Dirk Waider (li.), Vorstand, und Henning R. Deters, Vorstandsvorsitzender von Gelsenwasser.

Dirk Waider (li.), Vorstand, und Henning R. Deters, Vorstandsvorsitzender von Gelsenwasser.

Bild: © Gelsenwasser

Von Hans-Peter Hoeren

Aufgrund geringerer Ergebnisbeiträge im Beschaffungs- und Speichergeschäft sowie höherer Personalaufwendungen durch Tarifanpassungen und Neueinstellungen ist der Konzernjahresüberschuss der Gelsenwasser AG im vergangenen Jahr mit 132,6 Mio. Euro um 11,5 Prozent niedriger ausgefallen als noch im Vorjahr. Das Ergebnis liege aber um rund ein Drittel über den Planwerten und habe damit die Erwartungen übertroffen, hieß es aus Gelsenkirchen. Das Unternehmen gehört mittelbar über eine Beteiligungsgesellschaft zu über 90 Prozent den Stadtwerken Bochum und den Dortmunder Stadtwerken (DSW21), die Gelsenwasser-Ausschüttung ist für beide Kommunalversorger eine wichtige Säule des jährlichen Beteiligungsergebnisses.

"Wir haben 2024 ein stabiles Ergebnis erzielt", sagte der Gelsenwasser-Vorstandvorsitzende Henning R. Deters. Durch gezieltes Optimieren beim Kundenservice und der Energie-Angebote habe man neue Kund*innen gewinnen können. Die Wechselquoten lagen deutlich über zehn Prozent, auch aktuell sei die Wechselwilligkeit hoch, heißt es im Geschäftsbericht. Durch verstärkte Akquisetätigkeiten konnte im Strombereich der Abwärtstrend gestoppt werden, im Gasbereich hingegen habe man die Kundenverluste nur leicht mildern können.

Die Anzahl der belieferten Haushaltskund*innen mit Strom stieg im Geschäftsjahr 2024 um rund 8,7 Prozent auf rund 58.200 Kund*innen. Die Zahl der belieferten Haushaltskund*innen mit Gas sank um rund 8,7 Prozent auf 58.200 Kund*innen. Positiv auf das Ergebnis hat sich auch der verstärkte Einsatz digitaler Lösungen ausgewirkt. Dadurch habe man die Effizienz weitern steigern können.

Wasserabgabe an die Industrie geht zurück

Die Wasserabgabe lag 2024 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres und betrug 217,3 Mio. Kubikmeter (cbm). Bei den benachbarten Versorgungsunternehmen verzeichnete Gelsenwasser einen Anstieg um 1,4 Mio. cbm, die Abgabe an Haushalte war mit 54,4 Mio. cbm leicht erhöht (+ 0,6 %). Dagegen verzeichnete der Industriesektor einen Rückgang um 1,9 Mio. cbm. 

Aufgrund des Klimawandels war auch im vergangenen Jahr die Qualitätssicherung und die Resilienz der Wasserversorgung ein Fokusthema des mehrheitlich kommunalen Unternehmens. Ein Meilenstein ist dabei laut eigenen Angaben die Erweiterung der Trinkwasser-Aufbereitung in den Ruhr-Wasserwerken mit Investitionen von über 200 Millionen Euro.  

"In die Resilienz der Wasserversorgung investieren wir genauso gezielt: Dazu gehören neue respektive leistungsfähigere Druckerhöhungsanlagen, punktueller Netzausbau wie in den Baumbergen im Münsterland oder der Neubau eines leistungsfähigeren Hochbehälters in Recklinghausen", erklärte Gelsenwasser-Vorstand Dirk Waider. Zusätzlich bringe man die Leitungsprojekte zur Absicherung der Trinkwasserversorgung in Ostwestfalen weiter voran.

Kreislaufwirtschaft gewinnt an Bedeutung

Immer größere Bedeutung gewinnt bei Gelsenwasser zudem der Ausbau der Kreislaufwirtschaft. "Im Wasserkreislauf, der sowohl den Wasser- als auch den Abwasserbereich umfasst, sehen wir große Chancen, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Prozesse zu etablieren und Wertstoffkreisläufe zu schließen", verdeutlicht Deters. Dies betreffe beispielsweise das Thema Klärschlammverwertung und Phosphor-Recycling. Gelsenwasser hat bereits 2016 mit der Planung eigener Anlagenprojekte zur thermischen Klärschlammverwertung begonnen, 2022 ging die Anlage in Bitterfeld-Wolfen in den Regelbetrieb, in diesem Jahr nimmt die neue Anlage in Bremen den kontinuierlichen Betrieb auf. 

Auch die kommunalen Partnerschaften und das Beteiligungsportfolio hat Gelsenwasser weiter ausgebaut, unter anderem in Form neuer Wassernetzgesellschaften in Waltrop oder der Beteiligung an der Wassernetz Selm GmbH. Zudem wurde gemeinsam mit den Stadt Hamminkeln die Stadtwerke Hamminkeln gegründet, 49 Prozent an dem neuen kommunalen Ver- und Entsorger gehören Gelsenwasser. Ebenso wurden im März letzten Jahres 50 Prozent der Anteile an der Wasserservice Westfalen Weser GmbH mit Sitz in Paderborn erworben.

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