Maik Render ist Sprecher des Vorstands des Nürnberger Kommunalversorgers N-Ergie und verantwortet dort den Bereich Markt und Technik.

Maik Render ist Sprecher des Vorstands des Nürnberger Kommunalversorgers N-Ergie und verantwortet dort den Bereich Markt und Technik.

Bild: © Torsten Hönig

Von Artjom Maksimenko

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024 hat N-Ergie, die in diesem Jahr ihr 25-Jähriges feiert, ein Ergebnis deutlich unter dem Vorjahresniveau erzielt. Das Ergebnis sank von 304,5 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 180,2 Millionen Euro.

"Nach ihrem Rekordergebnis 2023, das im Wesentlichen auf genutzten Chancen im Zuge der Energiekrise fußte", gingen die Erlöse der N-Ergie 2024 erwartungsgemäß zurück, sagte Vorstandssprecher, Maik Render, bei der Vorstellung der Bilanzzahlen.

Stärkung der Eigenkapitalquote

Entsprechend geringer fiel auch die Gewinnabführung an die kommunalen Anteilseigner Thüga und die Städtischen Werke Nürnberg aus. Sie erhielten entsprechend 86,4 und 25 Millionen Euro. Wichtig für N-Ergie: 63 Millionen aus dem Ergebnis 2024 verbleiben im Unternehmen. Die thesaurierten Mittel würden die Eigenkapitalquote stärken und seien notwendig, "um den immensen Finanzbedarf in den kommenden Jahren durch Aufnahme von Fremdkapital decken zu können", sagte Render. Er selbst bleibt als N-Ergie-Chef bis mindestens 2031. Der Aufsichtsrat des kommunalen Versorgers hat den Vertrag des Energiemanagers vor wenigen Tagen um weitere fünf Jahre verlängert. Renders neuer Vertrag läuft damit  bis 2031.

Denn die Stärkung der Eigenkapitalquote sei die Mindestgrundlage für die Verdreifachung der Investitionen in die regionale Energiewende. Allein in das Stromnetz wolle N-Ergie bis 2030 etwa 1,3 Milliarden Euro investieren. In die Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung sowie den Ausbau des Wärmenetzes seien bis 2040 weitere 1,6 Milliarden Euro notwendig, sagte der Vorstandssprecher.

Verglichen mit dem Vorjahr steigerte N-Ergie ihre Investitionen in Sachanlagen 2024 um 37,7 Prozent, bis 2027 sei sogar eine Verdreifachung vorgesehen. "Die Banken erwarten, dass die Anteilseigner sich zu den Investitionen bekennen und wir sind froh und dankbar, dass wir 63 Millionen in unserem Hause behalten dürfen."

Großkundenvertrieb mit guter Performance

Die stärksten Umsatzrückgänge in der Bilanz gab es bei Erdgas- und Stromabsatz. Bei Gas ging es im Vorjahresvergleich um rund 300 Millionen Euro auf 1,37 Milliarden zurück. Bei Strom sank der Umsatz von 4,18 Milliarden auf 3,48 Milliarden Euro.

Mit der Entwicklung der Bereiche Vertrieb und Kundenservice gab sich das Unternehmen trotzdem zufrieden. Im Privatkundengeschäft konnte der Versorger die Zufriedenheitswerte steigern. Im Großkundengeschäft konnte der Versorger 97 Prozent aller Verträge mit Industriekunden für 2025 verlängern. "

Energiewirtschaft "in zwei Welten"

Derzeit bewege sich Deutschland in der Welt der konventionellen Energieträger und bezahlt Gasrechnungen in Höhe von bis zu 80 Milliarden Euro. Parallel dazu laufe der Ausbau der Erneuerbaren auf Hochtouren, und "wir wären als Industrienation gut beraten, weiter in die Erneuerbaren und die Stromnetze zu investieren", sagte Render. Die Ausgaben in diesen zwei Welten laufen allerdings parallel und es sei an dieser Stelle wichtig, "auch ehrlich und transparent zu zeigen, dass die Energiewirtschaft bei diesen Kosten nicht bei null rauskommen" werde.

Doch der Weg ist der genau richtig. "Unser Appel an die Bundesregierung ist, zumindest für auskömmliche Renditen im Netz zu sorgen." Derzeit liegen laut Render die durchschnittlichen Stromnetzrenditen bei etwa sieben Prozent, in der Spitze seien es sogar zehn Prozent. Deutschland hingegen ist mit fünf Prozent Eigenkapitalverzinsung das viertschlechteste Land in Europa: "Das ist nicht förderlich für den Ausbau unseres Stromsystems." Denn so würden die Investitionen ausgebremst oder gar gestrichen.

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