In der dicht besiedelten Region Bergstraße hat der südhessische Energiedienstleister GGEW AG am vergangenen Freitag zwei PV-Freiflächenanlagen offiziell in Betrieb genommen. Das Projekt "Am Burggut" wurde in Heppenheim realisiert und ist eine der größten Freiflächenanlagen in Hessen. Gleichzeitig handelt es sich um das einzige hessische PV-Vorhaben, das bisher einen Zuschlag im Ausschreibungsverfahren der Bundesnetzagentur erhalten hat. Die beiden Anlagen haben eine installierte Leistung von insgesamt 2,6 MWp, perspektivisch sind mehr als 3,1 MWp möglich.
"Energiewende spielt sich in Verteilnetzen ab"
"Es handelt sich um ein Leuchtturmprojekt der regenerativen, dezentralen Erzeugung in der Region. Damit leistet die GGEW einen substanziellen Beitrag zur Energiewende", erklärte GGEW-Vorstand Carsten Hoffmann. Die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende spiele sich hauptsächlich in den regionalen Stromnetzen und nicht nur in den Hochspannungsnetzen ab. "Das klare Ziel lautet: Strom aus der Region für die Region. Wir wollen unseren Kunden echten Ökostrom als Regionalstrom anbieten und diesen vor Ort vermarkten", so Hoffmann auf ZfK-Anfrage. Dafür müsse man aber noch ein paar Hausaufgaben machen. Mittelfristig werde man damit an den Markt gehen.
Al Wazir: "Hessen kann Energiewende"
Für Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Grüne), den hessischen Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung ist die Freiflächeanlage "Am Burggut" ein "weiterer Beweis, dass Hessen Energiewende kann". "Wir hatten uns vor fünf Jahren vorgenommmen, den Anteil der erneuerbaren Energien im Strombereich auf 25 Prozent zu steigern und sind jetzt auf der Zielgeraden", sagte Al-Wazir. Der Ausbau der Dachanlagen habe durch das Solarkataster Hessen einen Schub erfahren. Dort sei jedes einzelne Dach in Hessen sichtbar und könne auf seine Eignung für eine PV-Anlage überprüft werden. Um den Bau derartiger Anlagen zu intensivieren, stehe als künftige Aufgabe noch eine Freiflächen-Verordnung an.
Die beiden PV-Anlagen befinden sich direkt zwischen der Autobahn A5 und dem Segelflugplatz in Heppenheim. Die bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen bieten laut der GGEW "in dieser eingezwängten Lage ein optimales Potenzial zur langfristigen Nutzung der Sonnenenergie". Die ackerbaulich intensiv beanspruchten Böden erholten sich während der Pachtzeit und könnten anschließend in einem gesunden und höherwertigen Zustand wieder an die Landwirtschaft zurückgehen. Generalunternehmer bei dem Projekt ist die Pfalzsolar, mit der die GGEW bereits das PV-Pachtmodell für ihre Kunden umgesetzt hat.
"Effizientes Projektmanagement"
Die GGEW hatte Ende 2017 den Vergütungszuschlag von der Bundesnetzagentur erhalten. Dass man die Anlagen innerhalb von neun respektive elf Monaten in Betrieb nehmen konnte, sei einem "sehr effizienten Projektmanagement im Bereich erneuerbarer Energien der GGEW" zu verdanken, versicherte Vorstand Carsten Hoffmann.
Dass das das Unternehmen bei der Ausschreibung zum Zuge kam, unterstreiche die Leistungsfähigkeit der GGEW. "Wir können effiziente Kostenstrukturen bei der Planung, beim Bau und Betrieb darstellen und verfügen über gute Erfahrungen im Umgang mit Vergütungsausschreibungen", sagte Hoffmann. Da helfe auch die regionale Nähe zum Projekt. Zudem liege die Anlage in der Nähe von Netzzugangspunkten, so dass man die Einspeisung des erzeugten Stroms in das Netzgebiet der GGEW effizient darstellen könne.
"Angemessene Eigenkapitalverzinsung"
Mit der neuen Anlage werde das Unternehmen eine "angemessene Eigenkapitalverzinsung erzielen", bekräftigte der GGEW-Chef. Zentraler Erfolgsfaktor für den wirtschaftlichen Erfolg seien die Anschaffungskosten der Anlage. Hierzu brauche man einen leistungsfähigen Partner, diesen habe man mit Pfalzsolar gefunden.
Die GGEW will künftig ihr PV-Portfolio substantiell vergrößern und damit das eigene Erneuerbaren-Portfolio stärker diversifizieren. "Wir wollen mit Kraft vorangehen bei Freiflächen- und Dachanlagen. Dabei fokussieren wir uns zunächst auf unsere Region", kündigte Hoffmann gegenüber der ZfK an. Von daher rechne man in den nächsten Monaten und Jahren mit weiteren Teilnahmen der GGEW an den Ausschreibungsrunden.
PV-Markt: " Bundesweit noch klare Wettbewerbsverzerrungen"
"Der Wettbewerb im Solarbereich ist aber nach wie vor sehr hart", sagte der Vorstand des Energiedienstleisters. Bundesländer wie Baden-Württemberg und Bayern könnten mit einem ganz anderen Flächenvolumen an der Vergütungsausschreibung teilnehmen als die Bundesländer, in denen es keine entsprechenden Freiflächenverordnungen gibt. Hier gebe es bundesweit noch klare Wettbewerbsverzerrungen. Hoffman sieht generell aber Chancen für Stadtwerke bei PV-Ausschreibungen zum Zuge zu kommen. "Der Rückgang der PV-Modulpreise ermöglicht auch bei den aktuellen Einspeisevergütungen einen wirtschaftlichen Betrieb von PV-Freiflächenanlagen." (hoe)


