Bei der Bilanz-Pressekonferenz der GGEW AG: Uwe Sänger, technischer Bereichsleiter und Prokurist; Florian Grob, Leiter Erneuerbare Energien; Michael Lomitschka, kaufmännischer Bereichsleiter und Prokurist; Carsten Hoffmann, Vorstand; Susanne Schäfer, Bereichsleiterin Marketing & Kommunikation; Rainer Babylon, Bereichsleiter Vertrieb & Services und Prokurist (v. l.)

Bei der Bilanz-Pressekonferenz der GGEW AG: Uwe Sänger, technischer Bereichsleiter und Prokurist; Florian Grob, Leiter Erneuerbare Energien; Michael Lomitschka, kaufmännischer Bereichsleiter und Prokurist; Carsten Hoffmann, Vorstand; Susanne Schäfer, Bereichsleiterin Marketing & Kommunikation; Rainer Babylon, Bereichsleiter Vertrieb & Services und Prokurist (v. l.)

Bild: © GGEW

Bündelprodukte haben noch Seltenheitswert im Produktspektrum deutscher Stadtwerke. Der hessische Energiedienstleister GGEW hat im Oktober die "GGEWinner-Kombi" eingeführt und verzeichnet damit erste Erfolge. Das Bündelprodukt richtet sich in erster Linie an Bestandskunden: Wer bereits einen GGEW-Stromvertrag besitzt, kann diesen jetzt mit einer günstigen Internet- und Telefon-Flatrate kombinieren.

In den ersten vier Monaten konnten über 500 Neuverträge abgeschlossen werden, GGEW-Vorstand Carsten Hoffmann spricht von dem "erfolgversprechendsten Produkt" im aktuellen Vertriebsportfolio. Ursprünglich hatte das Unternehmen die Einführung einer Flatrate geprüft, sich aus wirtschaftlichen Gründen aber zunächst für das Kombiprodukt entschieden.

Großes Interesse bei den Silversurfern

Internet und Festnetz-Telefonie werden je nach Bandbreite ab einem Preis von 29,99 Euro im Monat angeboten. Auch HD-Fernsehen von waipu.tv kann hinzugebucht werden. Die Breitband- und Telekommunikationsdienstleistungen stellt die GGEW AG über ihre Tochter GGEW net bereit. Unter den bisherigen Kunden des Kombiprodukts befinden sich viele langjährige GGEW-Kunden, aber auch zahlreiche Neukunden, darunter viele Silversurfer im Alter 50 plus. Obwohl der Buchungsprozess für das Produkt komplett digital angeboten wird, hat sich das Gros der Kunden im Servicezentrum des Unternehmens dazu beraten lassen. "Es braucht seine Zeit bis Kunden Telekommunikationsdienstleistungen mit einem Energieversorger in Verbindung bringen", so Hoffmann.

"Wir lernen mit dem Produkt noch stärker zielgruppenorientiert vorzugehen", erklärt Susanne Schäfer, Bereichsleiterin Marketing & Kommunikation der GGEW AG und Geschäftsführerin der GGEW net. Die Produktbündel sollen in einem nächsten Schritt weiter zielgruppengerecht ausdifferenziert und um weitere Produktbausteine ergänzt werden.

Glafaserausbau: Plädoyer für neue Verlegetechniken

Den Glasfaserbereich will das Unternehmen künftig kräftig ausbauen, rund 35 Mio. Euro sollen hierzu in den nächsten Jahren investiert werden. "Ziel ist es, die Verdichtung von Glasfaser in der Region konsequent weiter voranzutreiben, darunter auch Schulen und Gewerbegebiete", kündigt Carsten Hoffmann an. Auch die GGEW hat aktuell Schwierigkeiten Tiefbaufirmen für den Ausbau zu finden. Mit Blick auf die Aktivitäten zahlreicher Wettbewerber im GGEW-Kerngebiet plädiert Hoffmann deshalb für die Anwendung neuer Verlegetechniken wie dem Trenching, sofern die Kommunen dem Verfahren zustimmen. Diese erlauben ein sehr schnelles Verlegen der Kabel. Aktuell hat die GGEW net rund 5000 Telekommunikationskunden, hier sieht man noch deutliches Wachstumspotenzial.

Großes EEG-Anlagen-Potenzial für Regionalstrom-Angebot

Noch in diesem Jahr plant die GGEW AG zudem ein Regionalstromprodukt auf den Markt zu bringen, daran arbeitet aktuell eine interne Projektgruppe. "Wir haben in unserem Verbreitungsgebiet 2500 EEG-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 45 MW, das entspricht rund der Hälfte unserer Spitzenleistung im Netz. Wenn diese Anlagen in den nächsten Jahren aus der EEG-Förderung fallen, möchten wir den Betreibern eine Möglichkeit bieten, diesen lokal produzierten Strom lokal zu verkaufen", sagt Hoffmann. Dazu benötige man feingliedrige Bilanzierungssysteme und gute IT-Anwendungen im kurzfristigen Handel. "Auf der Vermarktungsseite werden wir hier sicher einen Kooperationspartner brauchen", stellt der GGEW-Chef klar.

Fokus liegt auf PV-Anlagen-Ausbau

Im Erneuerbaren-Bereich fokussiert das Unternehmen aktuell sehr stark auf den Ausbau der PV-Anlagen in der Region. Auf Grundlage der in Hessen genutzten Länderöffnungsklausel, welche die vergütungsfähige Flächenkulisse des EEG um die von der EU deklarierten landwirtschaftlich benachteiligten Gebiete erweitert, versucht das Unternehmen in Gesprächen mit Landwirten geeignete Projektflächen für weitere PV-Freiflächenanlagen zu akquirieren. Mit den bisherigen Ergebnissen der Gespräche sei man sehr zufrieden, heißt es.

Potenzial sieht Hoffmann in diesem Zusammenhang auch beim Thema Mieterstrom, das erste Projekt wurde vor kurzem gemeinsam mit einem Wohnbauunternehmen realisiert. Die PV-Dachanlagen wurden dabei mit einer E-Ladesäule im Keller der Liegenschaft kombiniert. "Mieterstrom ist ein gutes Instrument, um die Energiewende in die Städte und die Mehrfamilienhäuser zu bringen, man darf den dahinter stehenden Aufwand allerdings nicht unterschätzen", so Hoffmann.

Windparkprojekt Gahrenberg wurde redimensioniert

In der Genehmigungsphase befindet sich das gemeinsam mit dem Projektierer ABO Wind geplante Windparkprojekt Gahrenberg in Nordhessen. "Wir haben alle genehmigungsrelevanten Punkte abgehakt bis auf die Flugsicherung", erklärt GGEW-Vorstand Hoffmann. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass "wir hier eine Lösung mit den zuständigen Behörden finden." Da das Projekt sich zum Teil im Einflugbereich des Flughafens Kassel befindet, war der Umfang bereits im vergangenen Jahr redimensioniert worden von 20 auf maximal zehn Windkraftanlagen. (hoe)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper