Carsten Harkner ist kaufmännischer Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg und Vorsitzender des Kaufmännischen Ausschusses im VKU.

Carsten Harkner ist kaufmännischer Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg und Vorsitzender des Kaufmännischen Ausschusses im VKU.

Bild: © Städtische Werke Magdeburg

Die Kommunalwirtschaft steht in den kommenden Jahren vor Investitionen in hoher dreistelliger Milliardenhöhe für die Energiewende vor Ort. „Hierfür brauchen wir neue Finanzierungsinstrumente“, fordert Carsten Harkner, Kaufmännischer Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg und Leiter des Kaufmännischen Ausschusses im VKU in der aktuellen Printausgabe der ZfK.

Hier sieht er vor allem auch die Politik in der Pflicht. Diese müsse die Branche in die Lage versetzen, damit man die Energiewende umsetzen und deren Finanzierung bewältigen könne. Dazu zähle auch ein vereinfachter Zugang und eine unbürokratische Abwicklung bei KfW-Krediten.
 

„Es gibt einen ganzen Strauß an Möglichkeiten, über die man jetzt intensiv diskutieren muss". Wenn ein Energiesystem komplett umgebaut werden müsse , dann werde für eine gewisse Zeit deutlich mehr neues Geld benötigt als die Innenfinanzierungskraft ermöglichen könne.

"Viele Kommunen werden auch künftig auf die Ausschüttungen der Stadtwerke angewiesen sein"

„Deshalb müssen wir andere Finanzierungsquellen und Eigenkapitalgeber für die Energiewirtschaft erschließen als die bisherigen klassischen Finanzmittelgeber“, stellt Harkner klar. Er denke da beispielsweise an Infrastrukturfonds oder Versicherungen und Pensionskassen als Investoren, aber zum Beispiel auch an Schuldscheindarlehen oder die Ausgabe von Namensschuldverschreibungen.

„Viele Kommunen werden auch in den nächsten Jahren auf die Ausschüttungen ihrer Stadtwerke angewiesen sein und können gar nicht darauf verzichten, geschweige denn ihren Unternehmen weiteres Eigenkapital zuschießen“, ist sich der Kaufmännische Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg sicher. 

Deswegen brauche man Rahmenbedingungen, die die Stärkung des Eigenkapitals erleichterten und verbesserten. „Ich sehe da beispielsweise die KfW als geborenen Partner, eigenkapitalähnliches Mezzaninekapital zur Verfügung zu stellen“.

Gleiche Spieße für alle Marktteilnehmer beim Thema Contracting

Harkner wünscht sich zudem auch ein ein Level-Playing-Field  zu anderen Akteuren, die die Energiewende mit umsetzen wollen. „Der Bund berät derzeit über ein Zukunftsfinanzierungsgesetz. Dieses soll über gewisse Finanzierungsmodelle beispielsweise auch kleineren Start-ups die Möglichkeit geben, Contracting- und Pachtmodelle etwa im PV-Bereich anzubieten“.

Diese  Erleichterungen sollten für die gesamte Energiewirtschaft greifen, weil auch die Stadtwerke für Contracting viel Liquidität binden und das langfristig. Denkbar wäre auch eine Absicherung über Bürgschaften.

Auch Sonderabschreibungen denkbar

Zur Stärkung der Eigenkapitalausstattung könnten auch zielgerichtete, steuerliche Investitionsanreize, etwa beim Ausbau der Fernwärme oder dem Umbau der Gasversorgung oder dem Ausbau der Stromnetze hilfreich sein.

Möglich wären Sonderabschreibungen für solche Projekte oder steuerliche Erleichterungen bei der Hinzurechnung im Zusammenhang mit der EU-Taxonomie.

„Das sind alles Punkte, die die Energiewirtschaft und  Politik in nächster Zeit miteinander diskutieren müssen. Hier stehen wir vor wichtigen Weichenstellungen, die zentral sind für die Bewältigung der bevorstehenden, riesigen Investitionsvolumen“.

"Das wäre schon mal eine wichtige Grundlage"

Finanziert werden könnte dies unter anderem mit den verbliebenen Mitteln aus den ursprünglich im Zuge der Preisbremsen vom Staat zur Verfügung gestellten 200 Mrd. Euro.

„Man könnte diese restlichen Gelder dafür nutzen, dass die  KfW der Branche eigenkapitalähnliche Mittel für einen gewissen Zeitraum zur Verfügung stellt. Das wäre schon mal eine wichtige Grundlage“.

"Wir sind der geborene Partner, müssen aber in die finanzielle Lage versetzt werden"

Der Staat habe die Branche  mit der Umsetzung der Energiewende beauftragt, also werde er auch in irgendeiner Weise die Rechnung unterstützen müssen.

„Wir als kommunale Stadtwerke sind aufgrund der vorhandenen Infrastruktur und unseres Zugangs zu den Kunden vor Ort der geborene Partner, die Energiewende effektiv und schnell voranzutreiben. Um das tun zu können, müssen wir in die entsprechende finanzielle Lage versetzt werden“. (hoe)

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Mehr Zitate aus dem Interview mit Carsten Harkner und einen Themenschwerpunkt zu den Finanzierungsherausforderungen rund um die Energiewende finden Sie in der aktuellen Printausgabe der ZfK, die heute erschienen ist. Zum Abo geht es hier.

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