zusammenhang zwischen der jüngsten Untersuchung und Libudas Demission besteht, ist unklar.
Diskussionen über Anteile
Auch die Gesellschafterverhältnisse bei den Stadtwerken Gütersloh waren in den vergangenen Monaten oft ein Thema in den Medien. In der Lokalpolitik war über einen Rückkauf der Anteile von den Stadtwerken Bielefeld diskutiert worden, auch weil man sich offenbar ein stärkeres finanzielles Engagement des bisherigen Partners gewünscht hatte. Die Stadtwerke Bielefeld halten an dem Gütersloher Kommunalversorger eine Beteiligung von 49,9 Prozent.
Hierzu hatte der Bielefelder Stadtwerkegeschäftsführer Martin Uekmann bei der Bilanzpressekonferenz im September klar Stellung bezogen. "Ein Rückkauf ist nicht Gegenstand des derzeitigen Strategieprozesses", heißt es dazu auf Anfrage. Ziel sei es vielmehr, die Partnerschaft weiter zu leben und die Stadtwerke Gütersloh "insbesondere in diesen herausfordernden Zeiten dabei zu unterstützen, auch zukünftig den Gütersloher Bürgerinnen und Bürgern sichere und bezahlbare Energie liefern zu können". (am)
