Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) war Co-Gastgeber der diesjährigen LBB-Kapitalmarktkonferenz. Das Bild zeigt ihn bei der Veranstaltung in Frankfurt am Main im Talk mit Gründerin Hannah Helmke (links), Co-Gründerin und Geschäftsführerin des Climate Tech Unternehmens  "right°" und Moderatorin Jana Kübel vom SWR.

Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) war Co-Gastgeber der diesjährigen LBB-Kapitalmarktkonferenz. Das Bild zeigt ihn bei der Veranstaltung in Frankfurt am Main im Talk mit Gründerin Hannah Helmke (links), Co-Gründerin und Geschäftsführerin des Climate Tech Unternehmens "right°" und Moderatorin Jana Kübel vom SWR.

 Bild: © LBBW/Klaus Hepp

Von Hans-Peter Hoeren

Die EU hat die Klimaziele in dieser Woche abgeschwächt, beim jüngsten Stahlgipfel der Bundesregierung spielte das Thema grüner Stahl eine eher untergeordnete Rolle. Die Themen Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigung haben den Klimaschutz seit Längerem auf der aktuellen politischen Agenda überholt. "Haben die Unternehmen überhaupt noch Bock auf das Thema Klimaschutz?", fragte ZDF-Moderator Mitri Sirin zum Auftakt der diesjährigen Kapitalmarktkonferenz der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Frankfurt am Main.

Baden-Württembergs Finanzminister, der Co-Gastgeber der Veranstaltung, Danyal Bayaz (Grüne), hatte dazu eine klare Meinung: "Bei vielen Unternehmen ist Nachhaltigkeit mittlerweile Teil des Geschäftsmodells, ich sehe hier Fortschritte", betonte er. Hannah Helmke hingegen, Co-Gründerin und Geschäftsführerin des Climate Tech Unternehmens "right°" sah das differenzierter. "Das hängt vom jeweiligen Unternehmen und dem Management ab", betonte Helmke. Mancherorts neigten Führungskräfte dazu, "aktivistisch die Welt retten zu wollen", andernorts werde graduell versucht, das Thema Nachhaltigkeit mit eigenen Konzepten, realitätsnah und mit einem gewissen Pragmatismus nach vorne zu entwickeln. Letzteres sei aber leider seltener der Fall.

"Hinter dem 1,5-Grad-Ziel steht nicht Klimaneutralität, sondern ein Emissionsbudget."

Dass das Thema Nachhaltigkeit aktuell nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste stehe, dafür seien auch viele Nachhaltigkeitsaktivisten verantwortlich. Diese müssten sich hier an die eigene Nase fassen, so Helmke. Eine zu starke Moralisierung führe dazu, den Mensch zum Täter zu machen. Wenn der Bürger das Gefühl habe, er sei ausschließlich in einer Verteidigungsposition und mache alles falsch, motiviere das nicht zu einer positiven Verhaltensänderung.

Helmke ist überzeugt, dass ein wissenschaftlicher Ansatz am zielführendsten ist, um das Thema Klimaschutz erfolgreich in die  Unternehmensentwicklung zu tragen. "Hinter dem 1,5 Grad-Ziel steht nicht die Klimaneutralität, sondern ein Emissionsbudget", bekräftigte sie.

Es gehe um eine Entkopplung von Emissionen und Wertschöpfung. Es sei hier nie um eine Wachstumsrücknahme gegangen, viel mehr stehe Entkopplung für Innovation. Nicht mal die Hälfte der 40 Konzerne aus dem Deutschen Leit-Aktienindex Dax hätten Emissionen und Wachstum ausreichend schnell entkoppelt. Beispielhaft nannte sie als Positivbeispiele Adidas und RWE, der Energieversorger könne mit seiner aktuellen Ausrichtun g sogar ein 1,3 Grad-Ziel erreichen könnten. Wenn RWE aber künftig vermehrt auf Gas statt Erneuerbare setze, könne es auch schnell wieder von diesem Pfad abkommen.

Ein Geschäftsmodell für Europa

"Die Bewertung dieser Unternehmensstrategien ist möglich, weil wir die erforderlichen Daten aufgrund der Vorgaben durch die EU-Direktive, Corporate Sustainabillity Reporting Directive (CSRD) in einer entsprechenden Qualität vorhanden sind und wir bewerten können, ob die Ziele erreicht werden können", so Helmke. In diesem Falle helfe die vielfach als "bürokratische Bleiweste" kritisierte CSRD Transparenz, und damit Vergleichbarkeit und Chancengleichheit zwischen Unternehmen in Europa herzustellen.

In einer Zeit, in der Europa geopolitisch und wirtschaftlich weiter an Bedeutung verliert, liege hier eine große strategische Chance und ein chancenreiches Geschäftsmodell, das man zu einem Alleinstellungsmerkmal ausbauen könne. "Niemand auf der Welt hat so viel verstanden darüber, wie der Klimawandel Gesellschaften und unsere Wirtschaft beeinflussen wird", so Helmke.

Niemand auf der Welt habe so viel Transparenz, wenn es darum gehe, klimabezogene Daten und die Chancen daraus zu verstehen. Europa habe die meisten Klimadaten und entsprechende Modelle, um die Erkenntnisse daraus in eine Regulatorik zu packen, die der Gesellschaft helfe, sich zu transformieren und sich resilient und wettbewerbsfähig aufzustellen. Europa könne "in Freiheit die Transformation der Energieversorgung erfolgreich als Geschäftsmodell entwickeln" und so eine Blaupause für den Rest der Welt schaffen.

Pflicht zur Transparenz

Helmke forderte in dem Zusammenhang, eine Pflicht zur Transparenz, wie weit Unternehmen bei der Entkopplung von Emissionen und Wachstum seien, mit Blick auf die Erreichung des 1,5 Grad-Ziels. "Die wenigsten Unternehmen haben die Transformation und die Innovation bereits so stark in ihren Geschäftsmodellen berücksichtigt", führte sie weiter aus.

"Wir brauchen bei der Finanzierung der Energiewende mehr Pragmatismus und weniger Dogmatismus. Die Herausforderungen erfordern eine enge Kooperation von Finanzwelt, Politik, Kommunen und Wirtschaft. Mit unserer Veranstaltung wollen wir diese vorantreiben", hatte zuvor Rainer Neske, Vorstandsvorsitzender der LBBW, zur Eröffnung der Veranstaltung betont. Die Transformation "in unserem Land wird nur funktionieren, wenn wir hier gegenseitig Brücken bauen und einander besser verstehen. Hierzu soll der heutige Dialog einen Beitrag leisten."

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