Wirtschaftliche Turbulenzen, volatile Preise und Corona überall: Das Jahr 2020 stellte auch die EnBW-Tochter Gasversorgung Süddeutschland (GVS) und ihren Geschäftsführer Michael Rimmler vor ganz neue Herausforderungen. Ein Gespräch über Einbußen, Zuwächse und neue Produkte.
Herr Rimmler, wie stark hat Ihr Unternehmen Corona zu spüren bekommen?
Michael Rimmler: Auch bei uns hat sich dadurch viel verändert. Seit März waren im Schnitt nur noch rund fünf unserer 68 Mitarbeiter im Büro, der Rest arbeitete im Homeoffice. Das verlief reibungslos. Wir haben auch unseren Vertrieb noch stärker digitalisiert und automatisiert und unsere Online-Plattform E-Point weiterentwickelt. Geschäftsseitig ist 2020 aber gar nicht so schlecht gelaufen. Wir haben eigentlich keine Corona-bedingten Einbußen erlitten, dürften am Ende etwa 55 Terawattstunden (TWh) Gas und Strom abgesetzt haben, also fast so viel wie 2019 [damals waren es 59 TWh, Anm. d. Red.].
Dabei galt 2020 für den Gasmarkt als schwieriges Jahr.
Auch wir verzeichneten Minderabgaben. Aber das hielt sich in Grenzen. Gleichzeitig konnten wir gerade auf unserer Online-Plattform E-Point eine Reihe neuer Kunden hinzugewinnen. Bei Unternehmen sahen wir eine Steigerung von 26 Prozent, bei Nutzern ein Plus von 35 Prozent. Ohnehin haben wir unseren Fokus noch stärker auf E-Point gelegt und etwa im November das Fahrplantool Power2Go für unsere Stromkunden eingeführt. (Die ZfK berichtete.) Auch um zu unterstreichen, dass wir nicht nur Gas, sondern auch Strom können.
Wie weit sind Sie denn mit Power2Go?
Erste Kunden nutzen es schon. Den großen Schub erhoffen wir uns aber in diesem Jahr, wenn wir das Tool noch breiter vermarkten und im Austausch mit Kunden erweitern und optimieren. Mittelfristig wollen wir ähnlich erfolgreich sein wie bei Gas2Go, unserem Fahrplantool für Gaskunden. Dort zählen wir inzwischen mehr als 100 Kunden.
Die GVS hat angekündigt, bei ihrer Digitalveranstaltung Connect 21 weitere neue Produkte vorzustellen. Verraten Sie uns, um welche es sich handelt?
Ich möchte zwei Beispiele nennen. Bislang müssen Kunden abgeschlossene Online-Handelsgeschäfte in verschiedenen Formaten manuell erfassen und dann gesondert in ihre eigene Systeme einpflegen. Das verursacht einen erheblichen Aufwand für die Kunden und die Fehlerquote steigt. Wir wollen einen sogenannten Deal-Hub einrichten, über den die Kunden die Handelsgeschäfte übersichtlich darstellen und strukturieren und diese dann deutlich einfacher, am Ende sogar direkt in ihre Systeme übernehmen können. Zudem wollen wir eine Dienstleistung zur Umsetzung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes anbieten. Noch sind dort aber ein paar letzte Details zu klären. (ab)
Info: Die GVS informiert vom 2. bis zum 4. Februar auf ihrer Digitalveranstaltung Connect 21 über neue Produkte und Trends in der Gas- und Strombranche. Die Teilnahme ist kostenlos.
Täglich aktualisierte Energiedaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



