"Wir haben die Pandemie sehr gut gemeistert, unsere Investitionen sind auf den höchsten Stand seit Beginn der Energiewende angestiegen", sagt EnviaM-Vorstandsvorsitzender Stephan Lowis.

"Wir haben die Pandemie sehr gut gemeistert, unsere Investitionen sind auf den höchsten Stand seit Beginn der Energiewende angestiegen", sagt EnviaM-Vorstandsvorsitzender Stephan Lowis.

Bild: © EnviaM

Der Energiedienstleister enviaM baut sein Erneuerbaren-Portfolio weiter aus. Rund 23 Mio. Euro will das mehrheitlich zum Eon-Konzern gehörende Unternehmen im laufenden Jahr in den Neubau von fünf Solarparks in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg investieren.

Auch das Windenergie-Portfolio wird gestärkt. So soll das Repowering des Windparks Woschkow (Brandenburg) abgeschlossen und der Windpark Lützen (Sachsen-Anhalt) weiter ausgebaut werden. In Summe erhöht sich das Erneuerbaren-Portfolio von zurzeit 141 MW auf rund 174 MW.

Lowis: "Gute Standortbedingungen in Ostdeutschland besser vermarkten"

„Wir dürfen Konjunktur- und Klimapolitik nicht länger als Gegensatz betrachten. Ausreichende erneuerbare Energien werden für die Ansiedlung von Industrieunternehmen immer wichtiger“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Stephan Lowis bei der virtuellen Bilanzpressekonferenz.

Hier verfüge Ostdeutschland über sehr gute Standortbedingungen, die noch besser vermarktet werden sollten.

In Sachsen etwa gebe es noch sehr viel Platz im Netz für grünen Strom. „Momentan stehen dem aber die Regionalpläne im Weg. Wenn wir dürften, würden wir gerne investieren“, so Lowis. Aktuell seien die Flächenregelungen aber nicht so, wie man sie bräuchte. Im Netzgebiet des Versorgers decken erneuerbare Energien aktuell rechnerisch 122 Prozent des Stromverbrauchs ab.

Negative Coronaeffekte im Umfang von 40 Mio. Euro

Das Coronajahr 2020 hat die Unternehmensgruppe mit Sitz in Chemnitz mit einem leicht verbesserten operativen Ergebnis (Ebit) in Höhe von 317,9 Mio. Euro (Vorjahr: 315,8 Mio) abgeschlossen. Der Umsatz sank auf 2,77 Mrd. Euro (Vorjahr: 3,09 Mrd.).

Inbesondere der erste Lockdown im März/April 2020 habe zu einem spürbaren Rückgang der Absatz- und Netzdurchleitungsmengen geführt, hieß es auf Nachfrage. Die negativen Ergebniseffekte lagen laut Lowis bei rund 40 Mio. Euro.

Dank Kosteneinsparungen und Bewertungseffekten bei Beteiligungsgesellschaften und eigenen Beteiligungen, auch im Zusammenhang mit dem Wechsel vom Mehrheitsgesellschafter Innogy zu Eon, habe man dies kompensieren können.

Rückgänge bei Strom- und Gasabsatz

Die Dividende bleibt konstant. 161,3 Mio. Euro werden insgesamt an die Anteilseigner ausgeschüttet. Davon fließen 66,8 Mio. Euro an die kommunalen Anteilseigner. Rund 650 ostdeutsche Städte und Gemeinden halten 41,43 Prozent der EnviaM-Anteile.

Die Stromabgabe sank auf 14,64 Mrd. kWh (2019: 16,97 Mrd.) und auch die Gasabgabe war mit 10,43 Mrd. kWh (2019: 12,99 Mrd.) deutlich rückläufig. Dies habe aber keinen größeren Effekt auf das Ebit gehabt, weil die Margen im Geschäftskundensegment ohnehin sehr niedrig seien, erklärte Lowis.

Die Kundenzahl ist im vergangenen Jahr um 45000 auf 1,27 Mio. zurückgegangen, dies betraf vor allem Privat- und Gewerbekunden im Strombereich.

Investitionen auf höchstem Stand seit Beginn der Energiewende

Das hohe Investitionsniveau hat das Unternehmen 2020 ungeachtet der Belastungen durch die Pandemie indes deutlich ausgeweitet auf 248,3 Mio. Euro (2019: 193,3 Mio.). Das ist laut eigenen Angaben der höchste Stand seit Beginn der Energiewende. Schwerpunkte der Investitionen waren neben den Stromnetzen auch der verstärkte Ausbau des Glasfasernetzes.

2021 wird das Unternehmen erstmals Privatkunden an sein Glasfasernetz anschließen. Pilotregion ist der Landkreis Leipzig. Geplant ist in einem ersten Schritt die Anbindung von rund 16.000 Haushalten.

Glasfasersparte ist seit längerem schon profitabel

Das bestehende Glasfaser- und Telekommunikationsgeschäft in der Gesellschat EnivaM-Tel ist laut Vertriebsvorstand Andreas Auerbach seit längerem profitabel und erwirtschaftet positive Ergebnisse von fünf bis sechs Mio. Euro pro Jahr. „Das ist auch der Grund, warum wir uns nun zutrauen, in das Geschäft mit Haushaltskunden einzusteigen“, so Auerbach auf Nachfrage.

Auch im Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur sieht das Unternehmen viel Potenzial und arbeitet in der Region an Test-Projekten mit und betreibt unter anderem eine Wasserstoff-Testanlage im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen. „Aktuell ist die Herstellung und Anwendung von Wasserstoff aber nicht wirtschaftlich. Dies muss sich ändern“, so der Vorstandsvorsitzende Lowis.

Aus- und Weiterbildung soll weitgehend digitalisiert werden

Eigene Akzente setzt EnviaM auch in der Aus- und Weiterbildung. Ziel ist es, diese durchgängig zu digitalisieren. So sollen verstärkt Lernformen- und Lerninhalte eingesetzt und Ausbilder und Auszubildende noch besser miteinander vernetzt werden.

„Unser Anliegen ist es, ein Lernumfeld zu schaffen, in dem unsere Fach- und Führungskräfte von morgen ihre digitalen Fähigkeiten voll ausspielen und so die Energiewelt von morgen mitgestalten können“, unterstrich die künftige enviaM-Personalvorständin und Arbeitsdirektorin Sigrid Nagl. Sie tritt ab dem 1. Mai die Nachfolge von Ralf Hiltenkamp an, der in Pension geht.

Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Ergebnis-, Umsatz- und Investitionsniveau, das sich in etwa auf demjenigen von 2020 bewegen wird. (hoe)

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