Ein Argument für Schließungen von Thermen ist, dass ein Wellnessbetrieb im Sparbetrieb nicht möglich ist.

Ein Argument für Schließungen von Thermen ist, dass ein Wellnessbetrieb im Sparbetrieb nicht möglich ist.

Bild: © Matthias Bein/dpa

Energiekrise und Inflation haben den Betrieb von Thermalbädern und Thermen massiv verteuert. Das stellt die Kommunen als Träger vor enorme finanzielle Herausforderungen. In Hessen mussten erste Einrichtungen bereits vorübergehend oder sogar ganz schließen, für weitere könnte dies bevorstehen. Der Deutsche Heilbäderverband schlägt Alarm und fordert rasch staatliche Hilfen.

In Bad Salzhausen im Wetteraukreis beispielsweise hatte kürzlich die Justus-von-Liebig-Therme nach längeren Diskussionen zumachen müssen. Schon bisher sei in dem Bad ein Defizit von bis zu einer Million Euro jährlich aufgelaufen, nun wäre rund eine weitere Million Euro an Belastungen durch die Preissteigerungen für Gas und Strom zu befürchten gewesen, deshalb habe man die «Reißleine ziehen» müssen, hieß es von dem Heilbad.

Vitalzentrum statt Therme

Auch der eigentlich geplante rund 50 Millionen Euro teure Neubau der aus den 1980-iger Jahren stammenden Therme wird nicht umgesetzt. Das sei „außerhalb jeder Realisierungsmöglichkeit unserer Stadt“, teilt die Stadt Nidda mit. Stattdessen soll ein Vital- und Gesundheitszentrum mit neuem Konzept auf dem Fundament des alten Gebäudes entstehen.

Auch die Festspiel-Stadt Bad Hersfeld machte ihre Kurbad Therme zum 1. November vorübergehend dicht: «Der Gasverbrauch soll drastisch gesenkt werden, damit für die nächste Heizsaison ausreichend Erdgas zur Verfügung steht», heißt es auf der Homepage. Ein Termin für die Wiedereröffnung wird dort nicht genannt. Ein Wellnessbetrieb auf Sparflamme sei für die osthessische Stadt keine Option.

Abwärtsspirale für Kurorte

Andere Einrichtungen versuchen, die Kosten durch verkürzte Öffnungszeiten oder eine zeitweise Schließung energieintensiver Saunabereiche zu drücken. Auch mit Preiserhöhungen reagieren manche Anbieter. Doch das könnte auch Gäste vergraulen, die wegen der Inflationssorgen derzeit ihr Geld zusammenhalten und deshalb vielleicht wegbleiben – so dass die Bäder unter dem Strich auch nicht mehr einnehmen würden, sagt Brigitte Goertz-Meissner, Präsidentin des Deutschen Heilbäderverbandes.

Sie fürchtet eine Abwärtsspirale mit schlimmen Folgen für die Standorte: Wenn Bäder ihre Angebote einschränken oder gar ganz schließen müssen, treffe das auch die Rehakliniken sowie Hotellerie, Gastronomie und den Einzelhandel in den betroffenen Städten.

Auswirkungen auf Schulen und Vereine

Aus Sicht von Goertz-Meissner müssen deshalb die Gesundheitseinrichtungen der Kurorte dringend von dem geplanten Härtefallfonds profitieren. Bund und Länder hatten beschlossen, aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds zwölf Milliarden für Einrichtungen und Betriebe zur Verfügung zu stellen, die kaum Strom und Gas sparen können.

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund spricht von einer teils dramatischen Situation. Von Bäder-Schließungen betroffen seien vor allem Kommunen und Betreiber, deren Energie-Lieferverträge auslaufen und die neue Verträge zu teils exorbitant gestiegenen Preisen abschließen müssten. Das habe auch negative Auswirkungen etwa für das Schulschwimmen, die Vereine oder auch Programme für Senior:innen. Deshalb sei es wichtig, dass alle kommunalen Verbrauchsstellen unter den Strom- und Gaspreisdeckel fallen.

Kostendruck auf Kommunen steigt weiter

Auch der Verband verlangte, dass betroffene Kommunen und ihre Einrichtungen in die Härtefallregelung und Hilfsprogramme einbezogen werden: «Bis zum Ausbruch des Ukraine-Krieges hatten die Kommunen insgesamt Energiekosten von rund fünf Milliarden Euro im Jahr. Die drohen sich nun zu vervielfachen, alleine das zeigt den enormen Kostendruck auf die Städte und Gemeinden.» (dpa/hp)

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