Neuer Tag, neue Hiobsbotschaften vom Gasmarkt. Hiobsbotschaft eins: Die Marke "Energie für uns", die zum Oldenburger Unternehmen New Sales gehört und 2017 an den Markt ging, stellt bundesweit ihren Strom- und Gasvertrieb ein.
Alle Kunden hätten in den vergangenen Tagen ein Kündigungsschreiben erhalten, bestätigte Geschäftsführer Pascal Hemker der ZfK. Ein Schreiben hatte zuvor das Portal "Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de" der ZfK zugespielt. Zur Kundenzahl äußerte sich Hemker nicht.
Der Schritt sei notwendig gewesen, um das Unternehmen vor der Insolvenz zu schützen, führte der Firmenchef aus. "Andernfalls wäre der finanzielle Schaden angesichts rekordhoher Strom- und Gaspreise zu hoch gewesen."
New Sales bleibt Energiedistributor
New Sales startete 2010 als Distributor von Energie- und Telekommunikationsprodukten. Zu seinen Vertriebspartnern gehören nach eigenen Angaben Versorger wie Eon und Badenova. Dieser Geschäftszweig bleibe weiterhin erhalten, versicherte Hemker.
Hiobsbotschaft zwei: Mit Pure Planet und Colorado Energy gaben weitere Energieversorger in Großbritannien auf. Die etwa 250.000 Kunden der Unternehmen würden nun von der Aufsichtsbehörde Ofgem zu anderen Anbietern übergeführt, hieß es. Großbritannien ist vom Anstieg des Gaspreises am Weltmarkt besonders stark betroffen, weil es kaum Gas auf Vorrat hält.
Gaspreise im Großhandel steigen weiter
Und Hiobsbotschaft drei: Die Gaspreise im Großhandel stiegen weiter, am Donnerstag allein im Spotmarkt um neun Euro auf 100,39 Euro pro MWh am Handelspunkt TTF (Quelle: EEX). Zuvor hatte Russlands Präsident Wladimir Putin zwar signalisiert, dass sein Land bereit sei, die Gaslieferungen nach Europa weiter zu erhöhen. Allerdings, wandte er ein, brauche es dafür konkrete Anfragen.
Experten: Insolvenzrisiko steigt
Die Aussichten für die kommenden Wochen dürften für die deutsche Energiewirtschaft vorerst kaum besser werden. Der Höhenflug der Gaspreise dürfte bis zum Frühjahr anhalten, schätzt Kreditversicherer Euler Hermes in einer neuen Studie. Zugleich steige das Insolvenzrisiko für kleinere Versorger in Deutschland.
Laut Studie der Allianz-Tochter dürften die Terminmarktpreise für Erdgas im Frühjahr 2022 ihren Höchststand erreichen. "Sollte es in der nördlichen Hemisphäre sehr kalt werden, könnte es zu weiteren vorübergehenden Preissteigerungen auf den Energierohstoff- und Strommärkten kommen", schreiben die Branchenexperten von Euler Hermes.
Risiken auch bei mildem Winter
"Aber auch bei einem milden Winter könnten die Länder geneigt sein, ihre Vorräte vorsorglich aufzustocken."
In der EU wird Erdgas hauptsächlich von der Industrie und den privaten Haushalten verbraucht. Insbesondere Teile des verarbeitenden Gewerbes wie die Lebensmittel-, Papier-, Chemie-, Metall- oder Raffineriebranche sind recht energieintensiv und verbrauchen viel Erdgas.
Industrie mit robuster Position
Viele Bereiche der Industrie verfügen jedoch nach Angaben von Euler Hermes über eine relativ robuste Position: Die Mineralölverarbeitung und der Nahrungsmittelsektor dürften demnach gegenüber den aktuellen Entwicklungen relativ immun bleiben.
Sie haben ihre Rentabilität in den vergangenen Jahren verbessert und verfügen über eine ausreichende Preissetzungsmacht, um höhere Inputpreise auszugleichen. Gleiches gelte für Automobilhersteller und den Bausektor, führen die Autoren aus.
Vattenfall sieht sich gewappnet
Auch die Eisen- und Stahlindustrie dürfte nach Ansicht der Experten recht gut abschneiden, da sich ihr Endmarkt als widerstandsfähig erweisen dürfte.
Gewappnet sieht sich auch der schwedische Energiekonzern Vattenfall. Anders als andere große Versorger wie Eon, EnBW oder Stadtwerke München bietet das Unternehmen derzeit noch immer Gasprodukte auf den gängigen Vergleichsportalen Verivox und Check 24 an.
Vattenfall: Auf solche Szenarien vorbereitet
Vattenfall sei auf Szenarien wie jetzt vorbereitet, teilt eine Sprecherin auf ZfK-Anfrage mit. Für Bestandskunden werde die Beschaffung der Liefermengen immer im Voraus sichergestellt. Zudem gebe es aktuell keine Entscheidung, die Neukundenakquise zu stoppen. (aba/dpa)



