Google will bis zum Jahr 2030 gut eine Milliarde Euro in Deutschland in Rechenzentren und Strom aus erneuerbaren Energien investieren. Zum einen baut der Internetkonzern seine Cloud-Region Frankfurt/Main mit einem neuen Rechenzentrum in Hanau aus. Im Großraum Berlin wird sogar eine ganz neue Cloud-Region eingerichtet.
Zum anderen wird der Konzern über einen großangelegten Liefervertrag (PPA) mit dem Kölner Energieversorger Engie indirekt Windparks und Solaranlagen in Deutschland finanzieren, um die Cloud mit erneuerbaren Energien betreiben zu können.
Cloud-Anlage in Hanau
Die Cloud-Anlage in Hanau sei nur 20 Kilometer vom weltgrößten Internetknoten DE-CIX entfernt, sagte Philipp Justus, Googles Zentraleuropa-Chef. Das vierstöckige Gebäude mit einer Nutzungsfläche von rund 10.000 Quadratmetern soll im kommenden Jahr voll betriebsbereit sein.
Google passt damit die Frankfurter Cloud-Region an die wachsende Nachfrage nach Cloud-Diensten in Deutschland an. So konnten der Versandhändler Otto, die Lufthansa und die Deutsche Bank als Cloud-Kunden gewonnen werden.
Cloud-Region Berlin-Brandenburg
Um das Cloud-Geschäft in Deutschland voranzutreiben, hatte der Internetkonzern bereits im vergangenen Oktober Daniel Holz, den Deutschland-Geschäftsführer vom Softwareriesen SAP abgeworben. Er verantwortet nun Googles Cloud-Geschäft in Deutschland und Zentraleuropa.
Im Rahmen seiner Expansion in Deutschland richtet Google bis 2022 eine neue Cloud-Region Berlin-Brandenburg ein. Der genaue Standort der Rechenzentren wurde nicht mitgeteilt. Sie sollen aber sowohl in der Bundeshauptstadt selbst als auch in der brandenburgischen Umgebung errichtet oder angemietet werden.
"Sehr, sehr hohe Nachfrage"
"Wir haben eine sehr, sehr hohe Nachfrage von Unternehmenskunden hier in der Region Berlin-Brandenburg", sagte Justus. "Und je näher wir an diesen Kunden dran sind mit einer Cloud-Region, umso schneller, umso zuverlässiger funktionieren auch die Dienste, die die Google Cloud diesen Unternehmen bietet."
Mit den verschiedenen Cloud-Regionen reduzieren sich beispielsweise Datenlaufzeiten (Latenz) im Vergleich zu einer transatlantischen Datenverbindung erheblich. Für die Kunden gibt es aber auch rechtliche und regulatorische Gründe, besser auf Cloud-Rechnern zu arbeiten, die in Deutschland stehen, statt Anlangen in den USA zu verwenden.
Zu fast 80 Prozent kohlenstofffrei
Den Strom will Google dabei über Energieversorger Engie beziehen. Dieser soll sicherstellen, dass alle deutschen Betriebe des Internetkonzerns bis 2022 zu fast 80 Prozent kohlenstofffrei sein. Die restliche Zeit kommt der Strom auch aus Kohlekraftwerken oder Atomkraftwerken.
Von 2022 an will Engie Google mit mehr als 140 MW Wind- und Solarstrom versorgen. Der Strom kommt nach Angaben des Versorgers unter anderem aus einem neuen Photovoltaik-Projekt mit 39 MW, das 2023 in Betrieb gehen soll.
22 Windparks in fünf Bundesländern
Zudem werden 22 Windparks in fünf Bundesländern nach dem Ende der EEG-Förderung weiterbetrieben, um im Rahmen dieses Abkommens CO2-freien Strom zu erzeugen.
Engie wird auch Energiemanagementdienste anbieten, einschließlich der Beschaffung von Restlieferungen, Bilanzkreismanagement und Netzmanagement.
PPAs "entscheidender Pfeiler der Energiewende"
"Bis zum Jahr 2030 wollen wir rund um die Uhr ausschließlich CO2-freie Energie nutzen", versprach Justus. "Das ist ein noch größeres Ziel als nur CO2-neutral zu sein."
Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Deutschen Energie-Agentur (Dena), begrüßte die Ankündigung. Die PPA-Vereinbarung zwischen Google und Engie unterstreiche die wachsende Bedeutung dieses Vertriebswegs, teilte er in einer Presseaussendung mit. So würden PPAs zu einem "entscheidenden Pfeiler der Energiewende".
Altmaier: "Starkes Signal"
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wertete das Google-Engagement als "starkes Signal". Dies zeige: "Grüne Energie ist längst ein zentraler Faktor für die Standortwahl." (dpa/aba)



