Von Artjom Maksimenko
Nach den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres muss der Essener Energiekonzern RWE einen deutlichen Ergebnisrückgang hinnehmen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2024 ging das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern (Ebit) auf 813 Millionen Euro zurück (Q1/2024:1,22 Milliarden Euro). Das bereinigte Nettoergebnis von 489 Millionen Euro bedeutet einen Rückgang um 303 Millionen Euro.
Dennoch zeigte sich der RWE-Finanzvorstand, Michael Müller, im Gespräch mit den Journalisten zufrieden und bezeichnete das Ergebnis als "solide". Bei der Jahresprognose hält sein Konzern am bereinigten Netto-Ergebnisziel zwischen 1,3 und 1,8 Milliarden Euro fest. Bei den Gründen für den spürbaren Ergebnisrückgang im Vergleich zum Vorjahr nannte Müller mehrere Aspekte.
Den stärksten Einbruch im Vergleich zum Q1/2024 hab es bei RWE im Bereich Handel. Hier gab das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 251 Millionen auf nunmehr 15 Millionen Euro nach. Beim Strom-Terminhandel hätten sich die Margen nach den Rekordjahren verschlechtert, hieß es zur Begründung. Auf Jahressicht würden sie deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen. Das Gleiche gelte für die Erträge aus der Optimierung des Kraftwerkseinsatzes, hieß es vom Konzern weiter.
Der Energiekonzern sei sehr froh über die Performance in den vergangenen Jahren gewesen, sagte Müller zu Journalisten. Das aktuelle Ergebnis liege hingegen "im Soll". Für das Gesamtjahr 2025 gehe RWE unverändert davon aus, ein Ergebnis im Korridor von 100 bis 500 Millionen Euro zu erzielen.
Gaskraftwerke: RWE wartet auf Signale
Finanzchef Müller hatte wohlwollend die Aussagen der neuen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zum Thema Gaskraftwerke zur Kenntnis genommen und hoffe nun, dass bei diesem Thema "jetzt mehr Bewegung kommt". Die neue Bundesregierung plant, mindestens 20 Gigawatt Gaskraftwerke auszuschreiben. An den bestehenden Standorten könnte RWE Gaskraftwerke mit mindestens 2400 Megawatt Gesamtleistung errichten. Die Projekte seien bereits entwickelt, die Verträge mit den Zulieferern gesichert. Der Essener Konzern steht damit in den Startlöchern und wartet auf die positiven Signale der Bundesregierung und günstige Marktbedingungen.
Robuste Finanzlage
Der Konzern sieht sich in einer finanziell robusten Lage, und das trotz hoher Investitionen, sagte der CFO weiter. Zum Stichtag 31. März wies RWE eine Nettoverschuldung von 15,9 Milliarden Euro aus. Aufgrund hoher Investitionen und saisonaler Effekte beim operativen Cash Flow sei die Verschuldung im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Doch auch im laufenden Geschäftsjahr wird RWE weitere Investitionen für Wachstumsprojekte tätigen. Mit geplanten Gesamtinvestitionen von sieben Milliarden Euro netto im Geschäftsjahr 2025 liegen diese jedoch deutlich unter dem Niveau von 2024. Bei der Jahrespressekonferenz kündigte der CEO des Konzerns, Markus Krebber an, die Nettoinvestitionen als "Konsequenz aus den herrschenden Unsicherheiten" um zehn Milliarden Euro zu senken. Zwischen 2025 und 2030 sind damit Investments in Höhe von 35 Milliarden, anstatt 45 Milliarden Euro, geplant.



