Der Essener Konzern RWE passt seine Investitonspläne an die unsichere Marktsituation an.

Der Essener Konzern RWE passt seine Investitonspläne an die unsichere Marktsituation an.

Bild: ©Rolf Vennenbernd/dpa

Von Artjom Maksimenko

Das abgelaufene Geschäftsjahr hat RWE mit einem bereinigten Ebitda in Höhe von 5,7 Milliarden Euro und damit über Plan abgeschlossen. Auch das bereinigte Nettoergebnis mit 2,3 Milliarden Euro lag im oberen Teil des Zielkorridors. Angesichts der weltweiten Spannungen, die "mit Händen zu greifen" seien, würde die Entwicklung einzelner Unternehmen allerdings bisweilen fast in den Hintergrund geraten, gab RWE-CEO Markus Krebber bei der Vorstellung der Geschäftszahlen in Essen zu.

"Wir leben in unruhigen Zeiten", sagte Krebber weiter. Zwar halte RWE weiter an seiner Strategie "Grow Green" fest. Doch als Konsequenz aus den herrschenden Unsicherheiten werde das Unternehmen seine Netto-Investitionen um zehn Milliarden Euro senken. Das bedeutet, dass von 2025 bis 2030 Investments in Höhe von 35 Milliarden, anstatt 45 Milliarden Euro, geplant sind.

Bundes- und US-Politik als unsicheres Pflaster

Die milliardenschweren Investitionen in neue Wind- und Solarparks, Energiespeicher, Elektrolyseure oder flexible Kraftwerke seien auf Jahrzehnte ausgelegt, betonte Krebber. Bei den Entscheidungen würden aktuell zahlreiche Aspekte in Erscheinung treten, die das Risiko eines Investments erhöhen. Dazu zählte er unter anderem die anhaltend hohe Inflation, steigende Zinsen, Engpässe in den Lieferketten, sowie geopolitische Spannungen und etwaige zusätzliche Zölle und mögliche energiepolitische Neuausrichtungen. Als zwei zentrale Faktoren, die langfristige Investitionsentscheidungen erheblich erschweren, nannte Krebber die politischen Entwicklungen in den USA und in Deutschland. Hier seien noch viele Aspekte unklar, auf mehr Klarheit hoffe er aber im weiteren Verlauf des Jahres.

Insbesondere für die künftige Bundesregierung sei die Liste der Forderungen lang und "ließe sich weiter fortsetzen", sagte Krebber. Er verwies dabei auf das Positionspapier zur pragmatischen und marktorientierten Energiewende, das er gemeinsam mit Eon-Chef Leonhard Birnbaum verfasst und vor wenigen Tagen veröffentlicht hatte.

Zu den konkreten Punkten zählt aus Sicht von Krebber eine pragmatische Kraftwerksstrategie, die durch die neue Bundesregierung innerhalb von drei Monaten genehmigt werden sollte. Hinzu kommt ein zentraler Kapazitätsmarkt, für dessen Einführung Krebber dem Bund 18 Monate einräumt. Eine überregulierte Definition von grünem Wasserstoff soll verschwinden: "Die Dekarbonisierung erfolgt ehedem über das CO2-Handelssystem", sagt Krebber weiter. Unter dem Strich benötige Deutschland nun eine stabile und entschlossene Regierung, "die auch bereit ist, in Europa Führung zu übernehmen".

Renditeerwartung hochgeschraubt

Als Konsequenz aus dem herrschenden, unsicheren, politischen Rahmen wolle RWE nun seine geplanten Investitionsprojekte genauer unter die Lupe nehmen und gibt sich ein strikteres Risikomanagement. Die Renditeerwartung an die Vorhaben steigt zudem von aktuell acht auf 8,5 Prozent. 

Risikomanagement unter neuen Rahmenbedingungen

Als vergleichsweise sicher, aber mit einer geringeren Rendite gelten laut Krebber beispielsweise deutsche Solarprojekte. Risikoreich, aber profitabel seien hingegen Offshore-Wind-Projekte von RWE in den USA. "Wenn Sie wissen, dass Genehmigungen nur Formalien sind und nichts dagegenspricht, können Sie bereits mit der Investition beginnen. Wenn die Handelspolitik ruhig ist und Sie keinerlei Zölle haben, dann können Sie mit den Zulieferern verhandeln und sich sicher sein, dass Sie die Komponenten in einem Jahr bekommen", erläuterte er. Wenn aber selbst Formalien problematisch werden oder die Handelspolitik hochvolatil ist, steigt die Unsicherheit.

Als Sparten, die von der Investment-Bremse besonders betroffen seien, nannte der RWE-Chef neben dem US-Offshore-Windgeschäft die Projekte für grünen Wasserstoff, weil hier bislang nicht die erhoffte Dynamik eingesetzt habe. Nichtsdestotrotz habe RWE erst vor gut einer Woche einen ersten langfristigen Abschluss bekanntgegeben. Von 2030 bis 2044 werden die Essener den Mineralölkonzern Total jährlich mit 30.000 Tonnen grünem Wasserstoff beliefern. Der Liefervertrag mit Premierencharakter soll einen wichtigen Impuls für Wasserstoffhochlauf und Dekarbonisierung von Raffinerien setzen.

Insgesamt hatte RWE im abgelaufenen Jahr zehn Milliarden Euro in den Ausbau seines Erzeugungsportfolios investiert. Aktuell seien 150 Projekte mit einer Gesamtkapazität von 12,5 Gigawatt im Bau. In Betrieb gegangen seien in dieser Zeit 2000 MW Leistung. Krebbers Resümee: "Operativ und finanziell lief es gut."

Prognose unter dem Ergebnis von 2024

Das nicht ausgegebene Geld wolle RWE unter anderem für die Senkung seines Verschuldungsgrades nutzen und für einen noch bis zum zweiten Quartal 2026 laufenden Aktienrückkauf in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Gute Nachricht für die Aktionäre: Das mittelfristige Ziel eines bereinigten Gewinns von 4 Euro je Aktie im Jahr 2030 bleibt bestehen. Die Dividende soll zudem jährlich um fünf bis zehn Prozent steigen. Für das laufende Jahr geht RWE von einer weiteren Normalisierung des Marktes aus und hat einen operativen Gewinn zwischen 4,55 bis 5,15 Milliarden Euro ausgerufen.

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