Zur ersten Gläubigerversammlung im Insolvenzverfahren der Greensill-Bank war Thomas Schröder, der Bürgermeister von Marsberg (Sauerland) am Dienstag persönlich nach Bremen gereist. Dort traf er auf zahlreiche Vertreter jener insgesamt 17 Gebietskörperschaften aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich im Mai dazu entschlossen hatten, ihre Interessen im Greensill-Insolvenzverfahren gemeinsam durch die "Eckert Rechtsanwälte Steuerberater Partnerschaftsgesellschaft" in Hannover in Kooperation mit der Rechtsanwaltskanzlei "Dentons Europe LLP" in Berlin vertreten zu lassen. Das teilt die Stadt Marsberg auf ihrer Website mit.
Im Gepäck für den Rückweg hatten die Bürgermeister sowohl gute als auch schlechte Botschaften. Die wohl mit Abstand schlechteste Information: "Der Bankenverband hat unseren Anwalt aus dem Gläubigerausschuss quasi herausgeputscht", formuliert es Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann deutlich. Das hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet, wurde nun aber auch offiziell.
Geschlossene Gesellschaft
Auch der Vertreter der Bundesagentur für Arbeit wurde aus dem Gläubigerausschuss herausgewählt. Stattdessen wurden verbandsnahe Mitglieder hineingewählt. "Von fünf Vertretern, die in diesem Ausschuss jetzt noch sitzen, gibt es keinen einzigen mehr ohne persönlichen Bezug zum Bankenverband“, sagte Zimmermann laut der Marsberger Mitteilung. „Man will sich da im weiteren Verfahren ganz offenkundig nicht in die Karten gucken lassen."
Ihre Unzufriedenheit darüber können und wollten die 17 Kommunen im Anschluss nicht verbergen. "Das Vorgehen des Bankenverbands können wir nicht nachvollziehen“, stellte Zimmermann fest. „Nach dem gesetzlichen und dem privaten Einlagensicherungsfonds stellen wir bereits an dritter Stelle die größte Gläubigergruppe. Da wäre es definitiv gerechtfertigt und auch angebracht gewesen, dass wir im Gläubigerausschuss vertreten gewesen wären."
Zweifel an der Objektivität
Genau das schien zuvor auch das Amtsgericht Bremen so gesehen zu haben, das den vorläufigen Gläubigerausschuss mit einer rechtlichen Interessensvertretung der Kommunen besetzt hatte. Dieser vorläufige Gläubigerausschuss hätte in der ersten Versammlung am 8. Juni nun bestätigt werden müssen.
Und genau das habe der Bankenverband, der mit der gesetzlichen und der privaten Einlagensicherung über eine Dreiviertel-Mehrheit verfügt, nun nicht getan, sondern seine eigenen Leute durchgesetzt – allen Gesprächsangeboten der letzten Tage zum Trotz. Zimmermann: "Darüber sind wir schon verärgert. Das wirft auch kein gutes Licht auf den Bankenverband. Denn da hätten wir uns schon deutlich mehr Bereitschaft zu Transparenz erwartet. Schließlich hatte der Prüfungsverband der deutschen Banken ja offenbar schon sehr früh von den Problemen bei Greensill gewusst, war aber offenkundig nicht in der Lage, größeren Schaden zu verhindern. Den Glauben, dass von Seiten des Bankenverbands nun objektiv der Frage nach einem Mitverschulden des eigenen Prüfverbands nachgegangen wird, habe ich nicht."
Anwalt darf reden
Neben dem Frust über die Besetzung des Gläubigerausschusses hatte Zimmermann aber auch gute Nachrichten: Insolvenzverwalter Michael Frege konnte in Bremen seinen Bericht darüber abgeben, wie viel Geld er bereits jetzt sichern konnte und welche Aussichten es nach ersten Prüfungen für die Rettung weiterer finanzieller Mittel gibt. Zum Ziel hat sich Frege demnach gesetzt – ohne etwas versprechen zu können –, in den nächsten fünf Jahren bis zu 2 Mrd. Euro einzusammeln.
Das würde nach Abfindung der gesetzlichen Einlagensicherung immerhin einer Quote von 25 bis 30 Prozent für alle übrigen Gläubiger entsprechen, berichtet Monheims Bürgermeister. Des Weiteren führte er aus: "Das macht uns durchaus Mut. Und wir werden unsere Rolle als Gläubiger gemeinsam mit allen anderen Kommunen nun auch konsequent weiternutzen, damit im Gläubigerausschuss keine Dinge passieren, die unseren Interessen zuwiderlaufen. Und da unser Anwalt nicht mehr an die Verschwiegenheitspflichten des Gläubigerausschusses gebunden ist, wird er das weitere Verfahren sogar noch freier begleiten können.“ (hp)



