Von Hans-Peter Hoeren
Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen im Großraum Stuttgart stellen sich an der Unternehmensspitze neu auf. Der Kommunalversorger zieht damit die Konsequenzen aus einer unbefriedigenden operativen Entwicklung seit der jüngsten Energiekrise. Neben einem deutlichen Rückgang der Gewinne im Rahmen des Energieeinkaufs werden als konkrete Gründe weitere Einbußen und Ertragsminderungen durch persönliches Fehlverhalten einzelner Mitarbeitender und Insolvenzen von Partnerfirmen in einer aktuellen Pressemitteilung der Stadt angeführt.
Die schwierige Entwicklung habe auch die aktuelle Geschäftsführung persönlich stark getroffen, heißt es weiter. Um hier neue Impulse zu setzen und das Unternehmen wieder auf die wirtschaftliche Erfolgsspur zu bringen, hat der Aufsichtsrat jetzt die Reißleine gezogen. Ab August übernimmt für eine Übergangszeit der erfahrene Krisenmanager Herbert Marquard (71), der erst im Juni in Pforzheim aus der Geschäftsführung ausgeschieden ist, die Leitung bei den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen.
Oberbürgermeister will Ruhe in das Unternehmen bringen
Die bisherigen Geschäftsführer Richard Mastenbroek, der zuvor bei den Stadtwerken Kaiserslautern in der Geschäftsführung tätig war, und der erste Bürgermeister Michael Hanus legen ihre Tätigkeit nieder. Oberbürgermeister Jürgen Kessing erhofft sich von dem Schritt auch wieder mehr "Ruhe im Kreis der Mitarbeitenden der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, die durch die vielfältigen Schwierigkeiten auch um ihre Arbeitsplätze bangten".
Marquard habe bereits bei früheren beruflichen Stationen gezeigt, dass er Energieversorgungsunternehmen erfolgreich aufstellen könne, so Kessing. Auch in Pforzheim war Marquard zuletzt erfolgreich in einer Krisensituation eingesprungen und hatte das Unternehmen wieder auf die Erfolgsspur zurückgeführt und erfolgreich neu ausgerichtet.
Marquard, der in der Nähe von Dresden lebt, hat ein eigenes kleines Beratungsunternehmen. In einem Gespräch mit der ZfK hatte er jüngst noch bestätigt, dass er sich auch mit 71 noch zu fit und kraftvoll für den Ruhestand fühle.
Pforzheim muss bei wichtigem Strategieprojekt umdisponieren
Eigentlich war vorgesehen, dass er in Pforzheim im Rahmen eines Beratungsmandats das Kooperationsprojekt Enzwerk mit umliegenden Gemeinden vorantreibt. Aufgrund der kurzfristigen Anfrage aus Bietigheim-Bissingen werden nun der neue Pforzheimer Geschäftsführer Aik Wirsbinna und einige Bereichsleiter dieses wichtige strategische Wachstumsprojekt übernehmen.
In einer Pressemitteilung dankten die Stadtwerke Pforzheim (SWP) Herbert Marquard für sein "enormes Engagement" in den vergangenen Jahren. Marquard habe die SWP 2019 in einer wirtschaftlich schwierigen Lage übernommen und den Unternehmenswert in den Folgejahren massiv gesteigert.



