Seit Frühjahr 2020 wird das GuD-Kraftwerk Herdecke  wieder im 24/7-Betrieb rund um die Uhr flexibel eingesetzt.

Seit Frühjahr 2020 wird das GuD-Kraftwerk Herdecke wieder im 24/7-Betrieb rund um die Uhr flexibel eingesetzt.

Bild: © Mark-E

Das Geschäftsergebnis des Hagener Konzerns war 2023 "insbesondere durch Einmaleffekte beeinflusst", sagte Erik Höhne, Vorstandssprecher der Enervie-Gruppe, bei der Vorstellung der Jahresbilanz zu Journalisten.

Im Erzeugungsbereich bewirkte vor allem ein hoher Deckungsbeitrag der Gas- und Dampfturbinenanlage Herdecke (GuD) mit 400 MW Leistung einen positiven Einfluss auf das Gesamtergebnis.

Viele Fragen hinter Kraftwerksstrategie

Mit Blick auf die Kraftwerksstrategie betonte Höhne, dass Enervie durchaus weitere Erzeugungskapazitäten bauen könnte. "Sehr viele Fragen sind offen, aber wir können uns vorstellen, ein Kraftwerk in der Größenordnung zwischen 400 bis 500 MW zu errichten."

Allerdings seien noch einige Fragen offen, etwa die Fragen von Rahmenbedingungen und ausreichenden Sicherheiten, wie die Opex- und Capex-Förderung. Ebenfalls nicht klar sei die Höhe des Investitionskostenzuschusses. Dabei gehe es nicht nur um die Höhe, betonte Höhne. "Die Bundesregierung hat das endlich verstanden, was die Branche seit zehn Jahren sagt: Der Energy-Only-Markt könne selbst keine ausreichenden Investitionsanreize setzen, daher seien künftig Kapazitätsmechanismen besonders wichtig."

Ab 2028 sollen diese Mechanismen nun entsprechend greifen. Dabei sei es nicht geklärt, wie sich diese Mechanismen in die alte Förderung aus der Kraftwerksstrategie integrieren lassen könnten.

Evaluierung dynamischer Tarife läuft

"Zum einen haben wir ein sehr konkretes Produkt, bei dem Enervie die Nutzung der Flexibilität bei E-Auto-Ladevorgängen entsprechend honorieren" wolle, sagte Höhne auf ZfK-Anfrage. Über eine App lasse sich der Ladezeitpunkt und der Ladevorgang optimieren, was auf eine einfache Art Vorteile für Kunden bringe. 

Aus seiner Sicht wolle sich ein durchschnittlicher Kunde nicht selbst mit Großhandelspreisen beschäftigen, um zu entscheiden, wann er sein Auto optimalerweise laden wolle. "Unsere Aufgabe ist, das umzusetzen und auch wirtschaftlich zu gestalten", so Höhne weiter.

Dieses Angebot sei bereits konkret, der Start sei für die nächsten Wochen geplant. Die sogenannten zeitvariablen Tarife, die ab dem kommenden Jahr für alle Versorger verpflichtend seien, "befinden sich derzeit in der Evaluierung", sagte er. Ob es eine Eigenentwicklung sein werde oder Enervie auf eine White-Label-Lösung zugreife, sei an der Stelle noch nicht entschieden.

Deutliche Ergebnissteigerung

Das Ergebnis vor Steuern (EBT) in Höhe von 67,9 Mio. Euro übertraf das Vorjahresergebnis (2022: 53,3 Mio. Euro) deutlich. Entsprechend höher fällt auch die Dividendenausschüttung an die Aktionäre aus: Für 2023 liegt das Volumen bei 22 Mio. Euro (2022: 14 Mio. Euro).

Auch seine Eigenkapitalquote konnte das Unternehmen steigern, und zwar von zuletzt 26 Prozent auf 28,3 Prozent. Durch die Einmaleffekte konnte Enervie auch teils deutliche Absatzrückgänge kompensieren. So ging der Stromabsatz von 6,52 Mrd. kWh im Vorjahr auf 4,96 Mrd. kWh zurück. Beim Erdgas büßte der Absatz noch deutlicher ein. Hier ging es von 6,77 Mrd. kWh auf 4,72 Mrd. kWh zurück.

Beim Wärmeabsatz ging es für Enervie leicht von 62 Mio. kWh auf 64 Mio. kWh nach oben. Auch der Wasserabsatz legte zu: von 15,2 Mio. Kubikmetern im Jahr 2022 auf 16,7 Mio. Kubikmeter. Die Absatzmenge bei der Trinkwasserversorgung erhöhte sich deutlich aufgrund einer gestiegenen Kundenanzahl durch das seit Jahresbeginn umgesetzte Pachtmodell mit den Stadtwerken Plettenberg und Werdohl, hieß es aus Hagen. (am)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper